Ayad Akhtar: Homeland Elegien - Der Dramatiker und Autor Ayad Akhtar entwirft eine moralische Landkarte Amerikas

Wie man Amerikaner wird

von Shirin Sojitrawalla

16. Oktober 2020. Das Motto für seinen zweiten, um es vorwegzunehmen brillanten Roman, leiht sich Ayad Akhtar bei der Autorin, Comiczeichnerin und Test-Erfinderin Alison Bechdel: "Ich kann mir nur etwas über Dinge ausdenken, die schon geschehen sind …". Das Zitat, das Akhtar dem Buch voranstellt, birgt den Kern seiner Poetik. Alles, was er schreibt, mag es noch so unwahrscheinlich daherkommen, ankert in der Wirklichkeit. Das gilt für seine Theaterstücke wie für seine Romane. Nach seinem Debüt-Roman "Himmelssucher" (2012), der Coming-of-Age-Geschichte eines amerikanischen Kindes pakistanischer Eltern, legt er jetzt mit "Homeland Elegien" seine gefakte Autobiografie vor und treibt damit das Genre Autofiktion zur neuen Blüte.

Die Unverhofften - Christoph Nußbaumeders Romandebüt erzählt mit großem historischem Zugriff über eine Unternehmer-Dynastie in Bayern

Lügen sind wie Giftpilze

von Christian Muggenthaler

24. September 2020. "Mit dem Gurkenflieger in die Südsee", "Das Fleischwerk", "Margarete Maultasch" und diverse weitere Stücke – bisher kannte man Christoph Nußbaumeder als Dramatiker. Jetzt geht er einen Schritt weiter. Vier Jahre lang hat er daran gearbeitet, aus seinem Stück "Eisenstein" (uraufgeführt 2010 am Schauspielhaus Bochum) einen Roman zu erarbeiten: "Die Unverhofften". Einen Roman über eine bayerische Unternehmerfamilie, die "Hufnagel-Dynastie", in mehreren Generationen.

Gob Squad. What are you looking at? - Aenne Quiñones porträtiert die deutsch-britische Performancegruppe und findet die Schönheit im Alltäglichen

Lob des Kollektivs

von Falk Schreiber

2. April 2020. Gob Squad, Schnauzen-Schwadron. So heißt keine Theatergruppe, so heißt vielleicht eine Band (tatsächlich existiert eine uninteressante dänische Hardrock-Gruppe dieses Namens). Aenne Quiñones beginnt entsprechend ihr Buch "What are you looking at?" über das britisch-deutsche Performancekollektiv mit einer Anekdote: 1992 seien Lou Bottomley, Sarah Thom, Adam King und Sean Patten aus Nottingham zum Glastonbury Festival gefahren, als Theaterstudent*innen hätten sie die Performance Stage mitbespielt und dafür freien Eintritt aufs Gelände gehabt, und noch auf der Autobahn sei ihnen klargeworden, dass man als Festivalact einen griffigen Gruppennamen bräuchte. Die Geburtsstunde Gob Squads, eine Schnapsidee. Schön.

Der fremde Blick. Roberto Ciulli und das Theater an der Ruhr - Die umfangreiche Monographie von Alexander Wewerka und Jonas Tinius bringt einem die Kunst des deutsch-italienischen Theatermachers nah

Ein Ort am Wasser

von Falk Schreiber

7. Juni 2020. "Hat man Granada verlassen und nähert sich Fuente Vaqueros, wird die Landschaft lieblicher", beschreibt Roberto Ciulli eine Reise zum Geburtsort Federico Garcia Lorcas. "Hohe Bäume und eine dichte Vegetation verraten die Nähe von Wasser. Eine ungewöhnliche Landschaft für Granada! Wasser ist in dieser Gegend nicht nur ein Teil der Landschaft – sein Vorhandensein bestimmt die Bräuche, Charaktere, die Arbeitsweise, das tägliche Leben, die Geschichte eines Ortes."

Fritz und Alfred Rotter - Peter Kambers materialreiches Buch über zwei zu Unrecht vergessene Unterhaltungskönigsbrüder

Spektakuläre Spekulanten

von Georg Kasch

24. März 2020. Klingt wie ein Drehbuch-Exposé, ist aber Teil deutscher Geschichte: Zwei jüdische Brüder entscheiden sich, zum Theater zu gehen, werden Autoren, Dramaturgen, Regisseure – und schließlich die dominierenden Theaterdirektoren Berlins. Parallel zu Max Reinhardt bauen sie ein umfangreiches Netz an Bühnen auf, die sich auf Unterhaltungskomödien und Operetten spezialisieren. Sie füllen die größten Häuser der Stadt, zu den Premieren mit Stars wie Richard Tauber, Fritzi Massary und Gitta Alpár strömt tout Berlin; selbst Hollywood-Größen wie Charly Chaplin lassen sich blicken.