Ein Satz der Goethe'schen Iphigenie – die sie, natürlich in der Regie ihres Ehemanns Hans Neuenfels, vor mehr als drei Jahrzehnten verkörperte – ist ihr besonders lieb: "Doch immer bin ich, wie im ersten, fremd." Nein, eine Vertrautheitsspielerin ist Elisabeth Trissenaar nicht. Sie sucht in den ihr aufgegebenen Figuren nicht das Alltägliche auf, nicht das Natürliche, sondern das Ferne, Fremde und Künstliche. Vom Fremden in sich aber wird sie, wenn sie Fräulein Julie, Penthesilea, Medea oder all die anderen großen Frauenrollen spielt, regelrecht durchtobt. Ihr sprachlicher Duktus nähert sich dabei dem hohen Ton, dem sie jedoch alles Elegische und alles Kulinarische ausgetrieben hat. Sie kann schrecklich sein, schrecklich spitz, schrecklich schrill, schrecklich ironisch und schrecklich schön. Und manchmal hält man sie kaum aus. Doch immer bleibt sie dabei, wie im ersten, fremd – und groß.

Wenn man in Berlin in einer Theaterpremiere sitzt und sich umdreht, dann sitzt in der Regel Christoph Hein hinter einem. Na ja, vielleicht ist das eine Übertreibung, sicher aber ist, dass kaum ein deutschsprachiger Schriftsteller von Rang so rege am Theaterleben Anteil nimmt wie Christoph Hein. Und das begann früh, sehr früh. Hein, der bereits als 14-Jähriger aus dem Osten nach West-Berlin floh, um sich am Tag des Mauerbaus durch einen unerlaubten Dresden-Besuch unversehens als DDR-Bürger wieder zu finden, ging zunächst als Regieassistent zu Benno Besson ans Deutsche Theater und folgte ihm später als Dramaturg an die Volksbühne.

Er erfand in Deutschland das multikulturelle Theater, lange bevor Shermin Langhoff in Berlin ein postmigrantisches Theater etablierte oder Johan Simons die Münchner Kammerspiele internationalisierte: 1980 gründete Roberto Ciulli das Theater an der Ruhr in Mülheim, zusammen mit dem Dramaturgen Helmut Schäfer. Ein sehenswertes, auratisches Gespann, hier der albinohaft draculaartige Schäfer, der den Texten den Saft aussaugte, dort Ciulli, der schicke Italiener in Businessanzügen sowie seine schöne, viel zu früh verstorbene Freundin Gordana Kosanović, nach der der Preis benannt ist, den das Theater vergibt.

Frido Solter attestierte ihr einst eine "lyrisch schwingende Sinnlichkeit wie Anna Magnani", heute gehört sie zu den größten Charakterdarstellerinnen, die Bühne und Film in Deutschland haben: Christine Schorn ist zum Niederknien. Allein diese Stimme! Klar schimmernd wie Messing, gleitet sie ganz nach Belieben ins Nölige oder Derbe, klingt schnell weinerlich oder aristokratisch und doch immer enorm Schorn’sch. Selbst wenn man sie optisch kaum erkennt wie in Jürgen Goschs immer noch laufendem Onkel Wanja (tief vermummt und gekrümmt als Marina) – ihre Stimme verrät sie.