Nimm das, Misanthropie

von Cornelia Fiedler

München, 25. Dezember 2020. Runde 1: Wie ein kleines Alien sitzt Gro Swantje Kohlhof in einem großen durchsichtigen Plastik-Zorb-Ball im Foyer der Kammerspiele. Sie tippt auf ihrem Handy. Die Bussis, Rufe und Lacher um sie her, die, wie bei Premieren üblich, auch vor "Im Dickicht der Städte" etwas schmatzender, lauter und schriller ausfallen als sonst, erreichen sie nicht. Sie hat verloren: Denn sie ist allein.

Vertraute Geräte

von Anna Landefeld

München, 12. Dezember 2019. Es gibt kein Entkommen aus dieser grundkaputten Welt: Sie tarnt sich als hübsche traditionelle japanische Minka mit papierenen Schiebetüren, geflochtenen Böden und ebenhölzernen Balken. Und doch stinkt es hier so widerwärtig nach Spätkapitalismus, dass einem die Seele brennt. Der Kapitalismus hat Löcher ins Innerste der fünf SchauspielerInnen gefressen in Toshiki Okadas "The Vacuum Cleaner". Okadas vierte Inszenierung an den Münchner Kammerspielen ist die fast beiläufig erzählte Geschichte einer Familie, die sich zu entziehen versucht, aber schon längst auf dem neoliberalen Altar des "Höher, Schneller, Weiter" geopfert wurde. Okada ist dabei kein selbstgefälliger Agitprop-Phrasendrescher. Gemächlich-zurückhaltend, ganz in der Tradition des Nō-Theaters, konzentriert er sich auf Alltagsbanalitäten. Das Große wird aus dem Kleinen heraus angesprochen.

Dem Mann kann geholfen werden

von Maximilian Sippenauer

München, 23. November 2019. Über der Bühne lastet bühnenfüllend groß eine dicke, alles erdrückende Cumulus-Wolke. Schietwetter im Räuberwald. Davor fünf Frauen germanisch abenteuerwillig beschuht, also Wollsocken in Treckingsandalen, gerüstet, um ein paar ungeklärten Fragen dieses gewittrigen Schiller-Dramas nachzugehen.

Zieht Nirvana die Lederhosen aus

von Maximilian Sippenauer

München, 24. Oktober 2019. "Vergewaltige mich", singt ein Chor aus queerem Hirsch, Waidmann, Femme Fatale und Waldelf so fromm, als handle es sich um eine bayerische Volksweise. "Vergewaltige mich", trällert's von den Stufen der veilchenfarbenen Showtreppe, und ein Jagdhorn bläst vom Zuschauerbalkon. Und nachdem dieses Nirvana-Tribute-Konzert, das keines ist, eine knappe Stunde lang etwas unentschlossen geblieben ist, wird spätestens jetzt klar: Hier geschieht Grandioses.

Mit der Väter Mittel

von Sabine Leucht

München, 28. September 2019. Worte, Worte, immer nur Worte. Lear gehört zu einer Generation, die sie noch für bare Münze nimmt. Deshalb können ihn seine Töchter Goneril und Regan mit Auf-immer-und-ewig-Liebesschwüren einseifen. Dabei hat nicht nur Cordelia, die dies verweigert, das leere Gequatsche satt. Im Königreich Britannien stehen die Zeichen auf Handeln, auf Auf- und Umbruch. Und der hat an den Münchner Kammerspielen, für die Thomas Melle Shakespeares Tragödie über- und fortgeschrieben hat, mit Jung gegen Alt und Weiblich gegen Männlich zu tun.

Die Macht im Blick

von Anna Landefeld

München, 26. September 2019. Schon vor Anta Helena Recke gab es einige, die den Menschen ziemlich herausforderten: Sigmund Freud zum Beispiel. Tief bohrte er mit seiner Schrift "Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse" in menschlichen Allmachts-Narzissmen. Dreimal seien die Gefühle der Menschheit verletzt worden: durch Kopernikus' Weltbild, in dem die Sonne im Mittelpunkt steht und nicht die Erde, durch Darwin, der allen klarmachte, dass sie am Ende auch nur Affen sind, und durch Freud selbst mit seinem unkontrollierbaren Unbewussten. Was Freud dabei vor knapp 100 Jahren vergaß: Die Menschheit ist nicht nur der privilegierte, weiße Cis-Mann.

