Rache im Remix

von Stefan Schmidt

Hamburg, 21. Januar 2018. Drei Männer stehen um eine brennende Mülltone und werfen ihre Pässe in die Flammen. "Die BRD ist eine Fiktion. Das muss man wissen", sagt einer von ihnen an diesem Premierenabend am Hamburger Thalia Theater. Der Zweite Weltkrieg sei schließlich nie beendet worden. Ganz offensichtlich handelt es sich also um so genannte Reichsbürger, jene diffuse Gruppe von rechten Staatsgegnern, die den Verfassungsschützern heute auch deshalb Sorgen bereitet, weil sie immer größer und gewaltbereiter wird. Im konkreten Fall haben wir es auf der Bühne mit den Gebrüdern Kohlhaas zu tun, ursprünglich im Import-Export-Geschäft, inzwischen im militanten Untergrund tätig. Manches spricht dafür, dass sie zu den Nachkommen des gleichnamigen rächenden Rechthaberprototypen aus Heinrich von Kleists Novelle "Michael Kohlhaas" gehören. Wenn schon nicht biologisch, dann doch zumindest ideologisch.

Ein Land mit Herz und Regeln

von Falk Schreiber

Hamburg, 19. Januar 2018. Ein Perspektivwechsel: Das Publikum sitzt im Halbkreis auf der Bühne, während Bühnenbildner Michael Köpke den Zuschauerraum mit einem großen Glaskasten überbaut hat, und dazwischen lagern die Darsteller um ein Rednerpult, offen, kommunikativ, freundlich. Man wird kurz taxiert, als man den Raum betritt, sie registrieren schon, wer heute zuschaut, aber interessanter ist doch das Gespräch untereinander. Ein schönes Einstiegsbild hat Gernot Grünewald für seine Recherche "Performing Embassy of Hope" konstruiert, ein Bild, das ebenso Ankommen beinhaltet wie Unsicherheit, was einen erwartet.

Bälle fliegen um die Ohren

von Stefan Schmidt

Hamburg, 26. November 2017. Nach gut zwei Stunden ist Willy Loman endlich tot. Quälend langsam ist er bei lebendigem Leib gesellschaftlich dahin gesiecht, dieser (nicht nur namentlich) kleine Kerl in seinem beigefarbenen Sack von einer Handelsvertreteruniform. Dutzende Male hat er sich die viel zu schlecht sitzende Brille Marke Kassengestell wieder nach oben auf die Nase geschoben an diesem Premierenabend am Hamburger Thalia Theater. Den richtigen Durchblick im (Geschäfts-)Leben haben aber immer nur die anderen behalten, obwohl Willy Loman wirklich gekämpft hat. Total Loser. So sad! Wie mancher heute zynisch twittern würde.

Das dumme, dumme Volk

von Falk Schreiber

Hamburg, 22. Oktober 2017. Was bisher geschah: Agamemnon zieht in den Krieg gegen Troja. Klappt aber nicht so richtig, seine Flotte liegt bei Flaute im Hafen, also bittet er die Götter um Hilfe, und die verlangen ein Opfer. Kriegen sie, der Feldherr opfert seine Tochter Iphigenie (oder glaubt zumindest, sie zu opfern), der Wind weht, das Heer setzt über, Troja wird geschlagen, Agamemnon kehrt siegreich heim. Wo allerdings Iphigenies Mutter Klytaimestra alles andere als erfreut über das Geschehen ist …

Unter Händlern

von Falk Schreiber

Hamburg, 17. September 2017. Wenn man auf St. Pauli die Bernhard-Nocht-Straße stadtauswärts geht, dann gerät man ungefähr auf Höhe der Hafentreppe in eine klandestine Handelssituation. Die Handelspartner versuchen, mit Blicken abzuklären, ob man ins Geschäft kommt. Bewegungen sind wichtig, Gesten, gezischte Codes. Man muss einschätzen, ob das Gegenüber ein vertrauenswürdiger Partner ist, man muss verstehen, ob die angebotene Ware ihren Preis wert ist, man muss die Umgangsformen beherrschen, man muss die Zeichen, die man empfängt, lesen können. Man begeht also einen performativen Akt, einen Tanz zwischen Dealer und Kunde. Und am Ende steht eine Transaktion, im besten Fall.

