Die Sehnsucht nach dem Tag, an dem das Birchermüsli fehlt

von Michael Wolf

17. Juli 2017. "Du musst dein Leben ändern", flüstert eine Stimme im Hinterkopf. Wir kennen sie von Silvester, runden Geburtstagen, persönlichen Krisen. Rilke setzte sie ans Ende eines Sonetts, Peter Sloterdijk widmete ihr ein vieldiskutiertes Buch. Erstmals hören viele sie an der Schwelle zum Erwachsenenleben: als panische Einsicht, dass die Möglichkeiten des eigenen Lebens weniger werden. An diesem Punkt steht "S." in "Sieben Nächte". Der Autor Simon Strauß, Sohn von Botho Strauß und Theaterredakteur der FAZ, ist wohl nicht ganz zufällig im selben Alter wie sein Erzähler.

Was man braucht

von Thomas Rothschild

24. Mai 2017. Dass bedeutende und prominente Schauspieler auch intelligent sind, kann nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Und dass ein Buch über das Leben einer solchen nicht nur eine spannende Lektüre, sondern durch seine Gestaltung – im Satzspiegel, in der Qualität der Illustrationen – auch ein sinnliches Vergnügen ist, noch weniger. Beides trifft aber auf die Erinnerungen von Hannelore Hoger zu.

Der Kleinschreiber

von Eva Biringer

7. Mai 2017. Im Prinzip steckt das ganze Drama in einer Geste: "Zwei Frischlinge der Schauspielschule tauchten in der sich vor dem Tresen stauenden Menge auf und machten mit Zeige- und Mittelfinger wie auf einen choreografischen Cue hin in meine Richtung ein V. Eventuell hatte dies unter den Jungen eine neue Bedeutung."

Das Internet ist schuld!

von Eva Biringer

21. März 2017. Aufgabe 1a: Erörtern Sie am Beispiel einer fiktiven Schulklasse, wie sich die Digitalisierung auf unsere Gesellschaft auswirkt. Nehmen Sie dabei sowohl männliche als auch weibliche Perspektiven ein. Überlegen Sie, welche Träume, Hoffnungen und Ängste die Jugendlichen beschäftigen, unter Berücksichtigung derer subjektiven Wahrnehmung und familiärer Hintergründe. Ziehen Sie am Ende ein Fazit: Welche Chancen bietet das Internet? Welche Gefahren?

Lebensmittel oder Standortfaktor?

von Tobias Prüwer

2. März 2017. "Und dann haben sie überall Wessis an der Spitze installiert." Manche Mythen, wie der Verdacht, alle ostdeutschen Theater wären nach dem Mauerfall plötzlich in Intendantenhand aus dem Westen übergegangen, halten sich lang; bis mal einer kommt und nachschaut. Torben Ibs hat es getan.

Alternative Geschichtsschreibung

von Anna Volkland

16. Februar 2017. "Diese Arbeit über das Freie Theater in Deutschland kommt spät", schreibt Verfasser Henning Fülle. Wenn er jedoch sein ihm am Herzen liegendes Anliegen mit diesem Buch doch noch erreichen könne, meint er, sei es nicht zu spät. Und dies sei: "die Überwindung der schon bald tragisch zu nennenden kulturpolitischen Blockaden, die die Teilung der deutschen Theaterlandschaft prägen und fixieren". Tatsächlich aber ist dieses Buch nicht nur "zu spät" – es scheint nur auf seltsame Weise stecken geblieben zu sein in den sicher immer schon fragwürdigen Abgrenzungsdebatten zwischen "Freien" und "Stadttheater". Während die angebliche‚ tragische Teilung der deutschen Theaterlandschaft also vorgeblich überwunden werden soll, geht es um Anderes.

Wir hier unten – die dort oben

von Falk Schreiber

30. Januar 2017. Bernd Stegemann ist ein zutiefst politisch denkender Mensch, als Dramaturg (der ab kommenden Sommer an Oliver Reeses Berliner Ensemble engagiert ist) ebenso wie als Professor an der Berliner Ernst-Busch-Schule und als Publizist, der ein tradiertes Schauspielverständnis in Stellung zu bringen versucht gegen performative Theaterformen. Wer Stegemann also ein wenig kennt, den überrascht nicht, dass der Aufsatz "Das Gespenst des Populismus" ausschließlich politisch argumentiert und erst kurz vor Schluss eine einzige Anknüpfung ans Theater wagt, zu Milo Raus Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs an der Berliner Schaubühne. Mag mancherorts die Tendenz der deutschen Intellektuellen beklagt werden, sich zurückziehen in die Elfenbeintürme von Dramaturgie und Hochschule: Stegemann zumindest zieht sich nicht zurück, Stegemann mischt sich ein.