Blood on the Tarmac

by Brett Bailey

29. November 2014. This morning, in a video clip on an online forum, I watched close-up footage of protesters engaging in struggle with French 'robocops' outside last night's performance of EXHIBIT B in St Denis, Paris. Someone fell. Someone was dragged away. The camera zoomed in on a splash of blood on the white paint of a road marking, and my blood ran cold.

Dein Blackface ist so langweilig! Was das deutsche Repräsentationstheater von den Nachbarkünsten lernen kann

von Joy Kristin Kalu

Berlin, 26. November 2014. Knappe drei Jahre währt die Diskussion um Rassismus im deutschen Theater bereits, und sie steckt eigentlich immer noch in den Anfängen. Darstellungen schwarzer Figuren auf deutschsprachigen Bühnen haben auch in den vergangenen drei Spielzeiten für jede Menge Ärger gesorgt. Sie wurden in zahlreichen Inszenierungen mit theatralen Mitteln umgesetzt, die sich am treffendsten als rassistisch charakterisieren lassen. Das Schwarzmalen von Gesichtern, also das "Blackfacing", das der Debatte 2012 einen Namen gab, ist ein solches Mittel.

An Alarm Bell

von Frie Leysen

17. November 2014. A story from Seong-Hee Kim, a friend and colleague from South Korea. Millions of years ago, the first creatures crawled out of the sea and onto land, became reptiles, and then mammals. But after a while one of them, probably a reindeer, changed his mind, anticipated the big crash of a meteorite, took a deep breath, and jumped back into the sea. He thought his chances of survival were greater there. The whale: one of the biggest, most intelligent, and most empathic animals on earth, and the only mammal in the sea. An illustration that taking a step backwards does not necessarily mean regressing, but can be the right thing to do.

Deutsche Bühne und kalifornische Ideologie

von Ulf Otto

28. Oktober 2014. Es gibt derzeit im Theater ein großes Bedürfnis nach Digitalem. Allerorts wird in Workshops, Konferenzen und Publikationen diskutiert, was Games und Internet mit dem Theater zu tun haben könnten, auf nachtkritik.de wird gefordert, dass nun auch im Theater endlich gestreamt und getwittert werden müsse, und das Festival "Theater der Welt" wurde unlängst mit einer Rede des Internetaktivisten und Snowden-Intimus Jacob Appelbaum eröffnet.

Der Bauschutt der Moderne

von Alexander Kerlin

Dortmund, 16. Oktober 2014. Müssen wir in den Theatern eine Stunde Null ausrufen? Der Vorschlag, den Matthias Weigel hier in der vergangenen Woche in seinem Plädoyer "Reißt die Mauern der Tradition ein!" gemacht hat – die Images der Theater mit "Pools und Party" zu neutralisieren, ist vermutlich augenzwinkernd gemeint. Und doch legt er dem Theater nahe, sich von einem bestimmten Strang seiner Geschichte zu trennen, zumindest zu distanzieren.

To stream or not to stream?

Complete Works PlaceholderPioniere in Sachen Live-Streaming: die britische Gruppe Forced EntertainmentWährend große Opernhäuser, allen voran die Metropolitan Opera New York, ihre Vorstellungen regelmäßig ins Netz streamen, das Londoner National Theatre seine Inszenierungen in Kinosäle auf der ganzen Welt sendet und die Berliner Philharmoniker eine "Digital Concert Hall" betreiben, sind die deutschsprachigen Theater sehr zögerlin, was die Übertragung von Aufführungen ins Netz angeht. Das Volkstheater Rostock streamt 2011 eine Premiere, die vor leerem Zuschauerraum stattfand – aus Protest gegen die Schließung des Großen Hauses aus sicherheitstechnischen Gründen. Bisher ist das Theater Ulm jedoch das einzige Stadttheater, das seit 2012 regelmäßig und kostenlos Livestreams von Schauspielinszenierungen im Internet anbietet.

