Der kleine, dumme Zuschauer

von Michael Wolf

24. Oktober 2017. Im Journalismus gilt das Gebot, sich klar auszudrücken. Mindestanforderung an eine Kolumne ist zum Beispiel, dass die Leser nach der Lektüre verstanden haben, was drin stand. Gleiches gilt für Aufsätze in der Schule, für berufliche E-Mails und Post-Its am Kühlschrank. Nicht aber für das Theater. Sehr oft lese ich mir Beschreibungen von Inszenierungen durch und habe danach keine Ahnung, worum es konkret gehen soll. Der Vorschau-Text auf Internetseiten oder in Spielzeit-Heften hat eine eigenartige Rhetorik herausgebildet.

Angstvoll angepasst

von Dirk Pilz

17. Oktober 2017. Diesmal eine Frage: Kann es sein, dass diese Ost-West-Sache in Deutschland doch noch nicht durch ist? Dass die sogenannte Wiedervereinigung zwar in den Geschichtsbüchern steht, aber in den Köpfen und Gefühlen längst nicht vollzogen ist, und zwar hüben wie drüben nicht? Es scheint mir so.

Gefährliche Gesprächsverweigerung

von Esther Slevogt

Berlin, 10. Oktober 2017. Eigentlich kann es für die AfD doch gar nicht besser laufen. Kaum hebt eine*r ihrer Repräsentant*innen irgendwo sein Haupt, kann sie oder er mit maximaler Medienaufmerksamkeit rechnen. Denn auf die mediale Empörungsmaschine ist Verlass. Wer sie zuverlässig mit immer neuem, empörungsfähigem Material beliefert, spart viel Geld für Werbekampagnen.

Plötzlich Dramaturg

von Wolfgang Behrens

3. Oktober 2017. In den 1990er Jahren war die gesamte überregionale Theaterkritik von alten Männern besetzt, die gnadenlos ihre ästhetischen Vorlieben aus den 1970er Jahren hochschrieben und alles andere gründlich vernichteten. Die gesamte überregionale Theaterkritik? Nein! Einen unbeugsamen Jungkritiker gab es damals, der sich nicht schrecken ließ und gegen die herrschende Alt-Herren-Meinung Regisseure wie Frank Castorf und Einar Schleef als die neuen Großkünstler feierte.

Mehr Inhalt!

von Dirk Pilz

4. Juli 2017. Diesmal eine Nachfrage an uns Zuschauer, namentlich die Theaterkritiker: Kommt die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Inszenierungen nicht ein bisschen sehr kurz derzeit?

Ende mit Schrecken

von Wolfgang Behrens

27. Juni 2017. Und es wird sein Heulen und Zähneklappern, und die Volksbühne wird nicht mehr sein, das Berliner Ensemble wird nicht mehr sein, und ihr werdet abseits sitzen vom Tische der Kunst und hinausgeworfen sein in die äußerste Finsternis. Und ihr werdet euch mit Wildfremden in den Armen liegen, tanzen und feiern bis tief in die Nacht und Lebewohl sagen. Ich aber werde nicht dabei sein. Ich werde zu Hause sitzen und Castorf und Dercon, Peymann und Reese gute Männer sein lassen, denn ich weiß, wie es ist, von einem Theater Abschied zu nehmen. Es ist schrecklich.

Alles in Zeitraffer

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes "Bühnenaufbau" auf nachtkritik.de bisher: 6 Mal

20. Juni 2017. In Wien staut sich, wie in Berlin, dieser Tage die Hitze. Ich sitze, es ist bereits nachts, bei halbgeöffnetem Fenster vor dem hell blinkenden Laptop, drei Gelsen umkreisen mein Werk. Das Theaterjahr geht wieder einmal zu Ende, und ich verabschiede mich mit einer letzten Kolumne dieser Saison in die Sommerpause. Welch ein Jahr der Abschiede und letzten Auftritte und letzten Inszenierungen. Eines möchte ich dazu noch sagen: Hätte es für mich als junge Theaterbesucherin Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre die Volksbühne so nicht gegeben, wer weiß, was aus mir geworden wäre. Vielleicht ein Polizist?