Das Libretto 1. Teil

17. Juli 2009. Die Redaktion von nachtkritik.de hat die verschiedenen Teile des Librettos für die Afrikanische Oper zusammengetragen und teilt sie hier, zur weiteren Bearbeitung mit:

Das Libretto 2. Teil

20. Dezember 2009. Wie sie wissen – und für alle anderen sagen wir es hier noch einmal – verließ Carlos Palabras, Mister Poetry wie Felicitas sagt, im Sommer unsere schöne deutsche Heimat und ging zu Schiff nach Chile. Seine Schwester hatte Drillinge geboren, und obwohl Dulce Sugar virtuell schwer schlucken musste, fuhr Carlos und kündigte seine Rückkehr für Oktober an. Es ward Oktober, ward November und der Dezember brach an keine Nachricht von Palabras. Dann endlich, kurz vor der Heiligen Nacht, eine große Überraschung. Mit den besten Grüßen und Küssen an alle Zurückgebliebenen sandte Carlos ein Manuskript – den aus den Materialien des Sommers gewonnenen zweiten Teil des Librettos der Afrikanischen Oper.

Die nachtkritik-Redaktion hat ihr Möglichstes getan, um diesen Text rechtzeitig vor dem Jahreswechsel allen interessierten Lesern zugänglich zu machen. raphael, spricht von einem "leserlichen Teppich den wir jetzt nur noch zum Fliegen bringen müssen..." Posted 18.07.2009 01:26:06.

Aristoteles und ich

3. Juli 2009. Peter Stein ist zu uns gekommen. Gestern Abend in die Agora der Volksbühne. Ein kleiner viereckiger Tisch ward ihm aufgestellt. Ein Glas Wasser. Auf dem Tisch ein schwarzes Mikrofon, davor ein kleiner schwarzer Lautsprecher. Neben dem Tisch ein Täfelchen in hellem Holz. Kurz vor und nach dem Peter-Stein-Auftritt erging sich Regen über Berlin-Mitte. Die Agora war nicht ausverkauft, und der erste Blick von Peter Stein ist ein mürrisches Mustern der Zuhörerschar. Das schwarze Hemd ist hochgeschlossen, schwarz die Schuhe, schwarz das Hemd. Die Uniform der Theaterintellektuellen. Peter Stein steht sie gut.

Abschied von der Schlange II

25. April 2009. Normalerweise hätte ich ja heute seit 6 Uhr in der Frühe in der Warteschlange des Kartenvorverkaufs zum Berliner Theatertreffen gestanden. Da dem nun nicht mehr so ist (der Grund ist hier nachzulesen), sitze ich stattdessen um 9.55 Uhr am Computer, um den um 10.00 Uhr startenden Online-Verkauf der Berliner Festspiele zu testen. Bei der schriftlichen Kartenbestellung bin ich nur mäßig (mit drei Karten) bedacht worden. Dank einiger Freunde ist meine Lage zwar nicht gar so trostlos, doch für die Schlingensief-Voraufführung am 29. April hätte ich schon gerne noch was. Dann mal los!

Die ganze komplexe Vergeblichkeit

1. Juli 2009. Der Deutschlehrer war schockiert. "In ihrem Alter habe ich die Stones gehört!" sagte er, als er von unseren, aus seiner Sicht höchst morbiden Reisen nach Wuppertal erfuhr, wohin wir als Schüler von Düsseldorf aus mit der Eisenbahn fuhren, um die Tanzabende von Pina Bausch zu sehen. Manchmal so oft, dass wir auf dem Schulhof ganze Sequenzen schon damals klassischer Bausch-Stücke wie "Komm tanz mit mir" nachzutanzen versuchten, wie später unsere jüngeren Geschwister den Moonwalk von Michael Jackson. "Komm tanz mit mir/ tanz mit mir/ ich hab ne weiße Schürze für/ ich hab noch eine drunter/ die ist noch viel viel bunter/ lass nicht ab, lass nicht ab/ bis die Schürze Löcher hat."

Darwins Ei

Ostersonntag, den 12. April 2009. Von einem Eierfund der besonderen Art berichtet pünktlich zum Osterwochenende der Londoner Daily Telegraph. Im Zoologischen Museum der weltberühmten Cambridge University wurde nämlich in der Vogeleiersammlung kurz vor Ostern ein leicht lädiertes, schokoladenbraun glänzendes Ei gefunden. Auf über achttausend Gelege schätzt man den Bestand des Museums, und als sich Sammlungsleiter Mathew Lowe die Archivdaten zum Ei näher ansah, entdeckte er die Aufschrift "C. Darwin". Und das mitten im Darwin-Jahr! In Cambridge hatte Charles Darwin Medizin und Theologie studiert.