Im April 2014 plädiert die Piratin und Netzaktivistin Tina Lorenz auf nachtkritik.de für eine stärkere Vernetzung der Theater und die Öffnung der Häuser via Streaming. Im September 2014 schiebt Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner die Diskussion an, indem er freies Livestreaming von Berliner Opern- und Theatervorstellungen fordert – was sehr gemischte Reaktionen in Presse und Kulturbetrieb hervorrief. Unter anderem antwortet der Theaterverleger Bernd Schmidt mit einem Debattenbeitrag auf nachtkritik.de. Die Heinrich Böll Stiftung greift die Diskussion im Dezember mit einem Fachgespräch auf und übertrug dabei eine Aufführung live aus Dortmund nach Berlin. Im Oktober 2014 übertrug der Guardian auf seiner Website die sechsstündige Performance "Speak Bitterness" der Streaming-erfahrenen Company Forced Entertainment aus dem HAU Berlin ins Netz – unter reger Beteiligung auf Twitter.

Im April 2015 kündigt der designierte Volksbühnen-Chef Chris Dercon für das Haus eine "digitale Bühne" an. Etwa zur selben Zeit entdeckt die Netzwelt die Livestreaming-Apps Meerkat und Periscopes, die potentiell auch für das Theater interessant sein könnten. Im Mai gründen 15 Opernhäuser aus ganz Europa das Streaming-Portal "Opera Platform", auf dem Produktionen der beteiligten Häuser jeweils sechs Monate frei im Archiv abrufbar sind. Ebenfalls im Mai wird, in Zusammenarbeit mit dem WDR, die Premiere von Angela Richters Whistleblower-Inszenierung Supernerds am Schauspielköln sowohl ins Internet als auch, eingebunden in eine Live-Sendung, ins Fernsehen übertragen. Im Juni bietet nachtkritik.de bei "Complete Works" von Forced Entertainment, im Rahmen des Festivals Foreign Affairs und in Kooperation mit den Berliner Festspielen, zum ersten Mal einen Live-Stream an. Tim Etchells schreibt aus diesem Anlass darüber, warum die Erweiterung des Zuschauerraums ins Netz hinein die konsequente Fortführung einer spezifischen künstlerischen Praxis ist, die bewusst mit geteilter Aufmerksamkeit und dem Rauschen der sozialen Medien rechnet.

 

Textsammlung zum Thema

Beispiel I – Die Metropolitan Opera als Livestream-Pionier

Met-Chef Peter Gelb im SZ-Interview über die Zukunft der Oper und Live-Übertragungen ins Kino – Presseschau vom 5. Oktober 2013

 

Beispiel II – Livestream als Protestaktion in Rostock

Volkstheater Rostock zeigt Effi Briest per Livestream – Meldung vom 18. März 2011

Warum die Live-Übertragung der Rostocker "Effi Briest" ein Einzelfall bleiben sollte – Blogbeitrag von Georg Kasch (27. März 2011)

10.000 Zuschauer verfolgen Rostocker Effi-Briest-Stream – Meldung vom 28. März 2011

 

Beispiel III – Regelmäßiger Livestream aus Ulm

"Refugium" vom Theater Ulm im Livestream – Meldung vom 1. Oktober 2014

Livestreams, die Tim Renner fordert, gibt's zum Beispiel am Theater Ulm. Ein Testbericht von Georg Kasch (23. Oktober 2014)

Linkhinweis: Von Ulm in die ganze Welt. Das Theater der Stadt stellt seine Inszenierungen ins Netz von Bettina Schulte in der Badischen Zeitung (2. Dezember 2014)

 

Beispiel IV – Forced Entertainments durational performance im Livestream

Linkhinweis: Speak Bitterness: our catalogue of confessions – Beitrag von Tim Etchells auf theguardian.com (16. Oktober 2014)

Linkhinweis: Tweet Bitterness: how Forced Entertainment took over Twitter – Beitrag von Lyn Gardner (20. Oktober 2014)

Linkhinweis: Umfangreiche Tweet-Sammlung zu #FESPEAKLIVE, zusammengestellt von Sarah Wishart (Oktober 2014)

 

Livestreaming-Debatte 2014 – Tim Renner & Co.

