Zwei Köpfe für Zürich

von Andreas Klaeui

Zürich, 21. Juni 2017. Der Verwaltungsrat der Schauspielhaus Zürich AG hat heute Nicolas Stemann (49) und Benjamin von Blomberg (39) als Intendanten für fünf Jahre, beginnend mit der Saison 2019/2020, gewählt. Die Doppelintendanz war von der Findungskommission aus einer Liste von rund 50 Persönlichkeiten ausgewählt worden. Sechs hoch qualifizierte Personen wurden eingeladen, ein Konzept für die Zukunft des Schauspielhauses einzureichen. Drei davon kamen in die engste Auswahl. Die Findungskommission hat Stemann und von Blomberg einstimmig zur Wahl vorgeschlagen.

Unter Druck

von Falk Schreiber

Hamburg, 19. Juni 2017. Muss man sich Sorgen machen um die jungen Leute? Zumindest der Eröffnungsabend beim Schaulaufen der deutschsprachigen Regieschulen, dem Körber Studio Junge Regie in der Hamburger Thalia-Außenstelle Gaußstraße, ist ein konsequenter Runterzieher. Swen Lasse Awe von der Münchner Falckenbergschule inszeniert "Abraum", einen apokalyptischen Text von Wilke Weermann, der in Ludwigsburg studiert und auch als Regisseur am Festival teilnimmt, mit einer effektsicheren, wenn auch ein wenig braven Überschreibung von Ernst Tollers Groteske "Der entfesselte Wotan".

Verlernen lernen / lernen verlernen

von Martin Pesl

Wien, 19. Juni 2017. Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ahnte schon was. Bevor der von ihm bestellte neue Intendant der Festwochen, Tomas Zierhofer-Kin, im Februar das Programm seiner ersten Festivalausgabe präsentierte, eröffnete Mailath-Pokorny seine ankündigende Rede mit dem Spruch: "Das Neue braucht Freunde." Er beschwor damit die Anwesenden, das neue Team bitte unbedingt mit Vorschusslorbeeren zu bedenken. Ein neues Publikum solle erschlossen werden, das alte, so Zierhofer-Kin selbst, werde aber natürlich mit offenen Armen empfangen. Der langjährige Geschäftsführer Wolfgang Wais versicherte, er zum Beispiel fühle sich von dem Programm total angesprochen.

Die Grenzen der Kunstfreiheit testen

Videointerview von Julika Bickel

15. Juni 2017. Oliver Frljić, geboren 1976 in Bosnien-Herzegowina, hat sich mit provozierenden politischen Theaterabenden den Ruf erworben, einer der eigenwilligsten zeitgenössischen Theaterregisseure zu sein.

Bilder, die Bilder produzieren

von Sophie Diesselhorst

Venedig/Berlin, 1. Juni 2017. "The performance is delayed", sagt der Türsteher am Eingang zum deutschen Pavillon, nicht wirklich entschuldigend. Und einige von denen, die schon vor zehn an der Pforte zu den Giardini, dem Nationalpavillon-Vergnügungspark der Biennale von Venedig, mit den Füßen gescharrt hatten, empören sich lautstark. Enttäuscht bin auch ich, nachtkritik.de-Redakteurin – eigentlich privat hier, aber nach den fordernden Kommentaren zu unserer Meldung, dass Anne Imhof mit ihrer "Faust"-Performance im deutschen Pavillon den Goldenen Löwen der Biennale gewonnen hat, auch mit Berichterstattungs-Auftrag.

Gewalt gegen Silikon ist auch keine Lösung

von Dieter Stoll

Erlangen / Fürth / Nürnberg / Schwabach, 27. Mai 2017. Ein Plüschtiger kämpft gegen Zinnsoldaten (niedlich: Ariel Dorons "Plastic Heroes“ aus Israel), ein nackter Mann testet Zwischenmenschliches an lebensgroßer Silikon-Puppe (irritierend: Ulrike Quades "Maniacs“ aus den Niederlanden), eine Tänzerin stürzt durchs schaukelnde Labyrinth von 5000 Leuchtschnüren (perfekt: Aurélien Bory von der Compagnie 111 aus Frankreich mit Kaori Ito), ein Slow-Motion-Performer durchmisst mit Chaosforscher-Blick einstürzende Rohbauten (schrullig: Tim Spooner aus Großbritannien), zwei Schauspieler verschmelzen im nicht nur dramaturgischen Korsett zu Kafkas Akademie-Affen (grandios: Samuel Koch und Robert Lang vom Staatstheater Darmstadt).

Wohin führt die Partizipation?

von Jürgen Reuß

Freiburg, 25. Mai 2017. Die noch kurze Geschichte der Bürgerbühnenfestivals ist die der ständigen Erweiterung ihres Begriffs. Am Taufbecken stand das relativ klar umrissene Dresdner Modell, für das Intendant Wilfried Schulz unter dem Namen "Bürgerbühne" eine eigene Sparte am Staatsschauspiel einrichtete, mit einem kompletten professionellen Team ausstattete und jede Spielzeit eine bestimmte Anzahl von mit Dresdner Bürgerinnen und Bürgern erarbeiteten Inszenierungen fest in den Spielplan integrierte. Konsolidiert durch Spielclubs ist daraus eine ziemlich solide Sache geworden.

Unterkategorien