Rechtschaffene Rituale

Von Michael Wolf

19. März 2019. Letzte Woche haben die Kulturminister der deutschen Bundesländer verkündet, dass sie das Grundgesetz weiterhin super finden. In einer Abschlusserklärung "bekennen" sie sich dazu, "die kulturelle Vielfalt einer freien und offenen und demokratischen Gesellschaft zum zentralen Maßstab ihrer Entscheidungen zu machen". Ich finde es gut, dass unsere Minister die freiheitlich demokratische Grundordnung nicht angreifen wollen, hätte dergleichen aber auch nicht erwartet. Woher rührt der Bekenntniszwang? Ich glaube, die Damen und Herren Kulturpolitiker bedienen einen Trend.

"Man muss sich positionieren"

von Andrea Heinz

12. März 2019. Was haben die Bayern im Allgemeinen und König Ludwig im Speziellen mit Österreich, Wien und dem Theater zu tun? Die Verbindungslinie ist schnell gezogen: Bald geht ein Österreicher aus Bayern zurück auf die Insel. Martin Kušej, noch Intendant am Münchner Residenztheater, wird Direktor am Wiener Burgtheater.

"Dem kommt's gleich!"

von Wolfgang Behrens

5. März 2019. Vor fünf Wochen bedachte ich an dieser Stelle diejenigen mit leisem, aber insistierendem Spott, die das Theaterparkett nicht zuletzt dafür nutzen, beharrlich ihr Störpotential zu entfalten. Was ich den damals getadelten Herrschaften jedoch zugute halten muss, ist, dass sie ohne Arg handeln: Es käme ihnen gar nicht in den Sinn, dass das Knisterpapierchen, welches sie von der ersehnten Pastille abstreifen, auch noch im dritten Rang hörbar sein könnte; und ihr Parfüm haben sie schon zehn Sekunden nach dem Auftrag nicht mehr selbst wahrnehmen können, weswegen sie reinsten Gewissens noch einmal ordentlich nachgelegt haben.

Pro Quote Berlinale

von Lara-Sophie Milagro

26. Februar 2019. 69. Internationale Filmfestspiele in Berlin und ich freue mich. Die erste Berlinale, an der ich wieder richtig teilnehme, seit ich vor zwei Jahren Mutter geworden bin. Ich habe Einladungen zu zahlreichen Veranstaltungen und mein Mann arbeitet auf dem European Filmmarket, das heißt günstige Tickets zu Filmen aus aller Welt. Läuft!

Böses Foul von Macbeth!

von Michael Wolf

19. Februar 2019. Auch Kritiker haben Vorbilder. Meine heißen aber nicht Alfred Kerr oder Gerhard Stadelmaier, sondern Sabine Töpperwien und Manni Breuckmann. Die beiden werden einige von Ihnen aus der legendären ARD-Schlusskonferenz der Fußball Bundesliga kennen. Als Kind hing ich jeden Samstag am Radio und hoffte auf ihren Ruf: "Tor in Dortmund!"

Er trägt den Ifflandring!

von Esther Slevogt

17. Februar 2019. "Er trägt den Ifflandring!" herrschte die theaterbegeisterte Großmutter mich an, und zwar in einer Weise, als hätte die Beschwerde des Kindes, das ich damals war, an den Grundfesten ihres Selbstverständnisses gerüttelt. Kerzengrade saß sie auf ihrem Biedermeiersofa, von wo aus wir auf ihren kleinen Schwarzweißfernseher schauten: ein damals schon nicht mehr ganz zeitgemäßes Gerät, das im Wohnzimmer meiner Großmutter trotzdem wie ein futuristischer Fremdkörper wirkte. Lieber wäre ich mit Captain Kirk und Mr. Spock zu den Klingonen aufgebrochen, statt hier nun einen katholischen Priester vollkommen uninteressante Kriminalfälle lösen zu sehen. Aber: Der Schauspieler trug den Ifflandring! Josef Meinrad hieß er, der da so merkwürdig näselnd und mit im Gesicht festgefrorenem Lächeln einen gewissen Pater Brown verkörperte, der der Held der Serie und offenbar auch der Held meiner Großmutter war.

Kreuze, Kini, Polizeigesetze

von Andrea Heinz

Wien, 5. Februar 2019. Niemand ist eine Insel, heißt es. Das stimmt aber nicht. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, in seinem Land besser bekannt unter der dynamischen Kurzform Basti, braucht kein abgeschlossenes Studium, um zu wissen: Österreich ist wohl eine Insel. Und zwar nicht irgendein dahergelaufenes Eiland. Die Insel der Seligen! Wer, wie die Kolumnistin, aus Bayern kommt, fühlt sich da gleich zuhause. Bayern ist schließlich, wie Horst Seehofer gewohnt bescheiden festhielt: die Vorstufe zum Paradies. Und wer aus einem solchen "Premium-Land" herstammt, der tut sich naturgemäß schwer, adäquate Alternativen zu finden. Aber Insel der Seligen ist halt auch nicht schlecht. Und: Man hat ein ähnliches Sprachverständnis. Wo die einen jahrzehntelang einparteienmäßig von Christlich-Sozialen regiert wurden und die anderen immer wieder anfallsartig von Freiheitlichen, da braucht keiner ein Linguistik-Seminar, um zu verstehen, was es mit der Arbitrarität sprachlicher Zeichen auf sich hat.