4. April 2011. Ihre erste Filmrolle spielte sie mit 17. Ihre erste Theaterrolle bei Helene Weigel, der Frau vom Brecht, im Berliner Ensemble mit 20. Unsterblich geworden in Deutschland ist sie aber als Paula in Heiner Carows Film "Legende von Paul und Paula", von 1973. Herzlichen Glückwunsch Angelica Domröse zum 70.

12. April 2011. Vor 50 Jahren brachte er die kommunistischen Funktionäre auf die Palme, als er Heiner Müllers Produktionsdrama "Die Umsiedlerin" an einer Studentenbühne uraufführen wollte: Danach wusste auch B.K. Tragelehn Geschichten aus der Produktion zu erzählen, denn er wurde zur Strafe in selbige versetzt – ein Jahr als Kipper in Klettwitz. Und noch vor 15 Jahren stieß er am Berliner Ensemble die kapitalistischen Funktionäre vor den Kopf, indem er sich von der Deutschen Bank das Bühnenbild des Brecht'schen "Galilei" mitfinanzieren ließ und den gestrengen Bankern dann zur Premiere einen leeren Raum präsentierte. Dazwischen produzierte er mit einem Co-Regisseur namens Einar Schleef einige Skandale oder ließ sich vom Schauspiel Frankfurt fristlos entlassen. Bequem hat es sich dieser so entschieden dramaturgisch denkende Regisseur nie gemacht. Und bis heute schenkt er uns die schönsten Übersetzungen des elisabethanischen Theaters. Wir gratulieren B.K. Tragelehn zum 75. Geburtstag.

17. April 2011. Seine Figuren haben immer von einer merkwürdig aristokratisch veredelten proletarischen Aura gelebt. Waren rauchzart, um's mal mit der Werbesprache des Westens zu sagen, wo Hilmar Thate, 1931 in Halle geboren, seit 1980 lebte – als er nach wachsenden Schwierigkeiten wegen seiner Unterschrift der Biermann-Petition vom Ostberliner Deutschen Theater mit seiner Frau Angelica Domröse ans Westberliner Schiller Theater gewechselt war. Neben dem Ostlerpaar mit Hollywoodappeal wirkten die Westspieler am Haus dann erst recht wie allermiefigste Provinz. Gelernt hatte Thate das an Helene Weigels Berliner Ensemble, wo er 1972 auch eine seiner berühmtesten Rollen spielte – Richard III. in einer Inszenierung von Manfred Wekwerth: ein charmanter Bösewicht mit melancholischen Zügen, der beim Zuschauer sofort Beschützerinstinkte weckte und so zum Komplizen seiner Mordtaten machte. Das Richard-Echo hallte 1997 noch im Halbweltmogul Rudi Kranzow nach, den Thate in Dieter Wedels Fernseh-Mehrteiler "Der König von St. Pauli" spielte. Heute wird Hilmar Thate, man glaubt es kaum, achtzig Jahre alt. Wir gratulieren.

30. Juni 2011. Ja, die Stimme! Einmal gehört, nie wieder zu vergessen. Bei Otto Sander klingen die Silben und Worte, als seien sie mit einem Bein himmelwärts auf Reisen und mit dem anderen in Höllengründen versunken. Und ja, die Filme! "Wer spinnt denn da, Herr Doktor?" zum Beispiel. Oder "Das Boot". Oder "Der Himmel über Berlin". Wo Otto Sander dabei ist, wird's immer gefährlich, uneindeutig. "Wie alle großen Schauspieler ist Otto extrem", hat Wim Wenders gesagt. Extrem und maßlos, "in der Begeisterung, im Risiko, in der Selbstüberschätzung, im Selbstzweifel – und in der Verletzlichkeit wie in der Unverwundbarkeit". Und doch, Otto Sander ist vor allem ein Schauspieler der Bühne. An der Schaubühne wurde er groß und berühmt, als Peter Stein ihn 1970 ins Ensemble holte. Er hat mit Klaus Michael Grüber, Luc Bondy, Claus Peymann, Peter Stein gearbeitet, in sehr verschiedenen Rollen, in sehr verschiedenen Inszenierungen. Und doch hat er sich immer seine Sander'sche Spezialität bewahrt: eine Mischung aus Anarchie und Melancholie, aus Zwanglosigkeit und Präsenzschärfe. Einmal gesehen, nicht mehr zu vergessen. Heute wird Otto Sander 70 Jahre alt. Wir gratulieren.

(dip)