The Winner Takes It All!

von Stefan Schmidt

Hamburg, 8. September 2017. "Where are those happy days? They seem so hard to find." Dieses SOS hat ABBA schon Mitte der 1970er Jahre in die Welt lamentiert. Dabei verliefen damals die ideologischen Linien doch noch wesentlich klarer, und die Politik hatte der Bühne das schöne Spiel von Schein und Sein, von perfekter Pose und sehnsuchtsvoller Illusion noch nicht vollständig streitig gemacht. In diese goldenen Popzeiten flüchtet sich Regisseur Stefan Pucher mit seiner Inszenierung von Molières Betrügergeschichte "Tartuffe" am Hamburger Thalia Theater, das damit in die neue Spielzeit startet.

Arbeit für'n Arsch

von Christian Rakow

Hamburg, 27. Mai 2017. Wozu eigentlich dieses verdruckste Reden von "unterprivilegierten Schichten" oder "den sozial schlechter Gestellten"?  Dank Kornél Mundruczó wissen wir wieder, wie es am unteren Ende der Wohlstandsskala wirklich ausschaut: Lumpen sind's, Pauper! Typen in Baseball-Jacken lungern umher und stammeln sich eins, dass man froh ist, dass ihre wortähnlichen Rülpser geflissentlich übertitelt werden.

Eine Fest für zwei

von Stefan Schmidt

Hamburg, 20. Mai 2017. Der Sarg des Odysseus ist von Beginn an leer. Zumindest fast. Irgendwann im Laufe dieses Premierenabends im Hamburger Thalia an der Gaußstraße werden sie den Deckel anheben, und ein weißer Luftballon wird aus der schwarz lackierten Pressholzkiste aufsteigen. Falls das die Seele des berühmten mythischen Kriegers sein sollte, überlebt sie die Befreiung aus dem Totenreich nicht lang. Einer der Söhne des Odysseus schießt den Ballon kurzerhand mit einer Pistole ab. Übrig bleibt eine Botschaft in einem Kuvert: ein übergroßer Penis auf einem DIN-A-4-Zettel. Zeit für den Schwanz-Vergleich!

Angst sells

von Stefan Schmidt

Hamburg, 22. April 2017. Erschreckende Dinge erfahren wir an diesem Abend im Hamburger Thalia Gaußstraße: Wenn etwa der Boden der Studiobühne nachgeben würde, könnte am Ende das gesamte Ensemble samt Publikum sechs Meter hinab in die Tiefe stürzen. Denkbar ist das. Ein Statiker hat die Nebenspielstätte jedenfalls angeblich schon lange nicht mehr durchgeprüft. Alternativ könnten wir von einem Scheinwerfer erschlagen werden. Oder eine Möwe könnte hereinfliegen und jemandem ein Auge aushacken. Es gibt schließlich Möwen in Hamburg.

Wir sind die Fäden im Teppich

von Katrin Ullmann

Hamburg, 8. April 2017. Sie hält inne und steht einfach nur da. Traurig. Die Schultern hängend. Die Haare zu langen Zöpfen geflochten, die Augen voller Lebenswissen, die Stimme voll ruhiger Verzweiflung: "Ich habe nichts halten können, alles ist mir entglitten, wie durch ein Sieb mit zu großen Löchern, verschwunden." Die fast 100-jährige Stasia spricht diese Worte, als sie von Miqa erfährt. Als sie erfährt, dass er im Koma liegt. Nachdem er verhaftet worden war. Verhaftet, weil er einen Film gedreht hatte. Einen über seine Großmutter Sopio, eine Dichterin, die einst in Dissidentenkreisen verkehrte.

