Caitlyn Jenner auf Usedom

von Georg Kasch

6. September 2016. Am Tag nach der Mecklenburg-Wahl fragte ein Bekannter: Gut 20 Prozent für die AfD, und in meinem Freundeskreis gibt’s kaum Kommentare dazu? Ich finde das nicht erstaunlich, denn das Resultat ist nicht so dramatisch ausgefallen, wie ich befürchtet hatte – ich habe es für möglich gehalten, dass die AfD stärkste Kraft wird. Ich komme aus Mecklenburg-Vorpommern, da muss ich mir nichts vormachen. Schauen Sie sich mal die Zahlen von Usedom an, dann wissen Sie, was ich meine.

Der Toaster ist schuld!

von Esther Slevogt

28. Juni 2016. Das hatte doch mal was, dieses bürgerliche Repräsentationssystem. Man wählt jemanden, der etwas besser kann oder weiß als man selber und vertraut dann darauf, dass der oder die einigermaßen so denkt und handelt wie man selbst. Natürlich nicht ganz genau: Immerhin ist diese*r Repräsentant*in Ergebnis der Vielen, die ihn oder sie gewählt haben und die ebenfalls darauf vertrauen, dass ihre Interessen berücksichtigt werden. Doch dieses Vertrauen ist offenbar weg.

Die Regisseurin hat den Zuschauer nicht verstanden

von Wolfgang Behrens

21. Juni 2016. Und dann wollte mir Andrea Breth so richtig wehtun. Gerade noch war eine Dramaturgin eingeschritten und hatte gesagt: "Ich glaube, das ist ein Missverständnis, er hat doch etwas Anderes gemeint." Die Breth aber sendete ein paar Blitze in meine Richtung und giftete: "Nein, kein Missverständnis! Wir haben einander schon ganz gut verstanden." Ich versuchte, mit einem grimmigen Lächeln zu antworten, es kam aber wohl nur ein jämmerliches Grinsen dabei heraus. So ein Mist! Ich hatte doch recht, verdammt nochmal! Aber gefühlt blieb Andrea Breth Siegerin. Irgendwie hatte sie mich klassisch ausgekontert.

Herren und Knechte

von Dirk Pilz

14. Juni 2016. Der Bühnenverein hat mitgeteilt, die Arbeitsbedingungen für darstellende Künstler in den Stadt- und Staatstheatern sowie Landesbühnen seien "weitgehend zufriedenstellend". Das hätten die Beratungen der diesjährigen Jahreshauptversammlung ergeben. Beraten musste man also immerhin, um festzustellen, dass die Bezüge der darstellenden Künstler mit durchschnittlich 2.700 bis 3.100 Euro brutto das Urteil "weitgehend zufriedenstellend" verdienen.

Passen

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Passen auf nachtkritik.de bisher: 771 Mal

7. Juni 2016. Ich bin mit meiner Freundin M. im Charlottenburger Zwiebelfisch gesessen, und wir haben darüber beraten, ob die Zeit fortschreitet: ja oder nein. Vor 16 Jahren haben wir uns beim Studieren in Berlin kennengelernt, heute trinken wir zusammen zwei Asahi und acht kleine Kölsch. Alte Kleider wegwerfen: ja oder nein?

Das Lachen des Teiresias

von Georg Kasch

31. Mai 2016. Teiresias war ein blinder Seher mit Bühnenkarriere bis heute. Seine Sehergabe, so sagt die Legende, hatte er dem größten Stresstest seines Lebens zu verdanken: Als er sich auf die Frage von Hera und Zeus, Chefgötter im Dauereheclinch, welches Geschlecht die meiste Lust beim Sex empfinden würde, zu einer Antwort hinreißen ließ, kostete ihn das das Augenlicht. Zum Ausgleich gab’s die Prophetie.

Das große Eintauchen

von Esther Slevogt

Berlin, 24. Mai 2016. In der letzten Zeit wird im Theaterwesen viel mit einem neuen Wort gewedelt, das eigentlich so neu nicht ist. "Immersion" ist das Wort, es bedeutet ungefähr so viel wie Einbettung oder Eintauchen. Und es ist anscheinend ein neues Zauberwort. Sogar auf dem Netzkongress "Republica" (der bisher nicht durch besonderes Kunstinteresse aufgefallen ist) hat man sich in diesem Jahr dieses neuen Trends angenommen und die "Performersion" erfunden: ein Programm, das die "Immersion" mit der "Performance" amalgamiert und das als Kontakthof für Leute aus der künstlerischen Praxis, Theoretiker und digitale Forscher*innen und Technologieentwickler*innen gedacht war.