7. Juni 2012. Mitte der 90er Jahre verbrachte ich einen Monat lang meine Nachmittage forschend in einer Wiener Bibliothek und meine Abende schauend im Burgtheater. Wenn ich dem Herrn Oberbibliotheksrat, der meine Bücherbestellungen entgegennahm, von meinen Ausflügen ins Theater erzählte, fuhr der ansonsten eher ruhige Mann jedes Mal ohne Vorwarnung aus der Haut. Er würgte dann meist, begleitet von Verwünschungen, den einen Namen, den des damaligen Burgtheater-Intendanten, hervor: "Peymann!" (Bei ihm, dem Wiener, klang es fast wie "Bähmann!").

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17. Oktober 2011. "Du hast den Hund vergiftet!" "Ich habe den Hund nicht vergiftet." "Hättest Du den Hund nicht vergiftet, dann hätten wir jetzt wenigstens einen Hund." Mit solchen Nonsens-Dialogen – dieser stammt aus "Murx den Europäer", anderthalb Jahrzehnte lang ein Kultstück an der Berliner Volksbühne – spießt Christoph Marthaler ganz nebenbei etwas auf, was man gerne "Befindlichkeit" nennt.

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Der Schauspieler Gert Voss.
© www.gert-voss.at

10. Oktober 2011. Wie soll man einen besingen, der unter allen Regiegrößen seiner Zeit brillierte? Der als Claus Peymanns Richard III. die Wiener Burg eroberte, Peter Zadeks Shylock war und George Taboris Othello, sich von Thomas Bernhard das Stück "Ritter, Dene, Voss" auf den Leib schreiben ließ, mit Ignaz Kirchner ein grotesk-aberwitziges Dreamteam bildete, kurz: über Jahrzehnte das deutschsprachige Theater im Kern prägte?

4. Oktober 2011. Soeben ist im Daco-Verlag ein großer, schwerer Prachtband erschienen: "The Watermill Center - A Laboratory for Performance – Robert Wilson's Legacy". Ein schönes Buch, in dem von Laurie Anderson bis Isabelle Huppert lauter Weggefährten Wilsons sein Werk und Wirken würdigen. Ein Buch voller Lob und Bewunderung. So ist das, wenn es die Großen der Zunft zu feiern gilt. Und gefeiert wird mit Wilson einer der einflussreichsten Erneuerer, Umstürzler, Visionäre des Nachkriegstheaters.