Stahlhelmträger, vortreten!

Berlin, 10. Dezember 2014. Dietmar Wischmeyer, der Oberhumorikus des Berliner Hochkulturadios "nur für Erwachsene" radio eins, wettert in seiner beliebten und belächelten Mittwochs-Rubrik "Wischmeyers Schwarzbuch" heute gegen das Subventionstheater, das ihm als "Zecke im Fell der Kommune" erscheint.

Platz für nichts Neues

Schleswig, 9. Dezember 2014. "Hier sende ich Euch einige aktuelle Fotos vom Abriss
des Theaters in Schleswig. (...) Das zynische Plakat der Abrissfirma komplettiert den Wahnsinn." Dies schickte uns heute Regisseur Patrick Schimanski per E-Mail.

Feierlich an die Außenwand

Berlin, 11. September 2014. Das Zentralkomitee für nachtkritische Schönheit ruft zu einer Aktion auf!

Aktivisten werden das Klingelschild der Wohnung von Philipp Ruch, dem Leiter des Zentrums für politische Schönheit und einem der ersten Opfer von Berlins Innensenator Frank Henkel, bei Nacht und Nebel abschrauben. Danach werden die Aktivisten von einer Fahrradrikscha – die auf die prekäre Situation der Personenbeförderung in Berlin hinweist – mitten durch die Stadt an die Außengrenze des gesunden Menschenverstandes gefahren: zur Klosterstraße 47, wo die Senatsverwaltung des Inneren residiert. Während der Rikscha-Fahrt wird streng auf eine gute Behandlung des Klingelschildes geachtet, um die Menschenwürde Philipp Ruchs nicht mit Füßen zu treten.

Zuerst hieß es, es sei nur eine Panne. Doch was dann herauskam, hat uns wirklich geschockt.

Bayreuth, 26. Juli 2014. Auch wenn niemand zur Eröffnung kommt ("unter ihnen dutzende Prominente wie [...] der Schlagersänger Roberto Blanco", stern.de), schafft man es bei den Bayreuther Festspielen verdammt nochmal in die Schlagzeilen. Und wenn Katharina W. eigenhändig Steinchen ins Getriebe der Hebebühne werfen müsste. Also sollte es verdammt nochmal auch auf nachtkritk.de einen Text geben, der angeklickt wird! Diesmal also: Nach einem "lauten Knall" nach nur 20 Aufführungsminuten wurde die Eröffnung mit Tannhäuser unterbrochen! Erstmals in der Geschichte der Bayreuther Festspiele! Und – nach eigenen Recherchen – weltweit erstmals bei einer Oper, die mit dem Buchstaben T beginnt!

An die Grenzen Europas

von Sophie Diesselhorst und anderen

Ab 7. November 2014. Anfang dieser Woche informierte die Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit über den Verbleib von 14 Kreuzen aus der Maueropfer-Gedenkinstallation "Weiße Kreuze" neben dem Reichstag. Diese hätten die "Flucht aus dem Regierungsviertel vor den Gedenkfeierlichkeiten zu '25 Jahre Mauerfall' ergriffen" und seien "in einem Akt der Solidarität" über die EU-Außengrenzen zu den "zukünftigen Mauertoten" geflüchtet. Die Polizei ermittelt inzwischen wegen schweren Diebstahls.

Kloster-Schocker

23. Juli 2014. Aktuell herrscht Gleichstand bei der Sommer-Umfrage der Aargauer Zeitung (AZ). "Halten Sie das Stück 'Viel Lärm um nichts' an den Klosterfestspielen Wettingen für zu vulgär?", das ist die Frage. Auf die begeisterte Kritik des Abends von Christian Berzins erhielt das Blatt nach eigenen Angaben eine Menge empörter Leserbriefe, die Thorleifur Örn Arnarssons auch von uns und den anderen Rezensenten gemochte Inszenierung unter anderem als "vulgäre Verarschung von Shakespeare-Stoff" schimpften.

Neben Nullen?

6. November 2014.Es gibt diesen unangenehmen Moment, wenn man zum Beispiel am Ende einer Meldung den Lebenslauf einer Theatergröße skizzieren will. Da landet man immer schnell bei Formulierungen wie: "Seine Karriere begann an den Kammerspielen unter Baumbauer." Oder: "Ihre größten Erfolge feierte sie unter Langhoff am Deutschen Theater".