Träumen unterm Lebensbaum

von Michael Laages

Hamburg, 18. März 2017. Shakespeare hin, Molière her – kaum jemals sonst taucht das Theater derart tief ins vorvorvorgestern ein wie gerade mit diesem klassischen Stoff: mit der träumerischen Märchenfabel um "Cyrano de Bergerac", den Edmond de Rostand 1897 dem tatsächlichen französischen Landedelmann aus dem 17. Jahrhundert nachempfand und als sehr speziellen Sonderling auf die Theaterbühne schickte. Dieser Cyrano nämlich ist ein ziemlich zerrissenes Wesen – einer körperlichen Besonderheit wegen (die Nase ist übermäßig groß) bleibt sein Werben um die schöne Cousine Roxane unerhört; die einen jüngeren und exzeptionell dümmeren Mann erhören will. Dieser Christian hat zwar einen schönen Körper, kann dafür aber weder gut reden noch gar gut schreiben. So leiht der Titelheld diesem perfekten Körper den eigenen perfekten Geist – und weil das natürlich praktisch sehr komisch ist, muss es tragisch enden. Die Wahrheit, unabweisbar spätestens im Tode, macht alle zu Betrügern und Betrogenen zugleich.

Draußen tobt die Hölle

von Falk Schreiber

Hamburg, 24. Februar 2017. "Du musst anständig werden!" Kufait kommt aus dem Gefängnis, er hatte Geld unterschlagen, ein Fehltritt. Aber noch einmal auf die schiefe Bahn will er nicht geraten. Besonders hoch sind seine Ansprüche an die Zukunft auch nicht. "Man hat sein Zimmer, sitzt warm durch den Winter, vielleicht mal Kino", das muss doch machbar sein. Hauptsache aber: anständig werden.

Gefühlschoräle mit Gewusel

von Katrin Ullmann

Hamburg, 27. Januar 2017. "Nehmt's mich mit!" ruft sie am Ende. Der Krieg geht schließlich weiter und damit auch das Geschäft. Kreuz und quer durch Europa hat Mutter Courage ihren Karren gezogen – allzeit bereit für einen Handel. Auch nach fast 20 Jahren ist sie's noch, als sie ihre drei Kinder an den Krieg verloren hat und auch ihre Hoffnung. Doch dass die Protagonistin am Ende nicht zur Einsicht kommt, nichts "lernt aus ihrem Elend", gerade das sei "die bitterste und verhängnisvollste Lehre des Stücks", bemerkt Bertolt Brecht in seinen Notaten.

Wir sind hässlich

von Stefan Schmidt

Hamburg, 18. Dezember 2016. Die ganze Menschheitsgeschichte in anderthalb Stunden – da muss man schon etwas raffen. Angesichts dieses Mammutunterfangens lässt sich Regisseur Ersan Mondtag in seiner Hamburger Uraufführungsinszenierung von Michel Decars "Schere Faust Papier" zu Beginn erstaunlich viel Zeit. Minuten, in denen es schummerig düster und wabernd neblig zugeht im Thalia Gaußstraße. Sphärische Gesänge sind zu hören, ein Klangteppich, aus dem heraus dann Barack Obamas Stimme "Yes, we can" ruft.

Wir Kinder vom Bahnhof Zero

Von Falk Schreiber

Hamburg, 27. November 2016. "Schön habt ihr es hier", nickt die reiche Tante anerkennend. "Ganz nach meinem Geschmack!" Was eine ziemliche Gemeinheit ist, weil Karin Neuhäuser die Tante als jemanden darstellt, auf deren Geschmack man nicht wirklich viel geben sollte: als herrische Schabracke auf atemberaubenden Absätzen, mit Schwarzfuchs um den Hals und der Fähigkeit, die gesamte Belegschaft innerhalb von Sekunden nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen.

Wann kommt die Flut?

von Stefan Schmidt

Hamburg, 25. November 2016. Es gibt Schlimmeres, als Barbara Nüsse beim unheilvollen Sterben zuzusehen. Zumindest wenn klar ist, dass das alles nur gespielt ist. Muss die arme Frau aber deshalb in diesem "Schimmelreiter" am Hamburger Thalia Theater gleich sieben (!) Mal das Zeitliche segnen? Wohl kaum.

