Ein digitaler Raum, was sonst?

von Esther Slevogt

8. November 2016. Unsere Theater verstehen sich gerne als die letzten Schauplätze bürgerlicher Öffentlichkeit, die noch nicht von marktorientiertem Denken geprägt und von Wirtschaftsinteressen privatisiert worden sind. Unter diesem Denken hören Orte nämlich auf, öffentlich zu sein; nur merkt man es manchmal nicht gleich. Privatinteressen (und nichts anderes sind Wirtschaftsinteressen) drohen inzwischen alles platt zu machen, was nicht unmittelbar monetarisierbar ist beziehungsweise einer Monetarisierung im Wege steht. Auch staatliche Einflusssphären werden unter diesem Druck zunehmend aufgeweicht.

Ob das mal stimmt!

von Wolfgang Behrens

1. November 2016. Als ich noch ein Zuschauer war, erzählte mir einmal ein Pianist, warum er seine Konzertkarriere aufgegeben habe. Ein Freund von ihm habe nämlich ein Konzert aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen müssen, was freilich den für dieses Rezital vorgesehenen Zeitungskritiker nicht beirrte. Zwei Tage später erschien also eine ausführliche Kritik des ausgefallenen Konzerts. Ich muss zugeben, dass mir das durchaus Respekt vor der Fantasie des Kritikers abnötigt – den Pianisten indes, der mir diese Anekdote erzählte, ließ es am Konzertbetrieb verzweifeln.

Wie wollt' man die reformieren?

von Dirk Pilz

25. Oktober 2016. Heute nur eine kleine Anmerkung. Es kommt jetzt ja einiges zusammen. Der andauernde Streit um das Volkstheater Rostock, die Verwerfungen in Trier um den Intendanten Karl Sibelius, die sonderbare Ablösung des Schauspieldirektors Mario Holetzeck in Cottbus, der hausinterne Zwist in Potsdam. Die noch immer nebulöse Freistellung von Stephanie Gräve in Bern. Der längst nicht aufgeklärte Finanzskandal am Wiener Burgtheater. Die Debatten um Chris Dercon und Tim Renner im Berliner Theaterstreit. Nur ein paar Beispiele aus einer längeren Liste, und jeder Fall ist anders, sicher. Man dürfe nicht vergleichen, heißt es deshalb immer, alles sei komplizierter als es von außen aussehe. Und der Laie steige ohnehin nicht durch, sagen die Experten.

Elfriede Jelinek

von Teresa Präauer

Erwähnungen von Elfriede Jelinek auf nachtkritik.de bisher: 343 Mal

20. Oktober 2016. Es brennt uns unter den Nägeln, wir sitzen seit Tagen auf Nadeln, es juckt und kitzelt uns vor Aufregung und Vorfreude: wir wollen Elfriede Jelinek zum 70. Geburtstag gratulieren!

Tut mir leid!

von Georg Kasch

Berlin, 11. Oktober 2016. Das mit dem Herbst tut mir leid. Der ist dieses Jahr so kalt, so windig geraten und er kommt viel zu früh. Im September hatte es angenehme Temperaturen, man konnte Baden bis weit in den Monat hinein, die Sonne strahlte. Und nun? Alles dahin. Da stimmt doch was nicht. Da muss einer schuld sein. Warum nicht ich?

Aus dem Alltag einer Theaterabgrenzungsbeauftragten

von Esther Slevogt

5. Oktober 2016. Ja, früher war auch das Kritikerleben noch über- und vor allem durchschaubar. Beziehungsweise das Kritikerinnenleben. Denn da waren zumindest die Grundlagen klar. Zum Beispiel, dass der Typ da auf der Bühne mit dem Totenschädel in der Hand nicht wirklich ein verwirrter dänischer Prinz, sondern Schauspieler XY war. Dass ich aber für die nächsten zwei, drei oder wie viele Stunden auch immer einfach einen dänischen Prinzen in ihm sehen würde. Und auch glauben würde, dass es sich bei dem Schädel in seiner Hand nicht um ein Plastikteil aus der Requisite, sondern um den sterblichen Überrest eines früheren Hofnarren handelt, der von zwei Totengräbern, die sich gerade ebenfalls auf der Bühne befanden, soeben beim Ausheben eines neuen Grabes wieder zu Tage befördert wurde.

Und was ist mit mir?!

von Wolfgang Behrens

23. September 2016. Vor einer Woche hat der Berliner Noch-Kulturstaatssekretär Tim Renner in einem Interview mit der taz die eigentliche Kernkompetenz benannt, die zur Berufung eines Nachfolgers von Frank Castorf im Amt des Volksbühnen-Intendanten geführt hat: Der Kandidat musste Christoph Schlingensief persönlich gekannt und mit diesem gearbeitet haben, und zwar möglichst früh. Am besten noch vor Frank Castorf! Wie Tim Renner darauf kam, dass eben dieses Kriterium für Chris Dercon spreche – weil dieser angeblich "bereits vor Frank Castorf mit Christoph Schlingensief inszeniert und ihm eine Plattform geboten" habe – wird allerdings sein Geheimnis bleiben.