MICHAEL Nooooooooooooooooooooooooooooo oooooooooooooo

26. Juni 2009. "Das Internet ist ein seltsames Medium," sagt der Redakteur zur Redakteurin und mailt einen Mitschnitt aus den You-Tube-Kommentaren unter dem Videoclip von Michael Jacksons "Thriller", der genau den Moment festhält, wo das dumpfe Meinungsrauschen des Netzes erst zum Drama gefriert und dann zum Bocksgesang anschwillt.

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alisha980
Michael jackson looks so gay now he look like an ugly woman

jesuslover787
I love this soo hecka much!!!!

k5kkkk
he is no doubt the only man that fits the dance to this song to bad he is a fruitcake

CyraxRcCAWS
!!!!!!!!!!Fello MJ fans turn on your NEWS it seems that MJ has had a heart attack :'(

Witz, komm raus!

1. April 2009. Weil in deutschen Theatern, zumal bei der Uraufführung zeitgenössischer Stücke, offenbar zu wenig gelacht wird – von Seiten der Theaterkritik hatte zuletzt der Berliner Tagesspiegel die Komödienkrise ausgerufen –, schicken sich die um Gegenwartsdramatik besonders bemühten Institutionen immer wieder an, die Federn der Autoren irgendwie von außen zum Witz hin zu spitzen.

Im Busch

21. Juni 2009. Ich hatte einen Großonkel, der im Jahr 1912 von einer Bremer Handelsgesellschaft nach Kamerun geschickt wurde, um in der Hauptstadt Yaundé, die man damals noch Jaunde schrieb, weil Kamerun unter deutscher Kolonialherrschaft stand, die Leitung der afrikanischen Vertretung der Gesellschaft zu übernehmen. Der Onkel wurde sehr alt, fast hundert nämlich, weshalb mir seine Schilderungen des afrikanischen Kapitels in seinem Leben noch ausgesprochen lebhaft in Erinnerung sind: zwei Jahre, die am Ende seines Lebens fast den gesamten Raum seines Gedächtnisses eingenommen hatten.

Abschied von der Schlange

26. März 2009. Es ist Zeit für ein Bekenntnis. Ja, ich bekenne: Ich habe von 1991 an in der Warteschlange beim Kartenvorverkauf fürs Berliner Theatertreffen gestanden. Jahr für Jahr. Nur einmal bin ich fremdgegangen und habe es an der Theaterkasse bei Karstadt im Wedding probiert – mit durchschlagendem Misserfolg: im folgenden Jahr stand ich wieder an der offiziellen Kasse in der Schaperstraße. Selbst als ich schon beruflich mit Theaterkritik zu tun hatte, habe ich mich doch immer wieder angestellt: ich war Teil der Schlange.

Das Erbe deutscher Kleinstaaterei

7. Juni 2009. Eben bekomme ich eine Mail von Peter Uehling, Musikkritiker der Berliner Zeitung. Sie hebt an mit der Frage: "Behrens, hast du diesen Wisch auch bekommen?" Mit dem Wisch meint Uehling eine Resolution der Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins.

Die letzten Winkel des Innenohres

7. März 2009. Während seit Tagen in unserer Kommentarspalte eine Diskussion über die Qualitäten oder Nicht-Qualitäten von Birgit Minichmayr tobt, flattert mir – wie es der Zufall so will – eine CD des Musikers und Komponisten Wolfgang Mitterer ins Haus: "Sopop" (col legno WWE 20901). Schon will ich die CD ganz tief unten in den Stapel der irgendwann einmal zu hörenden CDs hineinstopfen, da fällt mein Blick auf den Schriftzug am unteren Rand des giftgrünen Covers: "feat. Birgit Minichmayr". Oho! Aha! Birgit Minichmayr! Ich lege die CD ganz nach oben auf den Stapel. Kurzes Innehalten: nein, ich lege sie ein.

Radikaler Brechtianismus

15. Mai 2009. Es ist ein Glaubenssatz der wohlsituierten Theaterkritik, dass mit dem Regisseur Volker Lösch ein böser Posaunenengel des Agitprop-Theaters die Bühnen in Stuttgart, Hamburg und Dresden und jetzt auch des Theatertreffens erobert hätte. Was soll das heißen, Agitprop? Agitation? Propaganda? Aber für was und wen? Die Feuilletons der Meinung machenden Gazetten wollen wissen, der Lösch propagiere plumpen Anti-Kapitalismus.