Fiesling auf der Trommel

von Stefan Schmidt

Hamburg, 29. Oktober 2016. Der Hamburg Dungeon, eine Mischung aus kompaktem Freizeitpark und Gruselkabinett, kündigt dieser Tage eine neue Horrorshow aus den Tiefen der Stadtgeschichte an: Die Rache einer Gequälten soll den amüsierwilligen Besuchern dargeboten werden, ein Fluch aus der Vergangenheit, der nachhallt in die Gegenwart. Eine andere Gespenstergeschichte mit historischen Bezügen hat jetzt schon ein paar Tage vorher am Thalia Theater Premiere gehabt: Shakespeares "Richard III." in der Regie von Antú Romero Nunes.

Der Beat des Untergangs

von Falk Schreiber

Hamburg, 16. September 2016. Es ist etwas passiert. Ein Terroranschlag vielleicht, ein Unglück oder ein Amoklauf, jedenfalls ist die Leuchtschrift "Happy New Year" auf die leere Bühne gestürzt, und Karin Neuhäuser muss ein Tatort-Absperrband aufwickeln. Und Neuhäuser wickelt. Und wickelt. Es ist etwas passiert, aber jetzt passiert erst einmal fast nichts mehr, Neuhäuser wickelt ein Band auf und spricht dazu einen typischen Jelinek-Text: eine Suada, die vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt beziehungsweise vom Ressentiment auf die Wut und von der Wut auf den Hass. Fast zwanzig Minuten dauert dieser Motzmonolog, ein endloses Reinsteigern in die eigene Übermenschlichkeit, getragen von Selbstüberschätzung bei gleichzeitigen Minderwertigkeitskomplexen: "Wir wollen Veränderung für dieses Land … Nationales Interesse, ohne nationalistisch zu sein, das dürfen wir nicht ...", Motzmotzmotz, ewig so weiter.

Mittendrin im Zweifel

von Katrin Ullmann

Hamburg, 15. September 2016. Schrecklich eng stehen die Darsteller. Dicht gedrängt in einem Loch im Bühnenboden. Zu fünft haben sie sich dort hineingequetscht. Körperkontakt ist unvermeidlich. Es herrscht Gedränge in der Pariser Metro: "Der Waggon war überfüllt. Ich stieß an den Rücken des Mannes vor mir. Kaum habe ich ihn berührt … Ich kenne den Mann nicht, aber er hat mich wiedererkannt."

Man kann es nicht besiegen

von Katrin Ullmann

Hamburg, 4. Juni 2016. Ein Schaf, ein Huhn, ein Vogelkäfig: Dazu und dazwischen eine Handvoll bizarrer Gestalten mit herausgestülpten, überdimensionalen Körperteilen. Mattrosa Hängebäuche, verfilzte Haare, die Gesichter mehr Maske als Mimik. Ihre Blicke misstrauisch, die Bewegungen verdruckst. Es ist eine degenerierte, bleiche Gesellschaft in einem namenlosen Dorf, inzestiös und debil. Ein grausamer Alptraum. Und doch gibt es einen, der – aller Feindseligkeit zum Trotz – dazugehören möchte: Herr K.

Im Loch

von Falk Schreiber

Hamburg, 16. April 2016. Blanche DuBois ist entsetzt. "Dass du in solch einem Loch leben musst!", schleudert sie ihrer Schwester Stella entgegen. Deren beengte Wohnsituation ist nicht standesgemäß für die Familie DuBois, alte Südstaaten-Aristokratie, längst verarmt zwar, aber trotzdem. Wobei das mit dem Loch im Hamburger Thalia Theater nicht einmal metaphorisch gemeint ist: Florian Lösches Bühne ist nämlich tatsächlich ein Loch, eine schwarze Wand direkt an der Rampe, aus der ein riesiges Loch herausgebrochen ist. Wie das Negativ einer Gipsfigur, das innen mit weichem Schaumstoff ausgekleidet ist, über den sich beeindruckend tanzen, hüpfen, stürzen lässt. Eine Nicht-Bühne also, eine großartige, vieldeutige Lösung.

