Luther - Nibelungenfestspiele Worms

Fröhliche Grausamkeiten

Gold - Nuran David Calis inszeniert mit Uwe Ochsenknecht und weiterer Fernsehprominenz eine Nibelungen-Neubearbeitung von Albert Ostermaier zum Auftakt der Nibelungenfestspiele Worms 2016

Deutschland sucht den Super-Siegfried

von Alexander Jürgs

Worms, 15. Juli 2016. Der Applaus ist gewaltig, lauter Jubel ist zu hören. Ein Junge rennt los, mit dem Smartphone in den Hand. Doch ein Ordner drängt ihn ab. Der, den er erreichen will, posiert jetzt für die Kameras. Jogi Löw ist nicht der einzige Prominente, der bei der Uraufführung von Albert Ostermaiers neuem Stück dabei sein will. Ein braungebrannter Mario Adorf sitzt am Biertisch und plaudert, Marie-Luise Marjan ("Mutter Beimer") hält für die Fotografen das Programmheft in die Luft. Ein paar Meter daneben wird Julia Klöckner von Frauen in Abendkleidern umringt, die die CDU-Politikerin zu einem Selfie überreden wollen. Es gibt Winzersekt und Schokolade. Die Yellow Press ist gegenüber der Theaterkritik eindeutig in der Überzahl.

Gemetzel - In Worms inszeniert Thomas Schadt Albert Ostermaiers Version des "Nibelungenlieds"

Trieb-Spektakel mit doppeltem Boden

von Steffen Becker

Worms, 31. Juli 2015. In der alten Kaiserpfalz hat man keine Kosten und Mühen gescheut, frischen Glanz auszustrahlen. Der Filmproduzent Nico Hofmann tritt an als Intendant, Albert Ostermaier schreibt die Nibelungensaga um. Mario Adorf sitzt im Kuratorium und im Publikum – letzteres mit Joachim Krol, Henry Maske, Peter Altmaier, Roland Koch, Roberto Blanco, Harald Glööckler u.a. Gigantisch, dieses "Gemetzel", das bei den Nibelungenfestspielen vor dem Dom zu Worms angerichtet wird. Sieht man auch am Bühnenbild von Aleksandar Denić, der ja sonst oft mit Frank Castorf arbeitet: Zwei miteinander verbundene Türme, die aussehen wie die Belagerungsapparate aus Herr der Ringe, inklusive Totenschädel und Elfenbeinstoßzähnen. Dazu spielt eine Live-Band und der fernseherfahrene Regisseur Thomas Schadt überschreitet Genre-Grenzen, indem er wesentliche Teile der Siegfried-Sage durch eine Tanzcompagnie umsetzen lässt.

Teufel, Gott und Kaiser – Dieter Wedels Sparversion der Nibelungen in Worms

Wenn in des Sultans Harem die Mädels mit den Hüften kreisen

von Harald Raab

Worms, 16. Juli 2010. Was haben die Salzburger, das die Wormser in der schönen deutschen Pfalz nicht haben? Der spätromanische Kaiserdom St. Peter am Rhein ist eindeutig die gewaltigere Kulisse als das barocke Dingsda an der Salzach, das obendrein nur den rangniederen Heiligen Rupert und Virgil geweiht ist. Und was ist schon das moralinsauere Jedermann-Spektakel gegen den Psycho-und-Sex-Krimi der Nibelungen-Sippschaft.