Rendezvous mit der Antike

von Michael Wolf

19. Juni 2019. Vier Stunden pro Tag verharrt sie auf einem Sockel, ruht sich aus, diese erschöpfte Königin. Um sie herum antike Statuen, vor Jahrtausenden gestoppte Zeit. Mit langsamen Bewegungen variiert sie ihre Position, sackt in sich zusammen, steht dann doch auf, streckt die Arme aus, tastet in die Leere, zieht die Hände wieder zurück. Nur für mich, den einzigen Besucher des kleinen Archäologischen Museums von Piräus an einem heißen Nachmittag.


"Das Rad ist nicht mehr zurückzudrehen"

Karlheinz Braun im Interview mit Georg Kasch

10. Juni 2019. Karlheinz Braun gehört zu den großen Namen der deutschen Theatergeschichte: Als Leiter des Theaterverlags Suhrkamp betreute er renommierte Dramatiker*innen, gründete 1969 mit anderen zusammen den Verlag der Autoren und war über viele Jahrzehnte einer der beiden Geschäftsführer dieses Verlages, unterbrochen nur durch ein Gastspiel im Dreierdirektorium des Schauspiels Frankfurt. Nun hat er mit "Herzstücke" bei Schöffling ein Buch vorgelegt, das Autobiografie und Autor*innen-Biografie in einem ist, thesenstarker Essayband und behutsame Analyse der sich wandelnden deutschsprachigen Theaterlandschaft. Ein Gespräch über Dramatik gestern und heute, Mitbestimmung und den Blick nach Vorn.

Theater im Vulvenhype

Berlin, 4. Juni 2019. Anne Haug und Melanie Schmidli sind Projekt Schooriil. Seit 2013 suchen die beiden Schauspielerinnen in ihrer Spätabendshow in den Berliner Sophiensaelen mit der Lupe nach Geschlechtergerechtigkeit in Theater und Film – ihr fulminanter Gastauftritt bei der Konferenz zu Geschlechterungerechtigkeit im Theater "Burning Issues" im Rahmen des Theatertreffens ist hier nachzuschauen:

"Es fehlt der Gegenentwurf"

Julia Wissert im Interview mit Esther Slevogt

23. Mai 2019. Anfang Mai wurde bekannt, dass die Regisseurin und Theatermacherin Julia Wissert mit der Spielzeit 2020/21 Nachfolgerin von Dortmunds Schauspielintendanten Kay Voges werden soll. Heute Abend nun hat der Rat der Stadt Dortmund die vierunddreißigjährige gebürtige Freiburgerin offiziell zur Schauspielintendantin bestellt. Julia Wissert, die Theater- und Medienproduktion an der University of Surrey in London und Regie am Salzburger Mozarteum studierte, gehört aktuell auch zum Team der neuen Hannoveraner Schauspielintendantin Sonja Anders, die ihr die Leitung einer Veranstaltungsreihe in der Spielstätte Cumberlandsche Galerie übertrug. In Hannover wird Wissert in der kommenden Spielzeit auch inszenieren.

Die Panels bei Theater & Netz. Vol. 7

7. Mai 2019. Unter der Überschrift Die Innovationsschraube veranstalteten nachtkritik.de und die Heinrich Böll Stiftung am 4. Mai 2018 in Berlin die siebte Ausgabe der Konferenz "Theater und Netz". Es gab parallele Panels und Sessions. Die Diskussionsveranstaltungen sowie die Keynote in Saal 1 wurden live gestreamt und mitgeschnitten und stehen hier zur Nachschau zur Verfügung. Das gesamte Konferenzprogramm finden Sie unter www.theaterundnetz.de.

Weihspiel der Anti-Helden

von Georg Döcker

London, 25. März 2019. Von hohen Erwartungen zu sprechen ist in ihrem Fall noch untertrieben: Schon nach den ersten Ankündigungen vor gut einem Monat war klar, dass Anne Imhofs neue Performance in der Kunstwelt eines der Ereignisse des Jahres werden würde. 2017 gewann Imhof mit ihrer Bespielung des deutschen Pavillons der Kunstbiennale in Venedig "Faust" den Goldenen Löwen; mit "Sex" in der Tate Modern (Premiere war am 22. März) schließt sie nun an "Faust" und an "Angst" (2016) an, setzt ihre gestische Inszenierung revolutionärer Subjektivität fort, allerdings mit verstärkter Neigung zur (Anti-)Helden-Verehrung.

"Von allein ändert sich nichts"

Anna Bergmann im Interview mit Anne Peter

4. Februar 2019. Die Heinrich Böll Stiftung hat soeben den Aufsatzband "Moralische Anstalt 2.0: Über Theater und politische Bildung" veröffentlicht, mit diversen Beiträgen zu politischen Fragestellungen des Gegenwartstheaters. Das aus diesem Band hier veröffentlichte Interview mit der Regisseurin und seit Sommer 2018 Karlsruher Schauspieldirektorin Anna Bergmann greift eines der politischen Schwerpunktthemen der vergangenen Spielzeit auf: die Geschlechtergerechtigkeit an deutschsprachigen Bühnen. Mit ihrem Quotierungsvorschlag für Regie am Badischen Staatstheater Karlsruhe hatte Anna Bergmann eine der großen Diskussionen zu dem Thema angestoßen.