Über Livestreaming und das Theater als Router – ein Appell von Tina Lorenz (16. April 2014)

Linkhinweis: Kulturförderung – geht auch mal so von Tina Lorenz für eine Publikation der Heinrich Böll Stiftung, S. 37-41 (April 2014)

Linkhinweis: Coney's no island: could streamed theatre let audiences call the shots? – Debattenbeitrag von Andrew Haydon auf theguardian.com (1. Juli 2014)

Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner fordert: Berliner Theater- und Opernvorstellungen per freiem Livestream – Meldung vom 5. September 2014

Linkhinweis: Kulturrat gegen kostenlose Opern im Netz. Geschäftsführer Olaf Zimmermann lehnt Vorschlag aus Berlin strikt ab – Radio-Interview auf Deutschlandradio Kultur vom 8. September 2014

Linkhinweis: Live ins Netz, na na na na na (wer macht denn sowas?!) – Blogbeitrag von Philipp Krechlak für das Blog der neuen musik zeitung (16. September 2014)

Der Theaterverleger Bernd Schmidt denkt über das Streaming von Theateraufführungen nach – ein Debattenbeitrag von Bernd Schmidt (1. Oktober 2014)

Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner erwägt im Interview mit der FAS höhere Eintrittspreise für Opern und spricht sich erneut für Livestreaming aus – Presseschau vom 13. Oktober 2014

Theaterkritiker Andreas Tobler in der Baseler Zeitung über Livestreaming im Theater – Presseschau vom 19. Oktober 2014

Joachim Lottmann und Gerhard Stadelmaier finden Theater-Livestreaming unsinnig – Presseschau vom 31. Oktober / 1. November 2014

Bühnenvereins-Direktor Rolf Bolwin spricht sich gegenüber dem RBB für Livestreaming aus – Presseschau vom 7. November 2014

Linkhinweis: Theater im Livestream – eine Zusammenfassung der Debatte von Beate Heine, Dramaturgin am Thalia Theater Hamburg, für die Website der Heinrich Böll Stiftung (3. Dezember 2014)

Wie zeitgenössisch ist Shakespeare, wie konservativ ist Livestreaming, und was will man eigentlich in Mainz? – Magazinrundschau vom 11. Dezember 2014

Linkhinweis: Let's Talk About Boundaries – von Tim Bano auf exeuntmagazine.com (14. Dezember 2014)

Linkhinweis: Bringing Theatre into the Digital Age – von Jeni Incontro auf howlround.com (23.1.2015)

Peter Laudenbach schreibt im Tagesspiegel über Livestreaming, Theater und Netz Tagesspiegel über Livestreaming, Theater und Netz – Presseschau vom 24. Januar 2015

Barbara Kisseler im Interview mit der SZ, u.a. über Livestreaming – Presseschau vom 18. Juni 2015

 

Fachgespräch in der Heinrich Böll Stiftung + Beispiel V – Livestream aus Dortmund

Überblicksbeitrag zum Fachgespräch "Schauspiel im Livestream – Fluch oder Segen?" der Heinrich Böll Stiftung am 10. Dezember 2014, inklusive Videomitschnitt und Tweet-Sammlung

Der Dortmunder Intendant Kay Voges spricht im Deutschlandfunk über das Livestreaming von Theater – Presseschau vom 9. Dezember 2014

Linkhinweis: "Fazit"-Gespräch mit Susanne Burkhardt auf Deutschlandradio Kultur (10.12.2014)

Linkhinweis: Ein paar Gedanken zum Livestreaming von Schauspieltheater #theaterstream von Ulf Schmidt auf postdramatiker.de (11.12.2014)

Linkhinweis: Wie echt ist Theater im Internet? Schauspiel im Live-Stream – ein Gespräch mit Kay Voges auf WDR 3 (11.12.2014)

Linkhinweis: Gezwitscher aus dem Zuschauerraum – Beitrag von Gerd Brendel auf SWR 2 (11.12.2014)

Beobachtungen zweiter Ordnung von Mounia Meiborg in der Süddeutschen Zeitung – Presseschau vom 12.12.2014

Nimmt die Seele des Theaters wirklich Schaden? von Katrin Pauly in der Berliner Morgenpost – Presseschau vom 12.12.2014

Linkhinweis: Livekritik zu 4.48 Psychose von Marie Golüke auf livekritik.de (12.12.2014)

 

Beispiel VI – Die Opera Platform

Europas Opernhäuser im Livestream – Meldung vom 8. Mai 2015

Linkhinweis: Theater- und Opernhäuser setzen auf Livestreams – von Nico Pointer (dpa), z.B. auf heise.de (3.6.2015)

