18. Juli 2011. Eine Erinnerung: Heinz Bennent und sein Sohn David waren – es mag zehn Jahre her sein – mit einer Doppellesung unterwegs. David Bennent las Heiner Müllers "Bildbeschreibung", und er machte seine Sache gut, vielleicht ein wenig gespreizt. Dann aber kam Heinz Bennent und machte Hölderlins "Hyperion" so sehr zu seinem eigenen Text, füllte diese ferne, idealistisch begeisterte Prosa so sehr mit gebändigter Erfahrungstiefe, dass es den Zuhörern den Atem verschlug. Diesen greisen Hyperion würde man hinfort nicht mehr aus dem Kopf kriegen. Heute wird Heinz Bennent, dessen Schauspiel Ernst und Narrentum (1992 war er Dieter Dorns Narr im "Lear") immer auf das Glückhafteste verband und der – auch das eine festhaltenswerte Leistung – Peter Zadek in den 60er Jahren das Autofahren lehrte, 90 Jahre alt. Wir gratulieren.

17. Juli 2011. Immer mal wieder denkt man: nun ist er endgültig der Fidel Castro des deutschen Theaters geworden. Frank Castorf, der ewige Commandante am Rosa-Luxemburg-Platz, der Theater machen kann, wie Castro redet: stundenlang, ausufernd, nicht auf den Punkt kommend und irgendwie an staubigen und diskret totalitären Utopiemodellen kleben geblieben.

28. Juni 2011. Er ist ein Intellektueller und Universalgebildeter der aussterbenden Art, Ivan Nagel, 1931 in Budapest geboren. Er war Kritiker, Wissenschaftler, Dramaturg und Intendant. Besonders als Theatermann ist Ivan Nagel ein weitsichtiger Ermöglicher gewesen: Ob als Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg oder des Stuttgarter Staatsschauspiels; als Erfinder des Festivals Theater der Welt oder als Architekt der Berliner Theaterlandschaft nach 1989, die auf der Basis seines berühmten Gutachtens neu strukturiert wurde.

20. Juni 2011. Die Strenge, sie täuscht: Zwar ist Dieter Mann die Uniform und das Deutsche nie richtig losgeworden zwischen dem sehend werdenden Unteroffizier Willi Lommer in Konrad Wolfs DEFA-Meisterwerk "Ich war neunzehn" und dem mahnenden Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel in Oliver Hirschbiegels "Der Untergang". Aber wer ihn als Malvolio an seinem Deutschen Theater erlebt hat, dem er von 1964 angehörte bis in die Spätzeit der Intendanz Wilms hinein, weiß, was für ein begnadeter Komödiant er ist: Gerade weil da etwas aus dem Korsett einer hermetischen Oberfläche ausbrechen will, weil der ernste Leib plötzlich zappelt und stelzt, sich dreht und verknotet, wirkt die tragikomische Fallhöhe so gewaltig. Wie jüngst wieder, als er ausgerechnet bei Frank Castorf den Müller spielte in Walter Mehrings "Kaufmann von Berlin". Ausgerechnet? Es war jener Castorf, den er während seiner Intendanz am Deutschen Theater von 1984 bis 1991 ans Haus holte, wie auch Heiner Müller, der hier mit Ulrich Mühe seinen DDR-Endzeit-"Hamlet" inszenierte. Auch während und nach dem Epochenwechsel blieb der Meister des penibel abgewogenen Tons ein Ensemble-Mensch, der, so zeigt es besonders schön sein Solo-Abend "Fülle des Wohllauts", der Ironie immer näher steht als dem Pathos. Heute wird Dieter Mann 70 Jahre. Wir gratulieren!