Anleitung zum Shitstorm

22. Mai 2014. Nachwuchsdramaturg Henning Hartmann ist der Antiheld von Soeren Voimas Theaterbetriebssatire "Die römische Octavia", die Nick Hartnagel im Februar in Hannover uraufgeführt hat. Mit einem Hauptdarsteller namens Henning Hartmann (aus dem Ensemble des Schauspiels Hannover). Verwirrend? Es lauert noch eine Meta-Ebene: Um die Inszenierung herum hat die Figur Hartmann sich im Netz eine zusätzliche eigene Bühne gebaut; und in der gestern erschienenen 21. Folge seines Youtube-Videoblogs legt er offen, wie er "im Kampf für bessere Auslastungszahlen" eine Kommentarkampagne auf nachtkritik.de gestartet hat – Methode im Sinne der Qualitätssicherung/-steigerung NICHT zur Nachahmung empfohlen ...

{denvideo https://www.youtube.com/watch?v=6YWB4j545Dg}

(sd)

Es kann ja nicht immer so bleiben

4. November 2014. Heute vor 25 Jahren hat das Theater gezeigt, was es vermag. Es waren Theaterleute, die die große Demonstration am 4. November 1989 am Alexanderplatz vorbereiteten und die Verantwortung für ihren Ablauf übernahmen. Und nicht zuletzt sie waren es, die schließlich bei der großen Kundgebung vor – noch immer unglaublichen – 500.000 Menschen sprachen: die Schauspieler Annekathrin Bürger, Steffie Spira, Ulrich Mühe, Thomas Neumann, Johanna und Ekkehard Schall, der Bühnenbildner Henning Schaller, die Dramatiker Heiner Müller und Christoph Hein. Keiner kann wissen, wie die Geschichte verlaufen wäre, hätte es diese Demonstration nicht gegeben. Wäre fünf Tage später die Mauer gefallen?

... und ein bisschen an der Satzstellung schnipseln

von Wolfgang Behrens

Berlin, 9. Mai 2014. Die Frage, was einem Theatertreffen-Juror während seiner Jury-Tätigkeit wohl am schwersten fällt, ist nicht gerade eine, die einem auf den Nägeln brennt. Manchmal aber treffen einen unerwartet Antworten auf Fragen, die man nie gestellt hat. Der Jurorin Daniele Muscionico jedenfalls, der der Auftrag zufiel, im Magazin des Theatertreffens die Einladung an Frank Castorfs "Reise ans Ende der Nacht"-Inszenierung zu begründen, scheint ebendies außerordentlich schwer gefallen zu sein. Oder vielleicht gerade nicht? Es lohnt sich, etwas genauer hinzuschauen.

revolution burkina faso

von Jan-Christoph Gockel

30. Oktober 2014.

morgens

maschieren die menschen die menschen maschieren zum zentrum schon in der nacht waren sie da mit blasintrumenten und trillerpfeifen zu hunderten zu tausenden strömen sie zum platz der nation maschieren tanzen und an jeder größeren kreuzung stecken sie etwas in brand sie sind keine chaoten alles top organisiert straff könnte man sagen mit klarem ziel

Kurzer Geburtstagsgruß

23. April 2014. Letzte Woche widmete ihm die "Zeit" gleich mehrere Seiten anlässlich des 450. Geburtstags, der auf den heutigen Tag datiert ist.

Ihr dummen Kritiker-Honks!

28. Oktober 2014. Hier zur Abwechslung mal ein paar Kommentare, die wir im Oktober auf nachtkritik.de NICHT veröffentlicht haben. Damit ihr mal wisst, was ihr so verpasst ...

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von Wolfgang Behrens

12. April 2014. "Powered by Eventim" steht unten auf der Seite des Webticket-Shops der Berliner Festspiele. Nach dem einstündigen Versuch, online Tickets für das Berliner Theatertreffen zu erwerben, wünscht man allerdings keinem, powered by Eventim zu sein. Eine schwächlichere Performance als diejenige dieses Vorverkaufssystems kann es, zumindest unter Belastungsbedingungen, nicht geben. "Weakend by Eventim" wäre wohl der ehrlichere Slogan.