Das Grauen im Gruselidyll

von Jens Fischer

Hamburg, 19. März 2016. Hin und her taumelt eine sich ewig jung dünkende, agile, leicht mondäne Bussigesellschaft im Partymodus auf einer bürgerlich getäfelten Halfpipe. So stumm wie einsam. Als hätten sich Schrillschrauben aus einem Herbert-Fritsch-Tollhaus in Pina Bauschs "Kontakthof" verlaufen. Sie tanzen grotesk ihre Eitelkeiten und Spleens mit- und umeinander. Was so puppenlustig emotionsfrei geschieht, dass es nie schmerzhaft wirkt, wie alle einander ständig verfehlen. Dabei entwickeln sie eine erstaunliche Dynamik – jede mimische, gestische, körperliche Bewegung verändert stets minimal die rotierende Choreografie des Beziehungsgeflechts.

Sneaker in Denkerpose

von Stefan Schmidt

Hamburg, 27. Februar 2016. Gestern Abend haben sie wieder "dummes Zeug" geredet, die absurden Clowns von Samuel Beckett. "Machen wir ja immer, seit einem halben Jahrhundert", sagt einer von ihnen, Estragon, irgendwann in dieser Hamburger Inszenierung. Stimmt. Und diese gefühlt lange Theatergeschichte der endlosen Warterei auf einen ominösen Godot hat dazu geführt, dass die Textvorlage aus der Mitte des 20. Jahrhunderts für manchen schon musealen Charakter angenommen hat. Der damalige Intendant des Bochumer Schauspielhauses, Matthias Hartmann, hat Becketts Stück etwa schon 2002 in einen ebenso ausstellungsreifen wie statischen Goldrahmen verfrachtet (und mit Harald Schmidt auf der Besetzungsliste zu einem Medienereignis degradiert). Im Grunde konsequent. Schließlich weiß doch inzwischen so gut wie jeder eifrige Theatergänger, dass Godot niemals kommen wird. Möglicherweise existiert er ja noch nicht einmal. Die Sinnlosigkeit des Wartens ist altbekanntes Programm.

Postmodernes Mysterienspiel

von Tim Schomacker

Hamburg, 25. Februar 2016. Schließlich sitzen sie da. Alle sieben am langschwarzen Tisch. Alle in der gleichen strähnig zerbeulten, ausladenden hellen Perücke, im gleichen langen Gewand, das als semidurchsichtiges Feinnetz-Shirt beginnt, unterhalb der Taille dann schwarz aber luftig ausläuft mit Saum auf Sohlenhöhe. Sie schauen, eine langsame Folge stummer Blicke und Kopfneigungen, das in ein Streichen über die Tischfläche ausläuft, als wären Krümel wegzuwischen. Eine Sequenz, die sich wiederholt, auch als die ersten Grüppchen auf der Publikumstribüne zaghaft zu applaudieren beginnen. Bis zum schlussendlichen Black.

Jenseits des Regenbogens

von Falk Schreiber

Hamburg, 23. Januar 2016. Zur Eröffnung der diesjährigen Lessingtage lädt das Hamburger Thalia Theater zum "Bürgergipfel". Hamburger und Neuhamburger treffen sich zum Mittagessen und diskutieren Themen wie Arbeit, Wohnen, Glauben und Bildung; Themen, die die Stadt umtreiben, Themen, die sich auf den Nenner "Wie wollen wir unser Zusammenleben organisieren?" bringen lassen. Arbeit, Wohnen, Glauben und Bildung, das sind auch die zentralen Themen in John Steinbecks Roman "Früchte des Zorns" von 1939, der die Familie Joad begleitet auf ihrer Wanderung aus der Armut in Oklahoma nach Kalifornien, wo sie auf eine Zukunft hoffen und doch nur Missgunst, Fremdenfeindlichkeit, Ausbeutung finden. Die Joads sind also: Wirtschaftsflüchtlinge.