31. Mai 2011. Als junger Mann hat er einmal Sartre ein Steak gebraten (er war da gerade Assistent des Malers und Bildhauers Max Ernst in Paris). Ob es dem Philosophen gemundet hat, ist nicht überliefert, doch vielleicht hat er Hans Neuenfels bei dieser Gelegenheit ja eine Lektion in Unerschrockenheit erteilt. Wäre dem so, Neuenfels hätte guten Gebrauch davon gemacht: Kein anderer hat sich wohl so regelmäßig den Buhstürmen der Entrüstung gestellt, die seine von Fröschen, Ratten, Bienen, Kentauren, Phalloi und allerlei seltsamem Pflanzenwerk bevölkerten Inszenierungen auslösten (Menschen gab's übrigens auch immer: raubtierartig aufeinander losgehende, liebend sich ineinander verbeißende und anrührend einsame). Sei es eine Frankfurter "Medea" von 1976 (Peter Iden: "tatsächlich ekelhaft"), sei es ein Berliner "Idomeneo" von 2003, dessen abgeschlagene Prophetenköpfe ihn später weltweit auf die Titelseiten bringen sollten. "Da Kunst eine Gefahr darstellt, muss sie damit rechnen, dass sie ihrerseits in Gefahr gerät", sagt Neuenfels. Dieser große Störer wird heute 70 Jahre jung. Wir gratulieren!

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Elisabeth Orth gestern im Wiener Burgtheater © Reinhard Werner

Jenseits der Familienbande

Wien, 8. Februar 2011. Wer in einen der glamourösesten und umstrittensten Schauspielerclans Österreichs hineingeboren wird, muss sich etwas einfallen lassen, wenn sie es selbst ernst meint mit der Bühnenkunst. Um nicht vom magischen Namen Hörbiger vereinnahmt und durch die theaterhistorische Brille betrachtet zu werden, hat Elisabeth Orth früh den Familiennamen ihrer Großmutter mütterlicherseits angenommen.

Voller Strenge

Berlin, 13. Dezember 2010. Bis heute versteht man es nicht recht: Dreißig Jahre war Jutta Wachowiak am Deutschen Theater Berlin. Sie war dort 1972 die Sonja in Wolfgang Heinz' "Onkel Wanja", vier Jahre später bei Friedo Solter die Cordelia in Shakespeares "König Lear", war 1980 die Maria Stuart in der Inszenierung von Thomas Langhoff und 1993, wieder bei Langhoff, die Mutter Wolffen in Gerhart Hauptmanns "Der Biberpelz", an der Seite von Dieter Mann. Es müssen große, einschneidende Abende gewesen sein; bis heute schwärmt davon, wer dabei war. Wegen ihrer Forsch- und Entschiedenheit, auch wegen ihrer Berliner Schnäuzigkeit. "Ich kann mir keine 'heißere' Schauspielerin vorstellen als die eher bodenständige Jutta Wachowiak", sagt Martin Linzer, der Theaterkritiker, der sie seit Jahrzehnten auf der Bühne sieht.

Voller Delikatess'

Berlin, 13. Dezember 2010. Sie ist ein Theaterstar, gemeinsam mit der Kollegin Jutta Lampe, vielleicht der weibliche Theaterstar der guten Jahre der alten Bundesrepublik. Geboren in Wuppertal, wurde sie in den sechziger Jahren in Bremen, in der Ära Kurt Hübners, entdeckt. In den siebziger und achtziger Jahren arbeitete sie als Protagonistin von Peter Stein an der Schaubühne in West-Berlin, verband sich sich in den Achtzigern mit Hans-Jürgen Syberberg für eine Handvoll enigmatischer Theater-Film-Projekte, spielte im Film unter anderem bei Eric Rohmer und Peter Handke, inszenierte in den neunziger Jahren selbst und zeigte zuletzt in Luc Bondys Die Zofen, immer noch an der Volksbühne in Berlin zu sehen, dass sie nicht bloß eine mit dem "Nestroy" und dem Gertrud-Eysoldt-Ring dekorierte Tragödin ersten Ranges, sondern auch eine Schauspielerin von besonderem Humor und Selbstironie ist.