Pro Quote Berlinale

von Lara-Sophie Milagro

26. Februar 2019. 69. Internationale Filmfestspiele in Berlin und ich freue mich. Die erste Berlinale, an der ich wieder richtig teilnehme, seit ich vor zwei Jahren Mutter geworden bin. Ich habe Einladungen zu zahlreichen Veranstaltungen und mein Mann arbeitet auf dem European Filmmarket, das heißt günstige Tickets zu Filmen aus aller Welt. Läuft!

Böses Foul von Macbeth!

von Michael Wolf

19. Februar 2019. Auch Kritiker haben Vorbilder. Meine heißen aber nicht Alfred Kerr oder Gerhard Stadelmaier, sondern Sabine Töpperwien und Manni Breuckmann. Die beiden werden einige von Ihnen aus der legendären ARD-Schlusskonferenz der Fußball Bundesliga kennen. Als Kind hing ich jeden Samstag am Radio und hoffte auf ihren Ruf: "Tor in Dortmund!"

Er trägt den Ifflandring!

von Esther Slevogt

17. Februar 2019. "Er trägt den Ifflandring!" herrschte die theaterbegeisterte Großmutter mich an, und zwar in einer Weise, als hätte die Beschwerde des Kindes, das ich damals war, an den Grundfesten ihres Selbstverständnisses gerüttelt. Kerzengrade saß sie auf ihrem Biedermeiersofa, von wo aus wir auf ihren kleinen Schwarzweißfernseher schauten: ein damals schon nicht mehr ganz zeitgemäßes Gerät, das im Wohnzimmer meiner Großmutter trotzdem wie ein futuristischer Fremdkörper wirkte. Lieber wäre ich mit Captain Kirk und Mr. Spock zu den Klingonen aufgebrochen, statt hier nun einen katholischen Priester vollkommen uninteressante Kriminalfälle lösen zu sehen. Aber: Der Schauspieler trug den Ifflandring! Josef Meinrad hieß er, der da so merkwürdig näselnd und mit im Gesicht festgefrorenem Lächeln einen gewissen Pater Brown verkörperte, der der Held der Serie und offenbar auch der Held meiner Großmutter war.

Kreuze, Kini, Polizeigesetze

von Andrea Heinz

Wien, 5. Februar 2019. Niemand ist eine Insel, heißt es. Das stimmt aber nicht. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, in seinem Land besser bekannt unter der dynamischen Kurzform Basti, braucht kein abgeschlossenes Studium, um zu wissen: Österreich ist wohl eine Insel. Und zwar nicht irgendein dahergelaufenes Eiland. Die Insel der Seligen! Wer, wie die Kolumnistin, aus Bayern kommt, fühlt sich da gleich zuhause. Bayern ist schließlich, wie Horst Seehofer gewohnt bescheiden festhielt: die Vorstufe zum Paradies. Und wer aus einem solchen "Premium-Land" herstammt, der tut sich naturgemäß schwer, adäquate Alternativen zu finden. Aber Insel der Seligen ist halt auch nicht schlecht. Und: Man hat ein ähnliches Sprachverständnis. Wo die einen jahrzehntelang einparteienmäßig von Christlich-Sozialen regiert wurden und die anderen immer wieder anfallsartig von Freiheitlichen, da braucht keiner ein Linguistik-Seminar, um zu verstehen, was es mit der Arbitrarität sprachlicher Zeichen auf sich hat.

Ssssssst oder 'S große Rascheln und Röcheln

von Wolfgang Behrens

29. Januar 2019. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es nicht statthaft sei, Texte oder gar Kolumnen über die Verspätungen und Servicepannen der Deutschen Bahn zu verfassen, da diese ein viel zu wohlfeiles Opfer darstelle. Schade eigentlich, denn als zwischen Berlin und Wiesbaden pendelnde dramaturgische Schienenexistenz hätte ich da viel zu erzählen. Ähnlich verhält es sich wohl mit Texten über das hustende, röchelnde, raschelnde Publikum bei Veranstaltungen der Hochkultur. Auch das ist ein überaus dankbares Spottobjekt, und wirklich jeder kennt diese Geschichten: "Und just in dem Moment, als Harnoncourt den Taktstock zum Einsatz hob, klingelte ein Handy." Oder: "Und dann hat eine Oma (#PoliticallyIncorrect, I know) hinter mir an der leisesten Stelle ein Bonbon ausgepackt …" Wobei mir einfällt – ja, das muss ich erzählen: Gerade neulich hat eine Oma hinter mir an der leisesten Stelle ein Bonbon ausgepackt, und zwar so quälend langsam, als gälte es, die Vorfreude auf die gaumenbefeuchtende Leckerei so lange wie möglich auszukosten – als plötzlich eine tiefe Greisenstimme in Zimmerlautstärke dazwischenfuhr: "Kannste mir auch eins geben?"

Daheim zu Gast

von Lara-Sophie Milagro

22. Januar 2019. Neulich bei Label Noir, das Telefon klingelt. Für ein Stück gegen Fremdenfeindlichkeit wird "eine Afrikanerin" gesucht, ob wir einen Tipp hätten. "Aus welchem Land? – "Egal, Hauptsache Afrika und mit sehr guten Deutsch-Kenntnissen." – "Da fällt mir jetzt ad hoc niemand ein." – "Könnten Sie uns vielleicht den Kontakt zu Schauspielerin x geben?" – "Die ist aber Amerikanerin." – "Ach so, ja, das geht auch." – "Sie spricht aber nicht akzentfrei Deutsch." – "Schauspielerinnen y und z, die wir auf Ihrer Website gesehen haben, fänden wir auch passend." – "Ach so, dann suchen Sie Deutsche?" – "Nein, Schwarze." Loriot lässt grüßen.

Macht mal Pause!

von Michael Wolf

15. Januar 2019. Oft höre ich, man solle Regisseure nicht mehr als Genies betrachten. Diese Forderung mag berechtigt sein, aber sie geht an den Produktionsbedingungen des Theaters weit vorbei. Nicht wenige Regisseure inszenieren 4 bis 6 Arbeiten im Jahr. Schon aus zeitlichen Gründen müssen die Musen ihnen da unter die Arme greifen. Ohne Hilfe von oben ist so ein Pensum gar nicht zu schaffen.