Mehr Inhalt!

von Dirk Pilz

4. Juli 2017. Diesmal eine Nachfrage an uns Zuschauer, namentlich die Theaterkritiker: Kommt die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Inszenierungen nicht ein bisschen sehr kurz derzeit?

Ende mit Schrecken

von Wolfgang Behrens

27. Juni 2017. Und es wird sein Heulen und Zähneklappern, und die Volksbühne wird nicht mehr sein, das Berliner Ensemble wird nicht mehr sein, und ihr werdet abseits sitzen vom Tische der Kunst und hinausgeworfen sein in die äußerste Finsternis. Und ihr werdet euch mit Wildfremden in den Armen liegen, tanzen und feiern bis tief in die Nacht und Lebewohl sagen. Ich aber werde nicht dabei sein. Ich werde zu Hause sitzen und Castorf und Dercon, Peymann und Reese gute Männer sein lassen, denn ich weiß, wie es ist, von einem Theater Abschied zu nehmen. Es ist schrecklich.

Alles in Zeitraffer

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes "Bühnenaufbau" auf nachtkritik.de bisher: 6 Mal

20. Juni 2017. In Wien staut sich, wie in Berlin, dieser Tage die Hitze. Ich sitze, es ist bereits nachts, bei halbgeöffnetem Fenster vor dem hell blinkenden Laptop, drei Gelsen umkreisen mein Werk. Das Theaterjahr geht wieder einmal zu Ende, und ich verabschiede mich mit einer letzten Kolumne dieser Saison in die Sommerpause. Welch ein Jahr der Abschiede und letzten Auftritte und letzten Inszenierungen. Eines möchte ich dazu noch sagen: Hätte es für mich als junge Theaterbesucherin Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre die Volksbühne so nicht gegeben, wer weiß, was aus mir geworden wäre. Vielleicht ein Polizist?

Wofür es sich zusammenzuraufen lohnt

von Georg Kasch

15. Juni 2017. Nicht zu demonstrieren ist auch keine Lösung. Seit 20 Jahren gibt es den alternativen Christopher-Street-Day in Berlin-Kreuzberg für alle, die sich vom kommerzialisierten großen CSD nicht (mehr) vertreten fühlen. Ein CSD, in dem Spruchbänder, Megafone und politische Botschaften das Bild prägen, Transmenschen und Krawalltunten, nicht halbnackte Muskelpakete und pittoreske Dragqueens. Das hat was von den subversiven Anfängen der Parade, als noch Mut dazu gehörte, sich auf offener Straße als polymorph pervers zu bezeichnen. Allerdings wurde von Anfang an darum gestritten, wer wie stark präsent sein darf. Dieser erbitterte Kampf um die queere Deutungshoheit führte oft genug zu Absagen der ganzen Demo. Und das ist ein Symptom.

Deutsche Geschichte als Baukasten

von Esther Slevogt

Berlin, 7. Juni 2017. Das kitschige Ding war ja schon vom Tisch und man hatte aufgeatmet. So ein peinliches Denkmal braucht schließlich kein Mensch. Nun ist es wieder da. Kurz vor dem vergangenen Wochenende passierte der Beschluss dafür doch noch das Parlament. In einer Sitzung, die erst in den frühen Morgenstunden endete (in deren Verlauf auch der sogenannte Majestätsbeleidigungsparagraf abgeschafft) und eben das Einheitsdenkmal beschlossen wurde: Eine gülden schimmernde, megalomane Wippe, die die Choreografin Sasha Waltz im Verbund mit dem Stuttgarter Event-Agenten Johannes Milla erdachte, wird also in naher Zukunft vor der wieder aufgebauten Schlossattrappe am Ende der Straße Unter den Linden zu finden sein. Das deutsche Geschichts-Disneyland in Berlins Mitte ist dann um eine Attraktion reicher.

Mordwaffe Buch

von Wolfgang Behrens

Berlin, 23. Mai 2017. Meine erste Intendanz endete 1990. Diejenige Intendanz nämlich, die mich geprägt, die mich zum Zuschauer gemacht hat. Diejenige Intendanz, während derer ich erstmals das Theater als wesentliches Welterkenntnisinstrument kennengelernt habe. Es war das die Intendanz von Günther Rühle in Frankfurt, die nur eine weltgeschichtliche Nanosekunde währte – fünf Jahre, da können Castorf, Peymann und Wolfgang Bordel nur müde lachen.

Backen ohne Mehl

von Dirk Pilz

Berlin, 18. Mai 2017. Diesmal eine kleine Anmerkung zum aktuellen Theatergeschehen in der deutschen Hauptstadt. Es hat sich jetzt also die angeblich wichtigste Kulturpressekonferenz des Jahres zugetragen: Chris Dercon und sein Team haben ihre Pläne für die Volksbühne vorgestellt. Ein weiteres Kapitel im sogenannten Berliner Theaterstreit, bei dem, so der Anschein, das Wohl und Wehe des gesamten deutschen Theaterselbstverständnisses auf dem Spiel steht. Längst geht es ja nicht mehr um Dercon & Co., sondern um alles.