 

Beispiel VII – Neun-Tage-Livestream zu Forced Entertainments "Complete Works"

Live-Stream zu Forced Entertainments "Complete Works" auf nachtkritik.de (25.6.-4.7.2015)

Taking Time. On live streaming, durational performances and "Complete Works" – von Tim Etchells (22.6.2015)

Linkhinweis: Putting Shakespeare on the table – Vorbericht von Rebecca Jacobson auf exberliner.com (22.6.2015)

Linkhinweis: Wherefore art thou pepper pot? Shakespeare's plays retold with household objects – Vorbericht von Andrew Haydon auf guardian.com (24.6.2015)

Neun Tage mit dem Livestream "Complete Works" von Forced Entertainment nach William Shakespeare beim Berliner Festival "Foreign Affairs" – Blogbeitrag von Christian Rakow (5.7.2015)

Reißt die Mauern der Tradition ein!

von Matthias Weigel

Berlin, 8. Oktober 2014. Entweder – oder. Wenn man sich dafür entscheidet, Kunst und Kultur öffentlich zu finanzieren, dann muss man akzeptieren, dass Kunst-Stätten wie Theater nicht nach marktwirtschaftlichen Regeln "sinnvoll" mit Geld umgehen. Kunst ist per definitionem immer verschwenderisch. Natürlich müssen Theater haushälterisch sorgfältig bilanzieren, und auch die eine oder andere Eigeneinnahme schadet nicht (so wie die Polizei ein bisschen Bußgeld zum Haushalt beisteuert). Aber das darf allenfalls ein Nebeneffekt sein. Ansonsten wird die Kunstfreiheit schon im Keim erstickt. Wollen wir Stadttheater, dann dürfen sie in ihrer inhaltlichen Ausformung nichts und niemandem verpflichtet sein, weder Kulturpolitikern noch Auslastungszahlen, weder Abonnenten noch Klassikern, weder Kritikern noch selbstauferlegten Premierenanzahlen. Die einzige Verpflichtung ist, diese Freiheit von Verpflichtungen auch zu nutzen.

Zuende mit allen Träumen

von Andreas Wilink

Wuppertal, 2. Oktober 2014. Während die Pina Bausch Foundation ihre Archivarbeit mit einem soeben installierten "Erinnerungslabor" ("Du und Pina") in die Zukunft führt, bereitet der Rückblick und die Gedächtnisarbeit, bezogen auf die Wuppertaler Bühnen, Schmerzen.
"Not macht erfinderisch – Wenn arme Städte Geld drucken" werben rundum Plakate, die auf die Ausstellung im Wuppertaler Museum für Frühindustrialisierung hinweisen. Es gehört zum Historischen Zentrum in Barmen, gruppiert um das Engelshaus mit seiner hübschen Gartenanlage in Sichtweite zur Oper. Nun gehört auch das kleine, mit grau-roten Isolierplatten umkleidete Theater dazu, das aus einer Lagerhalle für das gegenüberliegende Museum entstand.

An open letter to Jean-Claude Juncker and Members of the European Parliament regarding the designation of Mr Tibor Navracsics as EU Commissioner for Education, Culture, Youth, and Citizenship

 

Dear Mr. Juncker,

Dear Members of the European Parliament,

 

October 2nd, 2014. We, the undersigned professional and representative association of independent performing artists with culture, education, civic initiatives, and human rights in our focus, would normally consider it a very positive step and a great honour that a representative of our country may fulfill the post of EU Commissioner for Education, Culture, Youth, and Citizenship.

Ja, warum eigentlich nicht?

von Bernd Schmidt

1. Oktober 2014. Kürzlich schlug der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner in einer Veranstaltung der SPD vor, die Berliner Theater mögen ihre Inszenierungen auch als kostenlosen Online-Stream ins Internet stellen. Er erntete dafür sofort Kritik. Der Deutsche Kulturrat hatte Missfallen an dem Wort "kostenlos", andere witterten den Kulturverfall, wenn das Theater aus den Sälen in die Weiten des Internets wanderte. War dies also schon das Ende der Diskussion? Schade wär's.

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