Menschen sind kein Material

17. September 2018. "Was auch immer dabei künstlerisch herauskommen mag – die Zeit der allmächtigen Inszenatoren scheint gestundet. Menschen sind kein Material. Auch nicht auf der Bühne", schreibt Petra Kohse in der Berliner Zeitung mit Blick auf die Vorwürfe gegen den belgischen Künstler und Choreografen Jan Fabre, gegenüber Tänzer*innen seines Ensembles sexuell übergriffig geworden zu sein. 

Szenische Putztruppen

13. September 2018. In der Wochenzeitung "Die Zeit" (13.9.2018) diagnostiziert Theaterkritiker Peter Kümmel im Anschluss an die Theatertreffen-Reden von Schauspieler Fabian Hinrichs und von Regisseur Milo Rau eine Krise der Schauspielkunst, genauer: des Verwandlungsschauspiels. "Viele Inszenierungen, die ich in den letzten Jahren sah, wirkten so, als sei der Darsteller auf der Bühne dazu da, uns vor dem Stück, der Aufführungstradition und dem toten Autor zu beschützen. Er steht an der Rampe wie ein Mediator."

Unguter Einfluss oder Hilfe zur Heilung?

7. September 2018. Im Berliner Tagesspiegel führt der Co-Feuilleton-Chef Rüdiger Schaper ein kritisches Interview mit dem Intendanten der Berliner Festspiele Thomas Oberender. Das Thema: Das für Oktober geplante, große Immersionsprojekt "Dau", für das vier Wochen lang zwischen Staatsoper Unter den Linden und Schlossplatz ein Areal mit einer Replika der Berliner Mauer umgeben werden soll. In dieser Zeit sollen 13 Filme des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky uraufgeführt werden, die in den letzten Jahren in der Ukraine entstanden sind. Für die Filme hatten Hundert Spieler*innen "für mehrere Jahre in der fiktiven Welt eines wissenschaftlichen Instituts" in der Sowjetunion "ganz real zusammengelebt" und sich dabei filmen lassen.

"Russischer Finanz- und Kunstkomplex"

3. September 2018. Unter Thomas Oberenders Leitung haben sich die Berliner Festspiele "der Immersion verschrieben", schreibt Rüdiger Schaper im Tagesspiegel. Allerdings sei durch die bisherigen Aktivitäten der Festspiele nicht klar geworden, "was 'Immersion' eigentlich bedeutet. Oder so viel: Das Immersive lebt von Vernebelung." Und habe etwas Autoritäres. "Immersion als inszenierte Vereinnahmung – mit oder ohne 3D-Brille, aber mit Ansage", so Schaper. "Nicht wenige Konsumenten finden das schick, verwechseln Gängelung mit Teilhabe. Das immersive, partizipative Spiel ist abgekartet und oft banal."

Weniger Programm, weniger Einnahmen

Wien, 2. September 2018. In Wien ist ein Streit um die Einnahmensituation der Wiener Festwochen ausgebrochen. Auf Anfrage der liberalen Neo-Fraktion veröffentlichte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler die Bilanz der Festwochen, die der Wiener Kurier wiedergibt: Von 1,5 Millionen Euro Kartenerlösen im Jahr 2014 seien die Einnahmen schon unter Intendant Markus Hinterhäuser auf 887.840 Euro im Jahr 2016 abgesunken. Unter Tomas Zierhofer-Kin lagen die Zahlen 2017 bei 807.382 Euro, 2018 wurden 583.025 Euro erlöst. "Es ist unfassbar, wie die Wiener Festwochen in den letzten Jahren herabgewirtschaftet wurden“, kommentiert Neo-Cheffin Beate Meinl-Reisinger im Kurier.

Es braucht Gärtnerinnen

27. August 2018. Mit Blick auf Führungswechsel (weiblich --> männlich) in Wuppertal und Trier stellt Dorion Weickmann in der Süddeutschen Zeitung fest, dass im Tanzbetrieb auf der Leitungsebene eine grobe Geschlechterungerechtigkeit herrscht. Im Tanz hätten immer noch traditionell die Herren das Sagen, "getreu der Devise, die der Choreograf George Balanchine vor Jahrzehnten ausgab: 'Das Ballett ist eine rein weibliche Angelegenheit', nämlich 'ein Garten voller schöner Blumen, und der Mann ist der Gärtner'", so Weickmann.

Organisierte Verhandlungsmacht

25. August 2018. In der Wiener Tageszeitung Der Standard berichtet Stefan Weiss ausführlich und mit mehreren Beispielen über Lohndumping im Musiktheaterbetrieb. Aufhänger sind die Tiroler Klassikfestspiele Erl, deren Intendant jüngst erst ankündigte sein Amt ruhen zu lassen. Alfons Puschej, zehn Jahre als Bratschist dort im Orchester, hat Weiss jetzt erzählt, dass er vor allem weißrussische Kollegen hatte, ein Kollege sei "jahrelang mit 150 Euro brutto pro Woche bezahlt worden". Dem Verein Artbutfair seien aus Erl "über 30 Berichte möglicherweise arbeits- und strafrechtlich relevanten Inhalts zugetragen" worden, so Weiss.