Unglücklichster Tag des Lebens

von Anna Landefeld

München, 15. Juni 2019. Eine Kopie von einer Kopie von einer Kopie. Eine steril-grell ausgeleuchtete Erinnerung im leeren Raum an etwas, was man sich immer wieder und solange erzählt hat, bis nichts übrig bleibt außer Abgeklärtheit, Nüchternheit. Toderzählt. Ein Protokoll über nichts weiter als den Untergang der Welt, aufgefüllt mit Detailfetzen, die einem halt so sinnlos hängen bleiben im Gedächtnis: über etwas in seiner ganzen so unheimlichen Unvorstellbarkeit und ja, auch in seiner ganzen unheimlichen Schönheit. Felix Rothenhäusler distanziert sich mit seiner Bühnenfassung von "Melancholia" größtmöglich von Lars von Triers bildüberwältigender Film über die weltentrückte Justine, die sich die Kollision des blauen Planeten Melancholia mit der Erde herbeisehnt, die Erlösung im Tod – getragen von Richard Wagners leitmotivisch verwendetem Vorspiel zu "Tristan und Isolde". Bei Rothenhäusler ist das nur noch ironischer, gesprochener Kommentar, ein netter Fakt, für alle die den Film mal gesehen haben.

Weißmehlfrei im Hausfrauenland

von Anna Landefeld

München, 28. April 2019. Wie ein ausgestreckter Mittelfinger: Es ist ein szenisches Manifest gegen Bodyshaming und gegen alle, die sich dessen jemals schuldig gemacht haben. Eine Stunde lang rechnet das queerfeministische Theaterkollektiv Henrike Iglesias ab. Nein, bei "Fressen", einer Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen und dem Jungen Theater Basel, wird nicht groß drumherum geredet, sondern im allerbesten Sinne vulgär, im allerbesten Sinne aufdringlich das Kind beim Namen genannt – und ja, klar, gesittet bis hemmungslos gefressen. Vielleicht ein bisschen haudrauf? Das haben Manifeste wahrscheinlich so an sich. Es soll endlich jeder kapieren, ein für alle Mal. Und so heißen Laura Naumann, Marielle Schavan, Sophia Schroth alle Frauen ("und die sich heute als solche fühlen") zu ihrer "Kochshow" mit Shiny-Floor, Glitzervorhang und einer übergroßen, vampiresken Venusfliegenfalle in der Kammer 3 der Münchner Kammerspiele willkommen: "Auf die Fresse, fertig, los".

Sehnsucht nach der Pusteblume

von Petra Hallmayer

München, 27. April 2019. Ein vielstimmiges Stöhnen und Ächzen erhebt sich und schwillt an. In einem Meer aus bunten, sich bauschenden und ballenden Wolken schwebt über der Bühne der Kammerspiele ein Kasten, in dem Tschechows Schwestern ihre Besucher empfangen. Mal treten Irina, Olga und Mascha schwarz verschleiert in weißen Reifröcken auf, mal stecken ihre Köpfe zu Jeans und Rollkragenpullovern in Latexmasken, blicken sie uns wie Schaufensterpuppen mit starren ausdruckslosen Gesichtern an. Die vom Körper getrennten Stimmen werden, wie stets bei Susanne Kennedy, mittels Voiceover eingespielt.

Zukunfts-Scheuchen

von Sabine Leucht

München, den 29. März 2019. Wulstige weiße Masken mit Zottelperücken, steife Beine in Gummistiefeln, Stroh, das aus Ärmeln und Latzhosenbünden quillt: Die tiefenentspannten Kreaturen Philippe Quesnes haben ein neues Outfit bekommen. Dem einen steckt ein Beil im Kopf, der andere kriegt den Mund nicht mehr zu. Und für den Moment fühlt man sich fälschlicherweise in eine Aufführung von Susanne Kennedy versetzt, denn die Stimmen hinter dem Pappmaché sind verzerrt, quäkig, synthetisch fremd als kämen sie von ganz woanders her.

