Theater klimaneutral?

19. Januar 2021. Der Kampf gegen die Erderwärmung und die Erfüllung des Pariser Klimaschutzabkommens sind vordringliche Aufgaben dieses Jahrzehnts. Welchen Beitrag kann das Theater hierzu leisten? Gemeinsam mit der Körber-Stiftung hat nachtkritik.de die Diskussion um das Theater in der Klimakrise weitergeführt. Am Dienstag, dem 19. Januar 2021, um 19 Uhr luden wir zur Livestream-Diskussion "Theater klimaneutral?" mit Nicola Bramkamp (Theatermacherin und Mitgründerin von "Save the World"), Jette Steckel (Regisseurin) und Sebastian Brünger (Kulturstiftung des Bundes). Es moderiert Christian Rakow (nachtkritik.de). Interessierte Zuschauer*innen konnten via Live-Chat Fragen einbringen. Vernetzungs- und Informationsangebote, die im Chat zur Sprache kamen, sind am Seitenende in einer Linksammlung festgehalten.

Warum schreit ihr nicht?

von Anna Volkland

6. Januar 2021.Krise im Theater. Kritik am Theater. Kritik und Krise des Theaters. Krise der Kritik usw. Und welches Theater überhaupt? 2020 hat die durch die Pandemie ausgelöste Normalitätsverlustkrise die bis dahin rege kritische Auseinandersetzung mit der Institution Stadttheater irgendwann überlagert. Das neue Jahr aber wird hoffentlich ein "back to better" – und sowieso kein "back to normal" – ermöglichen, auch für die öffentlich gedachten Theater.

Danach die ganze Welt

von Falk Schreiber

Hamburg, 3. Juli 2015. Mein Verhältnis zum Stadttheater hat zunächst einmal mit Sex zu tun. Ich bin in den Achtzigern in einer kleinen Stadt aufgewachsen, in Ulm, und was über kleine Städte zu sagen ist, sangen schon Lou Reed und John Cale: "When you're growing up in a small town/bad skin, bad eyes, gay and fatty/people look at you funny/when you're in a small town." ("Smalltown", in: Lou Reed/John Cale: "Songs for Drella", 1990) Will sagen: In kleinen Städten gibt es nichts zu wollen, ästhetisch und menschlich. Ob man nun schlechte Haut hat, schwul ist oder dicklich oder anderweitig nicht ins Raster passt. Das abendliche Entertainment der Sechzehnjährigen verantworteten (meist kirchliche) Jugendgruppen und Sportverein, na danke auch. Das Aufwachsen in einer Kleinstadt hätte die Hölle sein können, in den Achtzigern.

Eins, uneins, zerrissen, geeint?

von Georg Kasch

21. Dezember 2020. In diesem merkwürdigen Corona-Jahr ist so manches Jubiläum untergegangen, das mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Die Wiedervereinigung zum Beispiel. Hatte überhaupt jemand Lust aufs Feiern? Die Wessis rollen die Augen über die undankbaren Rebellen, all die Pegidisten, AfD-Wähler, Rundfunkgebührenhöhungs-Verhinderer, Corona-Leugner Ost – und fühlen sich von den explodierenden Infektionszahlen in Sachsen vermutlich bestätigt. Genau diese Arroganz bringt viele Ossis wiederum auf die Palme. Wiedervereinigung? Das soll man feiern?

Terminkalender, weiß wie Schneelandschaften

18. Dezember 2020. Was wird in Erinnerung bleiben von diesem Theatercoronajahr? In ihrem ganz persönlichen Jahresrückblick erinnern sich Susanne Burkhardt und Elena Philipp gemeinsam mit der Theaterkritikerin Christine Wahl an 2020: Wie geht's den Künstler*innen? Ist Theater systemrelevant? Gehört die Kulturförderung ins Grundgesetz? Und welche Streams waren sehenswert?

Die unsexy Lösung

von Falk Schreiber

10. Dezember 2020. 2005 war Andrea Breths "Don Karlos" vom Burgtheater zum Theatertreffen eingeladen, konnte allerdings aus technischen Gründen nicht in Berlin gezeigt werden. Damals wurde als mögliche Lösung diskutiert, dass alle interessierten Theatertreffen-Besucher*innen einen extra gecharterten Flug nach Wien buchen könnten und nach der Aufführung zurück. Easyjet als Taxi zur Theaterbühne. Das war, bevor es so etwas wie "Flugscham" im breiten Bewusstsein gab.

Schlechtes Timing und Nagellack

von Max Florian Kühlem

Oberhausen, 24. November 2020. "Der Lockdown kam für Florian Fiedler zu spät." Dieser auf den ersten Blick skurril wirkende Satz des Oberhausener Kulturdezernenten Apostolos Tsalastras ist ein Teil im Puzzle, das die Tragödie des Theater-Intendanten aus der Ruhrgebietsstadt darstellt. Seit Beginn der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus nämlich triumphiert Florian Fiedler mit guten Produktionen und Konzepten. Auch intern scheint die Stimmung am Haus nach personellen Veränderungen besser. Dass sein Vertrag mit dem Ende der Spielzeit 2021/22 ausläuft, ist und bleibt jedoch besiegelt. Warum hat es nicht geklappt mit ihm und Oberhausen?

Sparvirus infiziert Theater

von Harald Raab

Bamberg im November 2020. November-Tristesse in der malerischen europäischen Kulturerbe-Stadt Bamberg. Das E.T.A-Hoffmann-Theater ist nachts rot illuminiert. Nicht, weil es Solidarität mit den Freudenhäusern im Rotlicht-Milieu signalisiert. Lockdown gilt für beide Etablissements gleichermaßen. Es geht um Aufmerksamkeit: Es gibt uns noch.

Schulterschluss der Einzelkämpfer

von Michael Wolf

13. November 2020. Dramatiker haben im Theaterbetrieb einen schweren Stand. So orientiert sich die Spielplangestaltung der Häuser meist nicht an Stücken, sondern an den Regisseuren. Auch die Dramaturgen haben es in vielerlei Hinsicht leichter, sie wissen eine Institution und meist auch eine Festanstellung im Rücken. Theaterautoren hingegen waren bislang ästhetisch wie ökonomisch Einzelkämpfer. In der Corona-Krise sehen sie nun ihre Tantiemen und damit ihr Einkommen wegbrechen. Es scheint geradezu überfällig, dass sie sich eine Interessenvertretung schaffen, um ihren Anliegen mehr Gewicht zu verleihen.

Startschuss für eine neue Ära

von Georg Kasch

6. November 2020. Das ist eine Überraschung: Iris Laufenberg wird von der Spielzeit 2023/24 an Intendantin des Deutschen Theaters Berlin (DT). Wer sich zuletzt durch die Gerüchteküche hörte, vernahm Namen wie Ersan Mondtag, Hasko Weber, Thomas Oberender. Auch Anna Bergmann galt mal als Anwärterin, nachdem die hoch gehandelte Karin Beier sich zu Hamburg und dem Deutschen Schauspielhaus bekannt hatte und Shermin Langhoff (die ihre Ambitionen selbst öffentlich gemacht hatte) am Maxim Gorki Theater verlängert wurde. Manche wetteten auf einen Mensch mit Ost-Biografie. Aber jemand mit Station in Graz? Es gibt wenige Häuser im deutschsprachigen Gebiet, die weiter von Berlin entfernt liegen. Aber diese Grazerin ist eine Heimkehrerin.