Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen! - Akademietheater Wien

Im Schweinsgalopp in die Postmoderne

von Reinhard Kriechbaum

Wien, 4. September 2021. Einmal im Vierteljahrhundert sollte man's als Regisseur vielleicht ja doch mit Elfriede Jelinek versuchen. So jedenfalls hat's Frank Castorf gehalten. 1995 "Raststätte oder Sie machen's alle" in Hamburg, jetzt "Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!" im Akademietheater. Und weil Österreich ja zwei Höchstgeehrte anzubieten hat, ist in Wien jetzt gleich ein Castorf-Doppel in Sachen Literaturnobelpreisträger angesagt: Peter Handkes "Zdenek Adamec" kommt am 18. September im Burgtheater heraus.

Die Jagdgesellschaft - Akademietheater Wien

Vom Käfer dahingerafft

von Andrea Heinz

Wien, 26. Mai 2021. Wir Waldbäuerinnen wissen: Der Käfer ist ein Hund. Der Borkenkäfer nämlich. Thomas Bernhard, wenn auch kein Waldbauer, sondern Österreich liebster Nestbeschmutzer, wusste das auch. "Die Jagdgesellschaft", eines seiner selten gespielten, ihm selbst gleichwohl liebsten Stücke, handelt von der maximalen Zerstörung, im Menschen drin und um ihn herum: Ein mit Nachdruck als Ungustl markierter (Politiker, Großgrundbesitzer, Jäger, General) und zugleich höchst bemitleidenswerter, da in Stalingrad eines Armes beraubter Mensch, ein Mann, ist unheilbar erkrankt.

antigone. ein requiem – Akademietheater Wien - Lars-Ole Walburgs österreichische Erstaufführung von Thomas Köcks Antigoneüberschreibung

Die große (An)klage

von Andrea Heinz

Wien, 12. September 2020. Man hatte fast ein kleines Déja-vu bei der österreichischen Erstaufführung von Thomas Köcks antigone. ein requiem im Akademietheater: Eine finstere Bühne, der Chor, die Flüchtlinge. Man denkt sofort an Elfriede Jelineks "Die Schutzbefohlenen", die 2015, wenn auch im Burg-, nicht Akademietheater, aufgeführt wurden. Damals war die sogenannte Flüchtlingskrise auf ihrem sogenannten Höhepunkt. Heißt: Sehr viele Menschen waren an Leib und Leben bedroht, versanken in Elend, hatten kein Zuhause mehr – und sehr viele andere Menschen schauten zu oder weg, während sie gleichzeitig von Humanität redeten. Wahrscheinlich hatten sie sogar recht, wahrscheinlich ist nichts menschlicher als das. Nichts ungeheurer als der Mensch.

Schwarzwasser - Akademietheater Wien

Wer ist die Gewalt?

von Theresa Luise Gindlstrasser

Wien, 6. Februar 2020. Schwarzwasser ist Toiletten-Abwasser. Ist eine Vermischung von Gelbwasser (also Urin) und Braunwasser (also Kot). Schwarz war die ÖVP, bevor sie Kurz wurde. Wasser ist das potenziell Privatisierbare, wir bestehen zu soundsoviel Prozent daraus; Wasser ist das Meer, in dem wir baden, "solang es noch eins ohne Leichenbeilage gibt", Wasser ist nicht fest. "Schwarzwasser" heißt der von Robert Borgmann uraufgeführte neue Text von Elfriede Jelinek, eine hyperassoziative Sprachflut, die sich, wieder mal, nur durchwaten lässt, durchsteigen nicht. Inseln des Verstehens: Referenzen auf Ibizagate und "Die Bakchen" von Euripides. Dazu kommen: Schredder-Affäre, die Segnung des Sebastian Kurz in der Wiener Stadthalle, der Begriff des "Opfers" beim Literaturwissenschaftler und Kulturanthropologen René Girard, Polizeigewalt und NSU. Kein stilles Wasser, aber bodenlos viel.

Joachim Meyerhoff
Regie: Joachim Meyerhoff
26. April 2019
Fiston Mwanza Mujila
Regie: Philipp Hauß
23. Februar 2019
Werner Schwab
Regie: Nikolaus Habjan
29. November 2018
Carl Sternheim nach Flaubert
Regie: Georg Schmiedleitner
01. November 2018
Simon Verhoeven
Regie: Peter Wittenberg
19. November 2017
Thomas Köck
Regie: Robert Borgmann
09. September 2017
Aischylos
Regie: Michael Thalheimer
20. Mai 2017
nach Thomas Melle
Regie: Jan Bosse
11. März 2017
Wolfram Lotz
Regie: Robert Gerloff
07. September 2014
Almut Baumgarten
Regie: Thilo Voggenreiter
28. April 2014
René Pollesch
Regie: René Pollesch
25. September 2013
Henrik Ibsen
Regie: Stephan Kimmig
07. September 2013
Johann Nestroy
Regie: David Bösch
02. März 2013
Elfriede Jelinek
Regie: Matthias Hartmann
17. Januar 2013
02. November 2012