Hypnose durch den DJ-Guru

von Georg Kasch

München, 28. März 2019. Plötzlich ist sie da, die Ahnung davon, was diese Gemeinschaft sein könnte: Zärtlich singen die Schauspieler a cappella von der Résistance, dem Widerstand. Es klingt, als hätte Bach einen Popchoral geschrieben, immer mehr Stimmen kommen dazu, verweben sich, reiben sich aneinander. Endlich, nach all dem Hochdruck-Gerede und Handlungsgezappe, nach Argumenten, Schicksalen, Konflikten herrscht auf einmal – Harmonie.

Proaktive in Präventivhaft

von Cornelia Fiedler

München, 24. Januar 2019. Fast die gesamte AfD-Fraktion hat am Mittwoch demonstrativ den Saal des Landtags verlassen, als Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern in einer Gedenkstunde für die Opfer der Shoa deutliche Zweifel an der Verfassungskonformität der Partei formulierte. Das ist schon jämmerlich genug. Dass sogar der Bayerische Verfassungsschutz einen Tag zuvor bekannt gegeben hatte, dass er nun – neben einzelnen AfD-Abgeordneten mit Kontakten zur rechtsextremistischen und zur Reichsbürger-Szene – auch den rechtsnationalen "Flügel" der AfD und ihre Nachwuchsorganisation "Junge Alternative" beobachtet, macht die Empörung, ja Selbst-Viktimisierung der Abgeordneten noch absurder. Wie eng die Bande zwischen Partei und gewaltbereiter rechter Szene offenbar sind, zeigt leider nicht zuletzt die Flut massiver Drohungen, mit der Knobloch jetzt, nach ihrer couragierten Rede konfrontiert ist.

Feeling Faust

von Anna Landefeld

München, 23. Januar 2019. Was für drei verlorene Gestalten, ja. Er, tief gefangen in seiner heteronormativen Midlife-Crisis. Sie, minderjährig, von ihm schwanger und verzweifelt. Der Dritte, ein Nihilist. Was für drei verlorene, traurige Gestalten – dieser Faust, dieses Gretchen, dieser Mephisto. Und Regisseurin Leonie Böhm lässt sie verloren und traurig sein. Wenn sich der melancholische goethesche Faust zwischen den Ach! zwei Seelen in der Brust entscheiden muss, sich noch das Hirn zermartert, ob denn nun Verstand oder Gefühl das Bessere sei – dann hat sich Böhm längst entschieden: "Gefühl ist alles". So lautet das Credo ihres "Yung Faust" in der Kammer 2 der Münchner Kammerspiele. Böhm entrümpelt und lüftet mal eben kräftig durch im deutschen, sehr muffigen Studierzimmer und lässt frische, ach was, freshe Luft hinein.

­Fröhliche Einführung in Waffenkunde

von Sabine Leucht

München, 12. Dezember 2018. "Ceci n'est pas un public" steht in René Magritte-Schrift über einer Ansammlung flacher Pressspan-Gesellen. Sie sind hübsch paritätisch hell, dunkel und mitteldunkel gefärbt und in der Kammer 3 in den Stuhlreihen platziert. Dort, wo sonst das Publikum sitzt, während wir auf der Bühne thronen. Und nun wird an diesen Nicht-Zuschauern ein Massaker verübt, das zwar mit viel musikalischem Donner und Lichtgewitter daherkommt, aber kein Blutbad hinterlässt und nicht einmal Späne. Denn das Theater ist das Theater und nicht das Leben. So einfach – und so banal!

Kunst zweiter Ordnung

von Willibald Spatz

München, 7. Dezember 2018. Wenn ein Regisseur ein Stück angreift, sollte man meinen, dass er zumindest weiß, ob er etwas damit anfangen kann, ob es irgendetwas gibt, was er einem Publikum mit seiner Version einer alten Geschichte erzählen will. Der Regisseur in der "Macbeth"- Umschreibung an den Münchner Kammerspielen hat am Anfang durchaus eine Ahnung. Am Ende ist er ratlos und steht ohne Stück und ohne Ensemble da. So kann es gehen, wenn man sich zu weit aus seiner Komfortzone wagt.

