Güldener Grenztest

von Wolfgang Behrens

18. September 2018. Jetzt ist tatsächlich einmal etwas passiert! In mein beschauliches Wiesbadener Dramaturgen-Dasein ist ein goldener Erdoğan hineingeplatzt. Über Nacht stand er plötzlich da – die Macher der Biennale, die von meinem Theater ausgerichtet wird, hatten ihn aufstellen lassen, ohne dass die allermeisten Theatermitarbeiter (darunter auch ich) vorher auch nur irgendetwas davon geahnt hätten. Und es trat ein, wovon Dramaturgen eigentlich träumen: Nicht nur die hiesige Zeitung und der Lokalteil des überregionalen Organs berichteten – nein, von den "heute"-Nachrichten bis zur "New York Times" diskutierte man über diese Erdoğan-Statue, die über Nacht wie ein Ufo auf dem Wiesbadener Platz der deutschen Einheit gelandet war und wie der Monolith in Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" bestaunt wurde.

Dann lieber wildpinkeln

von Michael Wolf

6. September 2018. Treue Leser dieser Kolumne ahnten es sicher schon: Mein Steckenpferd ist die Hygiene. Ich habe keine Angst vor Krankheiten, vielmehr verstehe ich Reinlichkeit als ästhetische Herausforderung. Mit dieser Haltung stehe ich nicht allein am Pissoir. Immer wieder ist zu hören, dass Zuschauer am Programm ihres Theaters nicht viel auszusetzen hätten. Unzufrieden seien sie hingegen mit den langen Schlangen vor den Bedürfnisanstalten, ihrem Zustand. Werfen wir also einen kritischen Blick in die Herrentoiletten einiger Berliner Theaterhäuser.

Selber Kälber

von Wolfgang Behrens

19. Juni 2018. Als ich noch ein Kritiker war, dachte ich, die schärfsten Kritiker des Theaters seien die Kritiker. Und vielleicht stimmt das ja auch, je nachdem, was man unter dem Begriff "scharf" subsumieren möchte. Die eine oder andere scharfsinnige Beobachtung schleicht sich schon ab und an in eine Kritik ein; und wer unter Schärfe die Bereitschaft zum Verriss versteht, wird natürlich auch hie und da in Kritiken fündig.

Go, Google, go away!

von Sophie Diesselhorst

11. Juni 2018. Es ist Sommer, und die Nachtkritik(-Redakteurin) ist erschöpft. Aber alles gut. Im luxuriösen Unterschied zu den Theatermacher*innen, die in Vorproben für die nächste Spielzeit sitzen und schwitzen, darf sie im Freibad die Hüllen fallen lassen. Was sich dabei allerdings nicht ablegen lässt, ist die professionelle Deformation jederzeit und überall Inszenierungen zu wittern, zu enttarnen und (selbstverständlich messerscharf!) zu analysieren.

Fette Beute in Sicht

von Michael Wolf

6. Juni 2018. Theater muss unbedingt politisch sein. Warum, weiß ich auch nicht. Ist halt so. Wenn ein Theater es politisch richtig krachen lassen will, engagiert es Philipp Ruchs Zentrum für politische Schönheit. Wenn ein Theater es nur ein kleines bisschen krachen lassen will, lädt es Jean Peters' Peng-Kollektiv ein.

Im Krisengebiet

von Esther Slevogt

31. Mai 2018. Manchmal reibe ich mir die Augen in meinem bürgerlichen Heldenleben. Bei der Lektüre der aktuellen Ausgabe des berühmten Investigativ-Magazins DER SPIEGEL zum Beispiel. Hat man dort doch ungeheuerliche Vorgänge am Schauspiel Köln aufgedeckt. Machtmissbrauch, Mobbing, ja, sogar Zerstörung von Requisiten!

Großes kündigt sich an

von Wolfgang Behrens

16. Mai 2018. Als ich noch ein Kritiker und sogar noch Redakteur bei nachtkritik.de war, ließ Kay Voges, Intendant des Schauspiels Dortmund, einmal anfragen, ob er nicht auf einen Plausch in der Redaktion vorbeikommen könne. Nach der allfälligen Auskunft, dass es keine nachtkritik.de-Redaktion gebe (also nicht als konkreten Ort in Gestalt eines eigenen Büros – die Redaktionstreffen finden bis heute in den privaten Wohnungen statt), verabredete man ein Gespräch auf neutralem Terrain. Während einer Redaktionssitzung legten wir fest, wer von uns diesen Termin wahrnehmen solle. Das Los fiel auf mich.