Ayad Akhtar: Homeland Elegien - Der Dramatiker entwirft eine moralische Landkarte Amerikas

Wie man Amerikaner wird

von Shirin Sojitrawalla

16. Oktober 2020. Das Motto für seinen zweiten, um es vorwegzunehmen brillanten Roman, leiht sich Ayad Akhtar bei der Autorin, Comiczeichnerin und Test-Erfinderin Alison Bechdel: "Ich kann mir nur etwas über Dinge ausdenken, die schon geschehen sind …". Das Zitat, das Akhtar dem Buch voranstellt, birgt den Kern seiner Poetik.

Klaus Pohl: Sein oder Nichtsein - Peter Zadek und die Proben zu seiner Hamlet-Inszenierung halb als Roman, halb als Tatsachenbericht erzählt

Erfindung eines Genres

Von Thomas Rothschild

14. September 2021. Man könnte auf die Idee kommen, dass der beachtliche Erfolg von Joachim Meyerhoffs Exkursionen in die Literatur den Schauspielerkollegen ermutigt hätten, von der Seite der reproduzierenden auf die der produzierenden Künste zu wechseln. Das wäre freilich zu kurz gedacht. Klaus Pohl schrieb schon Dramen, als Meyerhoff noch zur Schule ging, und sein großer Wurf "Das Alte Land" wurde uraufgeführt, als Meyerhoff gerade sein Abitur ablegte und sich auf den Eintritt in eine Schauspielschule einstimmte.

Alexander Wewerka | Jonas Tinius: Der fremde Blick. Roberto Ciulli und das Theater an der Ruhr - Die umfangreiche Monographie bringt die Kunst des deutsch-italienischen Theatermachers nah

Ein Ort am Wasser

von Falk Schreiber

7. Juni 2020. "Hat man Granada verlassen und nähert sich Fuente Vaqueros, wird die Landschaft lieblicher", beschreibt Roberto Ciulli eine Reise zum Geburtsort Federico Garcia Lorcas. "Hohe Bäume und eine dichte Vegetation verraten die Nähe von Wasser. Eine ungewöhnliche Landschaft für Granada! Wasser ist in dieser Gegend nicht nur ein Teil der Landschaft – sein Vorhandensein bestimmt die Bräuche, Charaktere, die Arbeitsweise, das tägliche Leben, die Geschichte eines Ortes."

Aenne Quiñones: Gob Squad. What are you looking at? - Ein Porträt der deutsch-britischen Performancegruppe

Lob des Kollektivs

von Falk Schreiber

2. April 2020. Gob Squad, Schnauzen-Schwadron. So heißt keine Theatergruppe, so heißt vielleicht eine Band (tatsächlich existiert eine uninteressante dänische Hardrock-Gruppe dieses Namens). Aenne Quiñones beginnt entsprechend ihr Buch "What are you looking at?" über das britisch-deutsche Performancekollektiv mit einer Anekdote: 1992 seien Lou Bottomley, Sarah Thom, Adam King und Sean Patten aus Nottingham zum Glastonbury Festival gefahren, als Theaterstudent*innen hätten sie die Performance Stage mitbespielt und dafür freien Eintritt aufs Gelände gehabt, und noch auf der Autobahn sei ihnen klargeworden, dass man als Festivalact einen griffigen Gruppennamen bräuchte. Die Geburtsstunde Gob Squads, eine Schnapsidee. Schön.

Peter Kamber: Fritz und Alfred Rotter - Ein materialreiches Buch über ein zu Unrecht vergessenes Unterhaltungskönigsbrüderpaar

Spektakuläre Spekulanten

von Georg Kasch

24. März 2020. Klingt wie ein Drehbuch-Exposé, ist aber Teil deutscher Geschichte: Zwei jüdische Brüder entscheiden sich, zum Theater zu gehen, werden Autoren, Dramaturgen, Regisseure – und schließlich die dominierenden Theaterdirektoren Berlins. Parallel zu Max Reinhardt bauen sie ein umfangreiches Netz an Bühnen auf, die sich auf Unterhaltungskomödien und Operetten spezialisieren. Sie füllen die größten Häuser der Stadt, zu den Premieren mit Stars wie Richard Tauber, Fritzi Massary und Gitta Alpár strömt tout Berlin; selbst Hollywood-Größen wie Charly Chaplin lassen sich blicken.