Charme-Offensive

von Sophie Diesselhorst

18. Dezember 2018. Vor etwas mehr als einem Jahr hat sich der Verein Pro Quote Bühne gegründet. Ich selbst war beim ersten Interview dabei. In weiser Voraussicht haben sich die Initiatorinnen nicht zum Ziel gesetzt, ihre Forderung einer fünfzigprozentigen Frauenquote in allen künstlerischen Theater-Ressorts binnen Jahresfrist zu erreichen. Sonst müssten sie ihr Vorhaben dieser Tage für krachend gescheitert erklären.

Die Kritikerfalle

von Wolfgang Behrens

11. Dezember 2018. Man darf sich den Kritiker nicht als glücklichen Menschen vorstellen. Macht ja auch keiner. Christine Dössel – immerhin selbst Kritikerin – beschrieb ihn vor ein paar Jahren als "ein bisschen gebeugt, gram und miesmuffelig." Und das war noch freundlich ausgedrückt, denn die meisten vermuten hinter dem Kritiker einen durch und durch bösen Menschen, der sich zu seinem Platz im Parkett, Reihe 6, Mitte einzig mit dem Ziel schleppt, eine in wochenlanger Mühsal geprobte Theaterarbeit im Handstreich zu erledigen.

Mütter, Nannys, Babynahrung

von Lara-Sophie Milagro

4. Dezember 2018. Meine zweijährige Tochter ist frech, klug und natürlich das schönste Kind der Welt: blonder Afro, veilchenblaue Augen und ewig lange Wimpern. Wie es sich für ein Schauspieler-Kind gehört, zeichnen sich zudem bereits performativ-theatrale Vorlieben ab. Auf dem Wickeltisch wird mit Luft-Mikro gesungen, vor dem Spiegel verschiedene Arten des Weinens auf ihre Wirkung hin überprüft, sie dreht mit unseren Handys Selfie-Videos und neulich haben wir ganz unzweifelhaft ein Heiner Müller-Zitat aus ihren ansonsten noch unzusammenhängenden Sätzen heraushören können ("Optimismus ist nur ein Mangel an Information"). Seitdem steht fest: Das Kind muss auf eine Bühne und vor die Kamera, natürlich unter den wachsamen Augen ihrer stolzen Mutter.

Bekennt euch!

von Michael Wolf

27. November 2018. Ich bin in einem Dorf im Sauerland aufgewachsen. Es gab nicht viel zu tun. In der Grundschule kickte ich einen Ball gegen das Garagentor. In der Realschule auch. Als Gymnasiast war ich dabei betrunken. Ein Stadttheater betrat ich zum ersten Mal mit siebzehn Jahren. Bis dahin kannte ich mich nur mit zwei Inszenierungen aus: mit dem Gottesdienst und NDR-Aufzeichnungen des Ohnsorg-Theaters. Diese Erfahrungen prägen mich bis heute.

Die Guten sind überall

von Esther Slevogt

14. November 2018. Eigentlich ist das ja eine gute Nachricht: 140 Kultureinrichtungen haben allein in Berlin die "Erklärung der Vielen" unterschrieben. Auch in Hamburg, Dresden und Düsseldorf haben unterschiedlichste Kultureinrichtungen sich dieser Kampagne angeschlossen: von großen Leuchtturmhäusern wie Staatstheater und Museen bis hin zu kleinsten Kulturvereinen, Galerien und Stadtteilinitiativen. Das Redaktionsmailpostfach quillt über mit Erklärungen und Statements, seit am symbolträchtigen 9. November die Kampagne der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Ein seltener Ort

von Sophie Diesselhorst

31. Oktober 2018. Geflüchtete sind nicht mehr das Thema. Das Thema sind jetzt die Gaulands, Seehofers, die Trumps und Bolsonaros, die gegen Geflüchtete hetzen und politischen Profit daraus schlagen, Migrationsbewegungen zu dämonisieren. Darum soll es aber hier nicht gehen. Sondern um einen Ort für Geflüchtete und Ungeflüchtete, den Augsburger Künstler*innen und Aktivist*innen gegründet haben, ein paar Jahre vor dem Sommer 2015. Das Grandhotel Cosmopolis, es ist jetzt in seiner Existenz bedroht, was erbärmlich gut in den Zeitgeist passt.

Best never rest

von Wolfgang Behrens

23. Oktober 2018. Ich bin in meinem Leben schon vielen hässlichen Sätzen begegnet. "Best never rest" ist natürlich einer von ihnen, oder "Wenn der Bratmaxe grillt, fängt die Stimmung an", oder auch: "Alles wird gut." Der Schriftsteller Max Goldt hat es sogar einmal unternommen, den hässlichsten Satz der deutschen Sprache zu küren. Ich will die Spannung nicht unnötig steigern und zitiere ihn hier sogleich: "In schonungslos verknappter Sprache bringt er die alltägliche Gewalt auf die Bühne und liefert so eine radikale Bestandsaufnahme des Lebensgefühls einer Generation."