Der Raum muss seine Körper lieben

28. Januar 2010. Ob des ungebrochenen Interesses an René Polleschs neuestem Abend Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang! soll nicht versäumt werden, auf den Schlingenblog-Eintrag hinzuweisen, den Christoph Schlingensief nach Besuch der Pollesch-Premiere verfasste. Er schreibt darin über den "überwältigend schönen" Raum von Bert Neumann und über sein Zuschauglück angesichts eines Fabian Hinrichs – "an diesem abend stimmte wirklich alles!"

24. Januar 2010. Welt-Online bringt ein Interview, das Tobi Müller mit den Protagonisten von Jan Bosses Wiener Othello Joachim Meyerhoff (Othello) und Edgar Selge (Jago) geführt hat. Es geht auch um das Regietheater und die Frage, warum sich die Betroffenen, nämlich die Schauspieler nie zu Wort melden. Regietheater? "Was soll das sein?" fragt Joachim Meyerhoff. "Ich bin der tiefsten Überzeugung, dass jeder einzelne Moment im Theater immer Interpretation ist. Immer. Es gibt nicht das reine Gemeinte, und somit auch keine Regie, die diesem Gral nicht gerecht werden könnte."

22. Januar 2010. Die spinnen, die Berliner Theater-Direktoren. Seit 2006 lebt Sandra Hüller in Berlin. Theater spielt sie vornehmlich anderswo. In Berlin hat sie "einfach keiner gefragt". Das ist doch nicht zu fassen. Als ganz und gar uneitle Erscheinung portraitiert Anne Peter La Hüller in der heutigen taz.

22. Januar 2010. Für Peter Michalzik ist der aufstrebende Dramatiker Nis-Momme Stockmann so etwas wie der prototypische Schriftsteller 2010. "Der junge Mann ist bei sich, so weit bei sich, dass er schon wieder fern wirkt." Außerdem geht es in der Frankfurter Rundschau um das "graue Wehen", das Hochhaus der Europäischen Zentralbank und um Dinge, die man weiß, über die man aber nicht reden kann.

14. Januar 2010. In seinem Blog auf der Werbrplattform des Friedrich-Verlags kultiversum.de schrieb Falk Richter bereits einen Tag vor Weihnachten darüber, wie er das nachtkritik.de-Forum erlebt. Das permanente Kommentieren und Kommentiertwerden, das nächtliche Diskutieren, das immer wieder von Aggressivität und Destruktivität geprägt sei. Er fragt darin auch, ob das denn die Idee der MacherInnen von nachtkritik.de gewesen wäre, den Beruf des Kritikers so travestieren zu lassen. Antwort: Die Idee war, herauszufinden, ob es überhaupt noch Diskussionsbedarf gibt. Und die Tatsache, dass dies in einem Maße der Fall ist, das sich nirgendwo sonst, weder auf Podien noch in Zeitungen abbildet, gibt uns Recht. Sicher muss das Diskussionsniveau insgesamt noch erhöht werden. Was sich den letzten zweieinhalb Jahren an Forumskultur entwickelt hat, ist aber nicht geringzuschätzen.

16. Januar 2010. "Wie jeder Theatermacher in dieser wilden, dunklen, dauervereisten Stadt klicke auch ich morgens natürlich als erstes auf die Seiten von nachtkritik.de und schaue, was wieder alles Tolles passiert ist." schreibt Falk Richter als Wort zum Wochenende in seinem Blog auf der Werbeplattform des Friedrich-Verlags kultiversum.de.

9. Januar 2010. Der in Potsdam erscheinenden Märkischen Allgemeinen Zeitung hat Andreas Kriegenburg ein Interview gegeben und kräftig ausgeteilt: "Mitunter gibt es Rezensionen, die sind so anmaßend in ihrer Dummheit, die bestehen auch darauf, dass sie dumm sein wollen. (...) In Hamburg war die Stimmung sehr schön. Hier in Berlin hat es das Feuilleton in kürzester Zeit geschafft, dass man sich nicht mehr so auf die Premieren freut. Das Niveau der Auseinandersetzung ist sehr niedrig, sehr beleidigend."

Modrige Pilze

26. November 2009. Im Berliner Tagesspiegel ruft Rüdiger Schaper - wieder einmal - die Krise des Berliner Opern- und Schauspieltheaters aus. Der Betreib laufe zwar noch rund, aber er laufe leer. Die Bühnen drohten ihre "Erzählkraft" zu verlieren. Im Parkett herrsche "öde Langeweile".