Tarzans Witwe

3. März 2009. Sie war eine Werbe-Ikone und eine Zeit lang eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Fernsehens: die Schauspielerin Johanna König, die auch eine ausgebildete Tänzerin war, seit 1968 aber als burschikose Vollschlanke mit Schiebermütze, weißer Latzhose und rot-weiß karierter Bluse für ein amerikanisches Waschmittel warb, das in den 60er Jahren unter dem Namen Ariel auf den deutschen Markt kam. Mit Hilfe von Johanna König alias Clementine und dem Slogan "Nicht nur sauber, sondern porentief rein" wurde es zum meistverkauften Waschpulver des Landes und von Clementine am Ende des Spots stets mit pfiffigem Blick für den Hauptwaschgang empfohlen.

Kafka war da

10. Mai 2009. Die Realitätsnähe von Andreas Kriegenburgs "Prozess" hatte sich bestätigt, bevor die Vorstellung überhaupt anfing. Fünf Minuten vor Beginn – das Zuschauervolk rückte sich noch zurecht, hier und dort schoben sich Nachzügler an den Knien der bereits Sitzenden vorbei durch die Reihen des Berliner Festspielhauses; ich hatte gerade mein Handy gezückt, um es ordnungsgemäß auszuschalten, und las bei dieser Gelegenheit noch schnell die SMS, die gerade eingegangen war – beugte sich ein Herr von links hinter mir vor und wies mich in strengem Ton an: "Das schalten Sie dann aber aus, ja?"

Das Gedächtnis des Theaters

1. März 2009. Die überlebensgroßen Plüschhasen, die gestern Abend in Karin Henkels Choderlos-Laclos-Heiner-Müller-Christopher-Hampton Variation "Gefährliche Liebschaften" auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlin auf den kommenden Frühling und das Ansteigen des Triebthermometers verwiesen, verweisen darüber hinaus noch auf etwas anderes: dass auch das Theater ein Gedächtnis hat. Denn man muss wissen, dass Karin Henkel, 1970 in Köln geboren, ihr Regiedebüt im zarten Alter von dreiundzwanzig Jahren am Hessischen Staatstheater Wiesbaden gab: mit Coline Serreaus Komödie "Hase Hase".

Buch und Busen

8. Mai 2009. "Stell die Milch auf den Tisch, aber klapp kein Buch zu." Das ist ein toller Satz, und ich habe ihn mir bis heute gemerkt. Ebenso: "Das ist Giuseppe. Er weiß rein gar nichts, weil er nicht in die Schule geht, weil er keine ganze Hose hat." Auch so ein Satz. Ich kann ihn nicht vergessen. Weil ich ihn gelesen habe.

Haar- und Barterlass

18. Februar 2009. Nächstes Jahr, zwanzig zehn, gibt es in Oberammergau in Bayern wieder Passionsfestspiele. Der Ursprung dieser religiösen Theaterei, informiert uns die Presseabteilung der Passionsspieler, gehe auf ein Gelübde aus dem Jahr 1633 zurück, abgelegt, um die damals grassierende Pest heilig zu bannen. Zwanzig zehn wird es das nur alle zehn Jahre unter Beteiligung des ganzen Ortes aufgeführte Passionsspiel zum 41. Male geben.

Geschichten vom totgeschossenen Sohn

2. Mai 2009. In nahezu allen Kritiken von Christoph Schlingensiefs Fluxus-Oratorium Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir wurden die eingespielten Schmalfilmaufnahmen, die Schlingensiefs Vater Hermann-Josef 1966 von seinem Sohn gemacht hat, als Dokumente einer behüteten Kindheit beschrieben. Bilder von Ferien an der Nordsee, der Sechsjährige zwischen Spielkameraden oder mit einem Spielzeuggewehr.

Fat Bird in Shenzhen

13. Februar 2009. China verstehen? Seinen märchenhaften Aufschwung, die Reformen, das Hukou-Wohnsitzmeldesystem? Die Probleme fangen bei der richtigen Aussprache der Namen an. Yang Qian trug es mit Fassung, als er 2005 in Berlin zu Gast war und nicht nur sein Name Probleme bereitete, sondern auch sein Stück Hope irgendwie als missglückte Familienfeier wahrgenommen wurde.