Die Träume der Abwesenden - Residenztheater München

Seifenoper mit Lerneffekt

von Maximilian Sippenauer

München, 26. September 2021. Von allen erzählerischen Mitteln das stärkste ist die Zeit. Es ist die Zeit, die vergeht, die Judith Herzbergs Trilogie "Die Träume der Abwesenden" die Wucht eines großen Gesellschaftsportraits entfalten lässt. Dreißig Jahre Familiengeschichte werden hier verhandelt: Coming of Age – and Leaving. Erzählt konzentriert über drei Familientreffen: Hochzeit, Hochzeitstag, Totenwache. Regisseur Stephan Kimmig bringt alle drei Stücke, nebst einem kleinen Monolog, als fünfstündige Mammutinszenierung im Münchner Residenztheater auf die Bühne. Hier altert der Zuschauer mit. Der Rücken schmerzt. Die Luft unter den obligatorischen Masken wird schal. Vor allem aber setzt geistiger Fettbrand ein, der einem das Schicksal einer jüdischen Biografie in Europa klarer sehen lässt als jeder gut gemeinte Debattenbeitrag.

Unsere Zeit - Residenztheater München

Tankstellen-Tauschhandel

von Sabine Leucht

München, 19. September 2020. Wo anfangen? Wie einen Abend beschreiben, der kein Ende findet und kein wirkliches Zentrum hat? Und der mit 16 Schauspielern und den Figuren, an denen sie selbst mitgeschrieben haben, nicht nur einen kanonischen Stoff überschreiben will, sondern einen ganzen literarischen Kosmos ins Heute transferieren? Dabei ist es nicht gar so weit her mit den "Motiven von Ödön von Horváth", an denen sich Simon Stones Fantasie in "Unsere Zeit" am Münchner Residenztheater abstößt. Stone leiht sich bloß einige wiederkehrende Motive – er nennt sie "Obsessionen" – und Namen (etwa Elisabeth aus "Glaube Liebe Hoffnung") von Horváth, mal blitzt ein bekannter Satz aus den Endloslitaneien, in denen sich alle hier ergehen und sich am Ende lückenlos selbst erklären, was wiederum gar nicht Horváth-like ist.

Gott - Residenztheater München

Trostlose Diskussionskultur

von Steffen Becker

München, 23. Juli 2021. Im Programmheft der Inszenierung von Ferdinand von Schirachs "Gott" am Residenztheater findet sich ein Spoiler. Von Schirach bekennt im Nachdruck eines NZZ-Interviews, dass sein Stück ein klares Ziel hat: Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Zulässigkeit assistierter Sterbehilfe vom Februar 2020 soll endlich umgesetzt werden. Was der Autor wünscht, wie das Publikum mit seinen am Eingang erhaltenen roten und grünen Abstimmungs-Karten umgeht, ist also klar.

Herbert Achternbusch
Regie: Elsa-Sophie Jach
03. Juli 2021
William Shakespeare
Regie: Robert Borgmann
14. Mai 2021
Michel Decar
Regie: David Moser
28. April 2021
Lot Vekemans
Regie: Daniela Kranz
23. Januar 2021
Beniamin M. Bukowski
Regie: András Dömötör
21. Dezember 2020
07. Dezember 2020
Thiemo Strutzenberger
Regie: Miloš Lolić
11. Oktober 2020
Heinrich von Kleist
Regie: Ulrich Rasche
25. September 2020
Euripides
Regie: Karin Henkel
23. Februar 2020
Marieluise Fleißer
Regie: Julia Hölscher
23. Januar 2020
von PeterLicht nach Molière
Regie: Claudia Bauer
21. Dezember 2019
Frank Wedekind
Regie: Bastian Kraft
22. November 2019
Roland Schimmelpfennig
Regie: Tilmann Köhler
08. November 2019
von Thom Luz nach einer Komposition von Charles Ives
Regie: Thom Luz
27. Oktober 2019