Neues von Gott

von Shirin Sojitrawalla

München, 28. Oktober 2018. Um herauszufinden, wo man steht, ist es nie verkehrt, sich zu fragen, woher man gekommen ist. Und sei es auch nur, um den Moment zu bestimmen, an dem alles aus dem Ruder gelaufen ist, wie es Wiebke Puls zu Beginn des Abends einmal ausdrückt. Zu diesem starting point führt der neue Abend von Yael Ronen. An den Anfang, zum Schöpfungsmythos in Form der Genesis, des 1. Buches Mose also, aber auch zu den Anfängen der Akteure auf der Bühne. Doch zuallererst zum frühzeitig zu Ende gegangenen Neuanfang an den Münchner Kammerspielen.

Mehr als nur Theater

von Maximilian Sippenauer

München, 6. Oktober 2018. Der große Irrtum des Klassizismus bestand in der Annahme, dass die Antike in hehrem Weiß geleuchtet habe. So marmorn, erhaben, apollinisch. Auch wenn heute jeder weiß, dass diese Vorstellung Quatsch ist, haftet sie nach wie vor als Stigma einer ebenmäßigen Heiligkeit an allem Altgriechischen, am meisten aber an unserem Verständnis von antikem Theater. Wenn Nils Kahnwald für seinen Prolog zu Christopher Rüpings Antikenprojekt in Jeans und Pulli auf die Bühne tritt, sich eine Zigarette ansteckt und auf eine Raucherbank verweist, wo es auch jedem Zuschauer gestattet sei, während des Stückes szenisch zu rauchen, dann tut er das, um diese Ehrfurcht vor den marmorverstaubten Versen ganz schnell loszuwerden.

Empathie und Kontrolle

von Sabine Leucht

München, 4. Oktober 2018. Der (aus Übersichtsgründen in der Box unten abgekürzte) Besetzungszettel nimmt gar kein Ende und enthält so seltsam-seltene Funktionen wie "Moldmaking and Glasfibertec" oder "FDM Print Construction Cleanup and 3D Print Assist". Nur da, wo sonst die Schauspieler stehen, findet man nichts als "Text, Körper, Stimme: Thomas Melle" und die bei Rimini Protokoll üblichen "Experten des Alltags". Es ist nämlich so, dass die Münchner Kammerspiele bei ihrer ersten Spielzeiteröffnungspremiere auf ihr komplettes Ensemble verzichten und nur einen Vortrag des Schriftstellers und Dramatikers Thomas Melle anberaumen. Ehe jetzt die Empörung überschwappt, sei gesagt: Der Coup geht auf!

Das Gewicht der Worte

von Sabine Leucht

München, 22. Juni 2018. Ein Meter 85 groß, 74 Kilo schwer, geboren am 9. 3. 1988. Das sind die ersten Daten, die man einem Geflüchteten bei seiner Ankunft in Deutschland abnimmt. Und dann kommt seine Geschichte. Raaed Al Khour ist seit 2014 hier, der erste Abschiebebescheid ist abgewendet, sein Aufenthaltsstatus weiter ungewiss; seit 1620 Tagen ist er beschäftigt mit Warten. Nun steht er auf der Bühne der Münchner Kammerspiele. Ein ernster Mann, den Lola Arias seine Geschichte noch einmal erzählen lässt. Vom Leben in Daraa, wo die syrische Revolution begann. Vom Foltertod seines Cousins, den Belagerungen und der Flucht, nachdem ein Scharfschütze nachts auf ihn schoss. Alles, was wahr ist. Oder alles, was hilft?

Mensch, Mensch, Mensch

von Petra Hallmayer

München, 28. Mai 2018. Im Vorfeld der Uraufführung von Marta Górnickas neuem Chorstück echauffierte sich eine Münchner Zeitung über dessen Titel. Die leichtfertige Verwendung der antiken Losung für Verteilungsgerechtigkeit "Jedem das Seine", die die Nazis mit grenzenlosem Zynismus auf das Tor des KZ Buchenwald schrieben, hat schon mehrfach heftige Diskussionen ausgelöst. Einen gedankenlosen Umgang mit der Geschichte jedoch kann man der Regisseurin, die sich in "Hymne an die Liebe" mit der Rolle Polens im Holocaust und dem Antisemitismus in ihrem Heimatland auseinandersetzte, gewiss nicht vorwerfen.

