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Im Rausch der Verzweiflung

von Christian Baron

Jena, 8. Februar 2012. Wer sich ohne Vorwissen über Leben und Werk Thomas Braschs auf dieses Experiment einlässt, wird wohl stellenweise ein anderes Stück sehen. "Ich komme aus meiner Haut. Sieben Tage Doppelmord" erschließt sich dem uninformierten Zuschauer wahrscheinlich schwer – oder zumindest anders. Jungregisseur Roman Schmitz unternimmt an der Unterbühne des Theaterhauses Jena zusammen mit Hannah Speicher (Textauswahl) und Jonas Zipf (Dramaturgie) gar nicht erst den Versuch, dieser Aneinanderreihung von Texten aus der Feder und dem Archiv des 2001 verstorbenen Literaten und Filmemachers Thomas Brasch einen Spannungsbogen oder eine selbsterklärende Verständlichkeit zu verleihen. Was man durchaus kritisch sehen kann. Einerseits.

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Teufel aus der Tonne

von Ralph Gambihler

Jena, 24. November 2011. Das Theaterhaus Jena liegt, wie könnte es anders sein, im Schillergässchen 1, nur wenige Meter von Schillers Gartenhaus entfernt. Den Kotau in diese Richtung spart sich die neue Mannschaft am Theaterhaus Jena aber - und kommt gleich mit Goethes "Faust" zur Sache, so dass es ein wenig so aussieht, als habe die frisch angetretene, im Durchschnitt 28 Jahre junge Mannschaft unter dem neuen künstlerischen Leiter Moritz Schönecker die Weimarer Klassik schon mit der ersten Premiere abgehakt. Andererseits hatte das in Nachwendezeiten vor 20 Jahren gegründete Theaterhaus, das mit unkonventionellen Konzepten zu einem der interessantesten und kreativsten Häuser in Ostdeutschland wurde, bislang ein durchaus entspanntes Verhältnis zur Weimarer Klassik. Warum sollte sich das nun ändern?

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Die Komik des Verschwindens

von Tobias Prüwer

Jena, 3. März 2011. Hotels sind Transitorte. Wenn sie auch nicht ganz so zugig und ungemütlich wie Bahnhofshallen oder Flughäfenterminals anmuten, so bleiben sie Durchgangsstationen, in denen man sich nicht heimelig einrichten mag. Einen passenden Ort also stellt das Hotel dar, um nach dem Zuhausesein zu fragen in einer Zeit, der nachgesagt wird, man müsse permanent räumlich wie charakterlich unterwegs sein, um zu bestehen.

Zerfressene Seelen

von Ralph Gambihler

Jena, 14. Oktober 2010. Comic-Fans sind gleich im Bilde, wenn sie den Stücktitel lesen. Gotham City? Na klar! Das ist doch der finstere Hochhaus-Moloch, in dem das Verbrechen regiert und der Held bei Dunkelheit durch Straßenschluchten fliegt. Dieser Held heißt Batman und wurde vor rund 70 Jahren von Bill Finger - kennt man den eigentlich noch? - erfunden. In Rebekka Kricheldorfs neuem Stück "Gotham City I - eine Stadt sucht ihren Helden" geistert die heroische Fledermaus als Lieblings-Comicfigur von Sheriff Gordon Biff durch die Szenen. Biff identifiziert sich mit Batman, weil auch er in dem 10-Millionen-Moloch Gotham City lebt. Er träumt davon, wie sein Held auf Verbrecherjagd zu gehen. Allerdings hat er schon Schwierigkeiten, mit einem Kleindealer fertig zu werden, und seine exzessiven Rauch- und Trinkgewohnheiten hat er auch nicht im Griff.

Die Garten-WG sind wir!

von Ralph Gambihler

Jena, 28. April 2010. Im Englischen gibt es das praktische Wort backyard, das den Hinterhof bezeichnet, aber auch den kleinen Garten hinter dem Reihenhaus. In so einem backyard - in diesem Fall ist es der kleine Garten - spielt Tomas Schweigens neues Stück "MyState". Die Kulisse ist mit Bedacht gewählt. Sie setzt dem Geschehen gewissermaßen die Krone der Kleinbürgerlichkeit auf, verlacht es mit Zutaten aus der Welt der Gardena Gartenschläuche. Aber vielleicht ist es ja grundverkehrt, wenn man sich eine Staatsgründung als ein großes, reihenhausübergreifendes Ereignis vorstellt.

Mut zum Absprung

von Jördis Bachmann

Jena, 25. Februar 2010. Was vom Gelächter des Abends übrig bleibt, ist ein wehmütiger Schmerz. Es kränkt, wie Autor Thomas Melle dem Publikum mit seinem Stück einen Spiegel vorhält. Wer bist du? Wer willst du sein?

Feier des Selbstzweifels

von Michael Laages

Jena, 3. Dezember 2009. Ein Text mehr, und eine Uraufführung, bei der Gebrauchsanweisungen durchaus willkommen sind – denn wir wollen ja gern glauben (und im ziemlich amüsanten Textbuch der Uraufführung auch gern nachlesen), dass hier "der Präsident der Vereinigten Staaten auf Wahlkampftour" ist und gerade eine Pressekonferenz vorbereitet, in der er einen ziemlich verstörten Bericht zur Lage der Nation geben und all die offenen oder latenten Veränderungen beim Namen nennen will, auf Grund derer selbst er sich fast schon fremd fühlt im eigenen Land.

 

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