Akzent

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes "Akzent" auf nachtkritik.de bisher: 444 Mal

11. Mai 2017. Ich gebe das Wort "Akzent" in die Suchmaschine von nachtkritik.de ein und stoße zum Beispiel auf Alvis Hermanis' aktuelle Inszenierung am Münchner Residenztheater, und die Ergebnisse dieser Suchmaschine lassen jetzt den Schauspieler Wolfram Rupperti in seiner Rolle noch einmal sagen: "Als ich aus Norwegen weggegangen bin und beschlossen hatte, Deutscher zu werden, wollte ich die Sprache so gut lernen, dass ich ohne Akzent spreche. Niemand sollte mich als Fremden erkennen."

Die Neiddebatte der Diskriminierten

von Georg Kasch

2. Mai 2017. Neulich war ein Bekannter im Schwuz tanzen. Als er sich irgendwann das T-Shirt auszog – in ähnlichen Clubs nicht unüblich –, motzte ihn ein Mitarbeiter der Security an, sich wieder anzuziehen, seine Halbnacktheit stelle eine Bedrohung dar. Kann der Anblick eines freien Oberkörpers bedrohen? Ein tanzender Körper in einem queeren Club in Berlin? Die Begründung: Männliche Nacktheit könne ein Trigger für Opfer sexueller Gewalt sein.

Arzt am Leibe der Zeit

von Esther Slevogt

27. April 2017. Es ist natürlich längst überfällig, an dieser Stelle einmal auf den Urheber des Titels dieser Kolumne, auf Carl Sternheim zu verweisen. "Aus dem bürgerlichen Heldenleben" – das ist ja eigentlich die Klammer für diverse Dramen Sternheims, die in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg entstanden und gemeinhin als Komödien bezeichnet werden. In Wahrheit jedoch handelt es sich um Tragödien: Tragödien des Kleingeists, der verkrampften Aufstiegshoffnung und der Gier des (wilhelminischen) Bürgertums. Bürger, die in ihrer brutalen Genusssucht und Gefühlsunfähigkeit jämmerliche wie gefährliche Figuren abgeben.

Muss da nicht ein Buh her?

von Wolfgang Behrens

18. April 2017. Seit einigen Wochen erst ist Oliver Mears im Amt, doch der neue Intendant des Royal Opera House Covent Garden hat schon eine wichtige Botschaft an das Publikum. Im Telegraph und in einigen anderen englischen Medien konnte man sie vernehmen: "Oliver Mears said ticketholders should applaud even if a performance is not to their liking. It is simply a question of manners." [Oliver Mears sagte, Zuschauer sollten auch dann applaudieren, wenn ihnen die Aufführung nicht gefallen hat. Es sei schlicht eine Frage des Benehmens.] Und vor allem sollten die Zuschauer nicht buhen.

Schreiben Sie das jetzt!

von Dirk Pilz

11. April 2017. Diesmal ein kleiner Blick hinter die Kulissen der Theaterkritik. Es ist zwar noch immer nicht abschließend geklärt, wozu es eigentlich Theaterkritik gibt, es wird sich vermutlich auch nicht klären lassen. Fest steht aber: Es gibt allerlei Theaterkritikerinnen und Theaterkritiker, die mit ihrem Geschäft sogar Geld verdienen (wenig, meistens sehr wenig, aber immerhin), es gibt zudem die Presse- und sogar Meinungsfreiheit, noch, muss man inzwischen hinzufügen, und es gibt allerlei Theatermacher, das ist schön. Mit Kritikern kommen sie in der Regel nicht überein. Die Interessen sind zu verschieden, die Eitelkeiten wahrscheinlich zu vergleichbar.

Ceci n’est pas une Kolümn

von Teresa Präauer

5. April 2017. Scheitern am Verfassen einer Kolumne auf nachtkritik.de bisher: 0 Mal.

Wann sollte man im Leben keine Kolumne schreiben?

– Wenn man erst seit 3 Tagen als Visiting Professor in Amerika weilt, den Jetlag noch im Hirn und in den Gliedern.

– Wenn man, es ist spätnachts, bereits eine halbe Flasche Zinfandel von Bogel Vineyards getrunken hat.

– Wenn man die halbe Nacht, gegen den guten Vorsatz eine Kolumne zu schreiben, mit einem sogenannten "Akademietheaterstar" gechattet, also die Nacht gewissermaßen verchattet hat, ohne das Unterfangen noch als "Recherche" betiteln zu können.

Kantersiege eines Männersystems

von Georg Kasch

Berlin, 28. März 2017. Ich bin Feminist. Das war nicht immer so. Früher hatte ich den Eindruck, ich kenne so viele Frauen, die was können und wollen, die brauchen meine Unterstützung nicht, die schaffen das auch alleine. Aber das ist ein ebenso dummer Gedanke wie der, das queer nur was für Homos ist. Man muss nur mal auf die Zahlen gucken. Statistisch gesehen bekommen Frauen in Deutschland für jeden Euro, den Männer verdienen, 79 Cent. Oder: Nur fünf Prozent aller Künstler*innen in den Abteilungen für zeitgenössische Kunst in Museen sind Frauen, aber über 85 Prozent der Akte sind weiblich.