Hauptsache Alltag

von Willibald Spatz

München, 4. Mai 2018. Passanten unterbrechen ihren hastigen Gang über den Platz, bleiben stehen, zunächst amüsiert, dann fasziniert. Das Open Border Ensemble hat sich mitten in der Stadt eine Bühne aufgebaut. Die Münchner Kammerspiele hatten die Idee, Theaterleute als "artists in residence" einzuladen – aus Ländern, in denen sie unter erschwerten Bedingungen arbeiten. "Miunikh-Damaskus" heißt die erste Premiere, die das Open Border Ensemble nun unter der Regie von Jessica Glause herausbringt. Die Akteure stammen aus Damaskus und leben auch noch dort. Für zehn Monate sind sie jetzt in München. Es gab Schwierigkeiten mit Visa, so dass Majd Feddah, Kinan Hmeidan und Kamel Najma statt im Januar erst im Februar ankamen, also weniger Zeit zum Proben war. Andere Probleme kamen noch dazu: Es fand sich keine passende Probebühne, ein Übersetzer stand auch nicht zu Verfügung. Diese Widrigkeiten wurden schließlich augenzwinkernd ins Stück übernommen, indem sie ihre Bühne selbst herrichten und ihre Sätze jeweils gegenseitig übersetzen.

Schnipp-schnapp und ab

von Michael Stadler

München, 29. April 2018. Im Wust der Debatten vermischt sich derzeit alles so ins Unübersichtliche, dass man gar nicht mehr weiß, wer stark und wer schwach ist, wer Opfer und wer Täter, wer überhaupt die Macht hat im sogenannten Geschlechterkampf. Wie beruhigend eindeutig es da ist, wenn in diesem Chaos eine Gruppe von Männern einfach richtig Mann ist, mit wild wuchernden Bärten und Holzfällerhemden. Dazu singen sie vielstimmig: "Ein Prosit der Gemütlichkeit". Und: "Olé, wir fahr'n in Puff nach Barcelona", was dann doch Unbehagen erzeugt. Eindeutig ist hier gleich: reaktionär.

Wie konntest Du töten wollen?

von Shirin Sojitrawalla

München, 9. März 2018. Dass der Erkenntnisgewinn an diesem Abend gegen Null tendiert, liegt weder an dem Roman von Yasmina Khadra noch an der Inszenierung von Amir Reza Koohestani, sondern am gefühlt schon immer währenden Konflikt zwischen Israel und Palästina. Alle Argumente sind seit Ewigkeiten ausgetauscht, Frontlinien und Ausweglosigkeiten klar, Frieden nicht in Sicht. Die Hoffnung stirbt angeblich zuletzt, davor aber gibt und wird es Tote geben.

Wie Freier im Seelenpuff

von Philipp Bovermann

München, 14. Februar 2018. Am Valentinstag wird in den Münchner Kammerspielen eine Performance uraufgeführt, die sich mit der kapitalistischen Marktlogik des romantischen Liebeskonzepts auseinandersetzt. Da stellt sich zunächst mal die Frage: Wer bitteschön geht da hin? Am Valentinstag zu einer Anti-Liebes-Performance zu gehen, ist doch noch viel merkwürdiger, als einfach bei Blumen und Sekt schwülstiges Zeug zu reden, wie die bodenständiger Gestörten es machen. Oder etwa nicht?

Als Apo-Opas Bart noch rot war

von Michael Laages

8. Februar 2018. Der Zeitzeuge kämpft – mit sich und mit dem Theater. Erasmus Schöfer, Schriftsteller und demnächst 87 Jahre alt, war dabei im heißen Sommer vor 50 Jahren, als die Revolte neben den Studenten auch das Theater erfasste, in diesem Fall die Münchner Kammerspiele. Intendant damals: August Everding. Schöfer liest aus dem Roman vor, der von dieser Zeit erzählt; während drinnen im Saal der neuen Kammerspiele noch recht lautstark geprobt wird.