Wer im Glaskasten sitzt ...

von Geneva Moser

Bern, 22. April 2015. Rockstar werden, Drogen nehmen, daran sterben – die Lebensziele von Dave Gahan, Sänger von Depeche Mode, sind so größenwahnsinnig wie banal. Sein Leben als Rockstar changiert zwischen Heroinrausch, Groupie-Blowjob in Serie und unverhohlener Todessehnsucht: Sind die Lebensziele erst (weitestgehend) erreicht, "ist man ein bisschen orientierungslos", sagt der exhibitionistische, exzessive Storyteller. Höhepunkt der tragikomischen, fiktiven Bühnenexistenz Gahans ist der klinische Zweiminutentod – leichte Überdosis, alles ging gut. Oder schief. Das ist Ansichtssache.

Baustelle "Faust"

von Geneva Moser

Bern, 26. März 2014. Heinrich Fausts zweihundert Jahre alter Körper wirft allmählich Falten, finden TARTproduktion – und setzen dem gealterten und erschöpften deutschen Gelehrten die Jetzt-Zeit inklusive einer bulgarischen Helena, drei jungen Fäusten sowie der grenzüberschreitenden Idee einer krisengebeutelten europäischen Realität entgegen. "Faust Exhausted" heißt ihre Version des Goethe-Stoffes.

Eingemachtes mit Bombeneinschlag

von Geneva Moser

Bern, 7. November 2013. Material übersichtlich zu ordnen zum Zwecke der Erhaltung und Zugänglichkeit – das ist gemeinhin die Aufgabe eines Archivs. Für die Premiere des Stückes "Archiv[2]: KRIEG" öffnet das Schlachthaus Theater Bern nach einer umfangreichen Sanierung, bei der nicht nur die technischen Installationen in Stand gesetzt, sondern auch diverse Änderungen am Innenausbau vorgenommen wurden, mit feierlichem Einweihungsakt seine Pforten.

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Stalin, Hitler, Julius Cäsar

von Anne Phillips-Krug

Bern, 2. Mai 2011. Sie ist ein unwirtlicher Mikrokosmos, die 32 Rue Vandenbranden: eine in Schnee und Eis gehüllte, aus zwei sich gegenüberstehenden Wohncontainern bestehende Siedlung mitten in den Bergen. Mit schweren Koffern beladen, stapft ein Mann im Pelzmantel in diese Eiswüste hinein. Er singt ein koreanisches Lied, während sein Begleiter, der auf seinem Rücken steht, ihn vorantreibt. Dann lässt er sich fallen und beginnt einen wilden Tanz, bei dem er wie ein Flummi über den verschneiten Boden hüpft. Die Bewohner der Vandenbrandenstraße kommen aus ihren Wohnmobilen und schauen erstaunt und frierend zu.

Zeugen mit Tunnamüts

von Daniel Di Falco

Bern, 27. April 2008. Vorher die Telefone aus. Und zwar ganz. Vorne auf der Bühne, in der aufgeklappten, fichtengetäfelten Wand, zwischen Sitzschemeln und einem Hüttenofen, geht es sowieso bald lauter zu, als dass man noch ein Klingeln hören könnte. Doch die Telefone stören den Funkverkehr zwischen dem Kopfhörer, den jeder Zuschauer hier bekommt, und der Simultanübersetzerin: Es geht sehr estnisch zu und her.

Die Besatzung im Kopf

von Ariane von Graffenried 

Bern, 29. März 2007. In den eigenen vier Wänden kann es ganz schön eng werden. Besonders, wenn die Zigarettenpackung auf dem Balkontisch liegt und die Balkontür geschlossen bleiben muss. Draussen lauern Soldaten hinter Gewehren: Es herrscht Ausgangssperre in Ramallah.