Falafel mit Senfsoße

von Michael Laages

Jena, 5. Juli 2019. Einmal im Jahr, wenn das Theaterhaus Teil vom "Kulturarena"-Festival in Jena ist, rückt das Publikum raus unter den freien Himmel, auf eine Tribüne auf dem Theatervorplatz. So auch am Ende dieser ersten selbstverantworteten Saison des niederländischen Wunderbaum-Kollektivs. Und Wunderbaum zeigt auch hier, was es in Jena will und was es kann.

Sag mal "Plattenbau"

von Kornelius Friz

Jena, 13. Dezember 2018. Die Dialektfalle umschiffen sie auf Schwäbisch. Die Zonen-Elke in den Schimmeljeans bläst ihre Vorurteile mit süddeutsch weichen Konsonanten hinaus. Und die sind auch schnell zusammengefasst: Schiller und Goethe, der Thüringer Wald, der NSU, Klöße und Bratwurst. Das Besteck, mit dem das Kollektiv Wunderbaum unter der Leitung von Walter Bart das Eigene, das Heimische zerlegt, ist nicht besonders feingliedrig. Es ist aber durchaus geeignet, um ein touristisch-klischeehaftes Abziehbild des Landes mit thüringischen Realitäten abzugleichen und dabei das Eine dem Anderen zärtlich unterzuheben.

Unterm Rad

von Henryk Goldberg

Jena, 25. Oktober 2018. Sie heißt Anna, Anna Schmidt. Und sie ist der Star des Abends. Anna ist 16 Jahre alt, sie hat ein verkürztes linkes Bein und sie versteht keine Ironie. Man sieht das und man hört es auch. Sie ist der Intro-Auftritt des Abends, der wiederum Intro einer Ära sein will. Und sie vor allen ist es, die das Versprechen des Titels einlöst. Denn "Jena macht es selbst" ist ein charmanter Schwindel. Wunderbaum macht es selbst.

Das Mythos-Dings

von Christian Rakow

Jena, 13. Oktober 2017. Vor Bowling-Abenden in Jena ist unbedingt zu warnen! Da begibt sich im Eröffnungsfilmchen dieses Bühnenvergnügens eine Gruppe junger Menschen in eine verrauchte Lokalität, die ebenso gut an der Saale wie an der Route 66 stehen könnte. Und eigentlich wollen sie nur ein wenig kegeln. Aber die Trefferanzeige streikt, aufblinkt: "Prometheus".

Die Welt und die Wahrheit, die Kunst und die Wahrheit

von Matthias Schmidt

Jena, 13. Januar 2017. Ein Projekt war angezeigt. Mit hohen Ambitionen. Von gesellschaftlicher Relevanz. Philosophisch tiefgehend. Auf der Suche nach der Utopie, der wahren Alternative, der linken, selbstredend. Ein intellektuelles Aufbäumen gegen die, die plump vorgeben, eine zu sein.

Die Philosophie der Küche

von Henryk Goldberg

Jena, 13. Oktober 2016. Es ist düster, sehr, sehr düster. Bäume, dunkle Streifen im Raum, Lichtre-flexe, die, das Dunkel so recht ins Licht zu setzen, den Raum durchflirren. Kann gut sein, dies ist der Ort eines sehr, sehr unfröhlichen Sommernachtstraumes, in dem niemand nichts weiß oder kann oder darf. Es ist aber, so stellt die Frau fest, die das Dunkel nun mit einer Lampe erkundet, nur die Küche. Kann sein, dass sie deshalb den Mann, der ihr seine Liebe erklärt, Hundescheiße schenkt, mit Schleife und Geschenkpapier. Kann aber auch sein, dass Martin Crimp den Tag davor in einen Haufen getreten war.

Gestorben wird hässlich

von Tobias Krone

Jena, 5. Mai 2016. Was Sterben ist, was Krieg unmittelbar mit der menschlichen Physis anstellt, in seinen Detonationen – diese Frage ist unserer Gegenwart post Afghanistan wieder nah. Und so fesselt schon der Botenbericht in der ersten Szene dieses Dramas: Das ganze Trauma der Gefechtssituation durchzuckt den Körper von Klara Pfeiffer, wenn sie vom siegreichen Helden Macbeth Kunde bringt. Und am Ende ihrer Schlachtenerzählung stirbt die Botin (Pfeiffer wird noch mehrfach an diesem Abend auch in anderen Nebenrollen Sterbeszenen haben, die sie stets in vortrefflicher Authentizität meistert).

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