Bekennt euch!

von Michael Wolf

27. November 2018. Ich bin in einem Dorf im Sauerland aufgewachsen. Es gab nicht viel zu tun. In der Grundschule kickte ich einen Ball gegen das Garagentor. In der Realschule auch. Als Gymnasiast war ich dabei betrunken. Ein Stadttheater betrat ich zum ersten Mal mit siebzehn Jahren. Bis dahin kannte ich mich nur mit zwei Inszenierungen aus: mit dem Gottesdienst und NDR-Aufzeichnungen des Ohnsorg-Theaters. Diese Erfahrungen prägen mich bis heute.

Die Guten sind überall

von Esther Slevogt

14. November 2018. Eigentlich ist das ja eine gute Nachricht: 140 Kultureinrichtungen haben allein in Berlin die "Erklärung der Vielen" unterschrieben. Auch in Hamburg, Dresden und Düsseldorf haben unterschiedlichste Kultureinrichtungen sich dieser Kampagne angeschlossen: von großen Leuchtturmhäusern wie Staatstheater und Museen bis hin zu kleinsten Kulturvereinen, Galerien und Stadtteilinitiativen. Das Redaktionsmailpostfach quillt über mit Erklärungen und Statements, seit am symbolträchtigen 9. November die Kampagne der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Ein seltener Ort

von Sophie Diesselhorst

31. Oktober 2018. Geflüchtete sind nicht mehr das Thema. Das Thema sind jetzt die Gaulands, Seehofers, die Trumps und Bolsonaros, die gegen Geflüchtete hetzen und politischen Profit daraus schlagen, Migrationsbewegungen zu dämonisieren. Darum soll es aber hier nicht gehen. Sondern um einen Ort für Geflüchtete und Ungeflüchtete, den Augsburger Künstler*innen und Aktivist*innen gegründet haben, ein paar Jahre vor dem Sommer 2015. Das Grandhotel Cosmopolis, es ist jetzt in seiner Existenz bedroht, was erbärmlich gut in den Zeitgeist passt.

Best never rest

von Wolfgang Behrens

23. Oktober 2018. Ich bin in meinem Leben schon vielen hässlichen Sätzen begegnet. "Best never rest" ist natürlich einer von ihnen, oder "Wenn der Bratmaxe grillt, fängt die Stimmung an", oder auch: "Alles wird gut." Der Schriftsteller Max Goldt hat es sogar einmal unternommen, den hässlichsten Satz der deutschen Sprache zu küren. Ich will die Spannung nicht unnötig steigern und zitiere ihn hier sogleich: "In schonungslos verknappter Sprache bringt er die alltägliche Gewalt auf die Bühne und liefert so eine radikale Bestandsaufnahme des Lebensgefühls einer Generation."

Nicht ohne mein Integrationsstipendium

von Lara-Sophie Milagro

16. Oktober 2018. Ich komme nach einem langen Sommer im Ausland zurück in das Land, von dem ich eigentlich immer dachte, es sei meine Heimat, und habe das Gefühl im falschen Theaterstück gelandet zu sein. In einer vorgezogenen Fastnachtsposse. Protagonisten sind ein als Demokrat verkleideter Neonazi, der sich von Hitlerreden inspirieren lässt, und sein Lakai, der den Tierkundler gibt und gegen die sogenannte Integration hetzt ("Einen Fuchs kann man nicht in den Hühnerstall integrieren", Martin Kohlmann, Pro Chemnitz). Ein Narr hat sich derweil als Innenminister verkleidet und schachert fröhlich mit Ministerialposten. Das Kabinett als Karnevalsverein. Alaaf, Herr Maaßen!

Nie wieder Langeweile

von Michael Wolf

9. Oktober 2018. Theater ist ein Glücksspiel. Als Zuschauer gehen wir Abend für Abend Risiken ein. Selbst hochkarätig besetzte Premieren treffen mitunter nicht unseren Geschmack. Mir selbst war oft nach den ersten zehn Minuten bereits klar, dass mich das Bühnengeschehen auch für den Rest der Aufführung nicht mehr interessieren würde.

Schwarze Löcher der Aufmerksamkeit

von Esther Slevogt

2. Oktober 2018. Lokaljournalisten, das waren auch einmal Figuren aus dem bürgerlichen Heldenleben. Sie stellten Öffentlichkeit für das unmittelbar Benachbarte her, schauten Lokalpolitikern auf die Finger, untersuchten örtliche Skandale, schrieben über Missstände im Kreiskrankenhaus, Wohltätigkeitsbasare, Sport- und Schützenfeste oder Kulturveranstaltungen vor Ort. Konzerte des Kirchenchors zum Beispiel, und Aufführungen des örtlichen Theaters natürlich auch. Auf den Anzeigenseiten der Lokalblätter gab es Werbung lokaler Geschäftsleute und zwischendurch standen Todes- und Familienanzeigen.