In Ulm, um Ulm und um Ulm herum

von Georg Kasch

Berlin, 23. Oktober 2014. Waren Sie schon mal in Ulm? Ich nicht. Im Ulmer Theater also auch noch nicht. Bis gestern. Da hat mich der Livestream zu "Refugium" geführt, einer Stückentwicklung von Michael Sommer. Der langjährige Chefdramaturg, der seit dieser Spielzeit frei arbeitet, hat Interviews mit Ulmer Flüchtlingen geführt. Daraus ist ein Stück entstanden, dessen Gedankenspiel so geht: Was, wenn es eine Firma gäbe, die versuchte, Menschlichkeit und Ökonomie miteinander zu versöhnen? Eine Firma, die Mittelmeer-Flüchtlinge rettet – und damit auch noch Geld verdient?

Virtuelles Mitmach-Theater

von Esther Slevogt

4. April 2014. Die Kommentare auf nachtkritik.de sind eigentlich auch eine Kunstform. Manchmal ist es digitales Stehgreiftheater. Dann wieder hat man es mit hochdramatischen Debatten zu tun. Die Fetzen fliegen. Digitales Blut fließt in Strömen. Diskurstheater kommt auch immer wieder vor. Und Straßentheater sowieso. Die Formate sind also verschieden. Manchmal sind die Postings dokumentarisch, stammen von echten Experten. Andere wiederum setzen sich Nicknames wie Masken auf. Und so wurde hier schon manchmal darüber nachgedacht, ob man aus den Kommentaren nicht mal ein Theaterstück machen sollte. Oder viele Minidramen. Wer aber sollte die körperlosen Stimmen in den Kommentarthreads darstellen? Welche Theaterform wäre geeignet. Das Puppentheater vielleicht?

Vom grünen Hügel ins Gorki Theater

Berlin, 19. Oktober 2014. Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Berliner Maxim Gorki Theater: 39 Minuten dauerte es, bis der erlauchte Podiumsgast des Werkstattgesprächs "Wir Nibelungen" überhaupt zu Wort kam. Vorher erläuterten Chefdramaturg Jens Hillje und Regisseur Sebastian Nübling ausgesprochen ausufernd ihren Zugriff auf Hebbels Rachedrama, die hier am 23.10. Premiere hat. Es hört einem schließlich nicht alle Tage ein Außenminister zu.

Image-Verlust-Ängste in Oldenburg

31. März 2014. "Immobilien GmbH verhindert Theaterprojekt über Kloster Blankenburg vor Ort" meldet das Oldenburgische Staatstheater heute vormittag an die Presse und liefert die Kontaktadresse zu besagtem Immobilienunternehmen gleich mit. Beim ersten Überfliegen der Pressemitteilung erscheint dieser Satz hier kurios: "Möglicherweise befürchtet der Immobilienkonzern einen Imageverlust des Geländes durch das Theaterprojekt und verhindert aus diesem Grund dessen Realisierung."

Staub husten

15. Oktober 2014. Die gefühlte Wahrheit ist: Angesichts der auf Twitter versprühten Begeisterung über den "Tatort" vom vergangenen Sonntag (hier geht's zum Livestream) muss man sich um die Zukunft des Stadttheaters wohl keine Sorgen machen. "Im Schmerz geboren" nämlich wilderte lustvoll bei Kino, klassischer Musik, Bildender Kunst und Theater. Und die Leute twitterten sinngemäß zuhauf: "Muss unbedingt mal wieder ins Theater gehen." Der Gedanke, sich dieser Art Abendunterhaltung hinzugeben, lag in letzter Zeit offenbar fern. Jetzt prophezeite @IrgendwieJuna:

Der ununterdrückbare Geist der Darstellung

27. März 2014. Heute ist Welttheatertag. Er ist eine Erfindung des Internationalen Theaterinstituts (ITI) und wird weltweit mit Bepreisungen, Theaterfesten und anderen Aktionen begangen. Außerdem verleiht das deutsche Zentrum des ITI seit 1985 einen Preis, "mit dem herausragende Persönlichkeiten des Theaterlebens in Deutschland ausgezeichnet werden" – in diesem Jahr geht er an Johan Simons.