Nackt unter AfDlern

von Wolfgang Behrens

6. Oktober 2015. Annegret Waters aus Bernkastel-Kues hat in einem Leserbrief an den Trierischen Volksfreund (26.9.2015) ein interessantes Rechtfertigungs-Kriterium für Nacktheit auf der Bühne benannt. Sie sei, sagt Frau Waters, "beileibe nicht prüde", der Auftritt nackter Schauspieler – wie er jüngst in Trier zu erleben war – "muss aber nicht sein. Hatten wir schon mal vor Jahren bei König Lear, aber der war ja auch schwachsinnig!" Na klar: Schwachsinn und Nacktheit, das leuchtet unmittelbar ein. Geistig Gesunde hingegen lassen ihre Klamotten besser an.

Die Stimmung stimmt

von Dirk Pilz

29. September 2015. Das letzte Mal habe ich mich über die Salzburger Festspiele und die Kanzlerin beschwert. Diesmal möchte ich mich bedanken. Zunächst bei der Kanzlerin. Immerhin hat sie doch noch bemerkt, dass sich Flüchtlinge nicht wie Euro-Rettungsschirme behandeln lassen. Dass für Schutzsuchende das "Gebot der Menschlichkeit" gilt. Ob sie dieses Gebot auch noch gelten lassen wird, wenn nicht nur die moralischen Kosten steigen, werden wir sehen. Dazu bei entsprechender Gelegenheit. Einstweilen ist ihr auch deshalb zu danken, weil sie mit ihrer Haltung all jene zu Stellungnahmen verführte, die von der "Flüchtlingskanzlerin" mehr "Härte", "Realitätssinn" und den entsprechend rigorosen "Schutz der Grenzen" verlangen. Man weiß jetzt genauer, woran man bei dieser oder jenem ist.

Gender Performance

von Georg Kasch

Berlin, 22. September 2015. Neulich kam mir ja der Gedanke, eine Diversity-Agentur zu gründen. Weil ich damit wahrscheinlich genug zu tun haben werde, verschenke ich hier nun meine nächste Geschäftsidee. Dabei verspricht gerade die, für freiberuflich arbeitende Schauspieler*innen eine wahre Goldgrube zu werden: In schwulen Dating-Portalen gibt es nämlich ein neues Zauberwort, mit dem man wahlweise sich oder den potentiellen Partner, meist aber beide charakterisiert: straight-acting. Soll heißen: Benimm dich wie ein echter Kerl, dann hast du auch eine Chance, bei mir zu landen.

Ab in den Plüschsessel!

von Esther Slevogt

15. September 2015. Letzthin wurde von Leserinnen und Lesern ja immer mal wieder Unzufriedenheit mit dem Kolumnenwesen auf nachtkritik.de zum Ausdruck gebracht. Mangelhafter, krampfhafter Humor wurde uns vorgeworfen, laue politische Milchmädchenrechnungen, und überhaupt: dass wir zu viel Senf zu vielen Themen dazugeben würden, von denen wir keine Ahnung hätten. Ja, wir geben es zu, wir sind nur eine Theaterseite. Aber der aktuelle Zustand dieser Welt kann einen schon ziemlich wuschig machen. Da reißt es uns eben doch gelegentlich aus dem Plüschsessel heraus. Man will sich einmischen. Irgendwie raus aus der Blase. Theater, päh! Wer kann in diesen Zeiten noch einfach ins Theater gehen?

Beginn

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Beginn auf nachtkritik.de bisher: 2000 Mal.

8. September 2015. Jetzt, wo es Herbst wird und die Theatersaison wieder beginnt, sitze ich in Iowa City und schreibe diese Kolumne. Es ist spät, und bis der Text abgeschickt werden kann, wird es hier Mitternacht geworden sein, und dort, in Berlin, im Zimmer der verantwortlichen Redakteurin, bereits sieben Uhr morgens. Sie wird ihren Computer einschalten, und ich werde meinen ausschalten.

Ein – – – was???

von Wolfgang Behrens

1. September 2015. Immer mal wieder kocht es hoch. Immer mal wieder erregt sich jemand darüber, dass es auf nachtkritik.de Kommentare von Menschen zu lesen gibt, die anonym bleiben. Für manche ist die Anonymität sogar der Wesenskern von nachtkritik.de – erst in der letzten Woche etwa konnte man in einem Berliner Stadtmagazin nachlesen, nachtkritik.de sei ein "Portal, auf dem anonyme Schreiber gerne alles Mögliche und Unmögliche mutmaßen."

Auf der Tagesordnung

von Dirk Pilz

Berlin, 25. August 2015. Fast täglich derzeit Meldungen von Brandanschlägen und rassistischen Übergriffen. Wer auf der Flucht ist und um Asyl in diesem Land bittet, ist in ihm nicht mehr sicher. Flüchtlinge als Feinde: Das ist Deutschland 2015.