Die Neue Deutsche Welle

von Georg Kasch

2. Juni 2015. Armes Deutschland! Wir haben es doch auch so schon schwer genug: Wirtschaftsmotor Europas, Großbeitragszahler der EU, G7-Supergastgeber, Weltkonflikt-Superratgeber, NSA-Superdatengeber, und dann noch Fußball-, Friseur- und Exportweltmeister, weltgrößte Safttrinker, die Größe, die Größe, ach!

Aussprache

von Teresa Präauer

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26. Mai 2015. Das Trennende zwischen Österreich und Deutschland sei die gemeinsame Sprache, soll Karl Farkas in seinen Kabarettprogrammen in etwa gesagt haben. "Kabarett": das, hier fängt es schon an, schreibt man in Österreich genau so, spricht es aber aus wie das französische "Cabaret". Und was nicht alles unterschiedlich ausgesprochen wird in deutschsprachigen Landen, von der Schweiz ganz zu schweigen!

Missversteht euch!

von Wolfgang Behrens

19. Mai 2015. Ich gehe ja übrigens nicht mehr zu den Publikumsgesprächen beim Theatertreffen. Ich möchte nicht sehen, wie Kritiker*innen als Moderatoren oder Juroren den Kuschelkurs fahren ("Für mich war das die beste Aufführung des Festivals – wie sehen Sie das als Regisseur?") oder wie sie – schlimmer noch – den Produktionsdramaturgen spielen ("Ich habe die Aufführung als ganz große Metapher für die ausgebrannte Gesellschaft gelesen. Liege ich da richtig?"). Ich möchte nicht hören, wie Schauspieler*innen wie Fußballer antworten ("Wie haben Sie die Rolle angelegt?" "Also ich hab' die Rolle einfach so gespielt! Ich hab' da nicht groß nachgedacht ..."), und ich möchte nicht erleben, wie sich Regisseur*innen als nette Menschen präsentieren ("Man hätte das auch ganz anders inszenieren können, aber ich hab's halt so gemacht."). Ich muss und will nicht dabeisein, wenn sich das Theater in seiner ganzen betriebsnudeligen Harmlosigkeit offenbart.

Kein bisserl dumm

von Dirk Pilz

12. Mai 2015. Diesmal zu Tim Renner, Kulturstaatssekretär in der deutschen Hauptstadt und überregional bekannt geworden, seitdem Claus Peymann ihn in die Abteilung "nettes, weißes Hemd" einsortierte. Jung, frisch, ein bisserl dumm sei dieser Renner.

Die Kunst des Post-Volkes

von Esther Slevogt

5. Mai 2015. Besuchen wir die Volksbühne, solange sie noch steht. "Verkauft" steht jetzt über dem massigen Bau am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz. In den in zwei Jahren ein neuer Intendant einziehen soll. Nach fünfundzwanzig Jahren. Eigentlich ein normaler Vorgang. Nicht mal Helmut Kohl ist solange Kanzler aller Deutschen gewesen, wie Frank Castorf Intendant der Berliner Volksbühne.

Salatschüssel statt Schmelztiegel

von Georg Kasch

28. April 2015. Vor zwei Wochen schwang sich der europäische Zynismus zu neuen Höhen auf, als die Politik beklagte, was sie zuvor doch mit so viel Nachdruck betrieben hatte: das Ertrinken der Flüchtlinge im Mittelmeer. Was blieb, war ein entsetzliches Gefühl der Hilflosigkeit. Und die Fremdscham, dass gerade jene die abendländischen Werte mit Füßen treten, die sich immer wieder auf sie berufen.

Memoiren

von Teresa Präauer

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21. April 2015. Wenn man im Foyer des Wiener Burgtheaters auf den Beginn der Vorstellung wartet oder sich in der Pause später die Zeit vertreibt, ohne beim Buffet im oberen Stockwerk ein Schinkensemmerl zu verdrücken – dazu ein andermal –, dann fällt der Blick auf die Auslage der dort integrierten Buchhandlung, die nämlich DVDs, Bücher und CDs über Theater und Theaternahes feilbietet.