Open Door

ein Gespräch mit Aino Laberenz, Akinbode Akinbiyi, Rahima Gambo und Taiwo Ojudun Jacob

 2. Juni 2021. Das Operndorf Afrika liegt 30 Kilometer nordöstlich von Ouagadougou, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes Burkina Faso. Es wurde gegründet von Christoph Schlingensief. 2010, im Todesjahr von Schlingensief, wurde der Grundstein gelegt, 2011 wurden die ersten Gebäude eröffnet, und 2015 wurde eine Künstlerresidenz ins Leben gerufen. Ein Gespräch darüber, was aus den Gründungsideen geworden ist, mit einem Fokus auf die Rolle von Kunst und Performance im Rahmen des Operndorfs: mit Aino Laberenz, Geschäftsführerin des Operndorfs, Akinbode Akinbiyi, Kurator des Residenzprogramms, den beiden Residents 2020/21 Rahima Gambo und Taiwo Ojudun Jacob und nachtkritik-Redakteurin Sophie Diesselhorst.

Der Perlensucher

Konrad Kögler im Gespräch

21. Mai 2021. Konrad Kögler ist einer der aktivsten Theaterblogger. Auf rund 180 Aufführungsbesuche kommt er in regulären Jahren. Er bespricht das Gesehene meist direkt nach der Premiere auf seiner Website "Das Kulturblog", die 2015 aus der Tätigkeit beim mittlerweile eingestellten Magazin /e-politik.de/ hervorging. Seit Beginn der Corona-Pandemie verfolgt Kögler die Theaterkunst intensiv online und hat sich hier eine Seherfahrung erarbeitet, wie sie in ihrer Breite sonst nur bei hauptberuflichen Theatergänger*innen vorkommt. Über seine Eindrücke spricht er mit Christian Rakow.

Anstand in schweren Zeiten

von Lutz Hübner

Mai 2020. Der Preis der Deutschen Theaterverlage wird im Normalfall an Theater verliehen, die sich durch interessante Konzepte, mutige Spielplanentscheidungen und engagierte Zusammenarbeit mit Autor*innen und Komponist*innen hervorgetan haben. Was den 'Normalfall' zu einer nostalgischen Erinnerung gemacht hat, ist bekannt und damit auch, was aus all den Konzepten und Plänen der Theater und Opernhäuser geworden ist. Um Brecht zu zitieren: Ja mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht und mach dann noch nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht ... und das hat, was die Kulturszene betrifft, nicht nur mit einem Virus zu tun, sondern auch damit, welchen Stellenwert die Politik der Kultur zumisst, da gehen die Solidaritätsadressen über ein wehmütiges Bedauern oft nicht hinaus, ansonsten sind Kulturverbote ein probates Mittel, Entschlossenheit zu simulieren, wenn man sich nicht traut, den Big Playern der Industrie Vorschriften zu machen.

Die teuflische Lust am Mittelmäßigen

5. Mai 2021. "Schreiben ist wie Kryptowährung, wenn man früh genug eingestiegen ist, geht's einem gut damit. Aber die Zeit des großen Schreibens liegt einfach zurück", sagt Bonn Park. Und doch ist er Theaterautor geworden, der für seine eigenen Regien und Stückentwicklungen zur Feder greift. Und dafür lustvoll populäre Filmgenres ausschlachtet: Krimi, apokalyptische Action, Horror. Über das Schreiben im Horizont von Hollywood, über die Diskriminierung der jüngeren Generationen und über Deutschlands teuflische Lust an der Mittelmäßigkeit spricht Bonn Park mit nachtkritik.de-Redakteur Christian Rakow.

Darkroom des Erzählens

7. April 2021. Das Spiel mit Rollen und Identitäten ist dem Theater immanent. Selbst postdramatische Formate kommen selten ohne Zuschreibungen aus. Wie aber kommt das Koordinatensystem zustande, das Identität und Rolle auf der Theaterbühne konstituiert? Welche Ausschlüsse produziert es? Wie kann es geöffnet, wie Identität ohne Zuschreibung formuliert werden? Im Darkroom des Erzählens sucht die Dramatikerin Sasha Marianna Salzmann nach Antworten.

Mein Kollege GPT

von Björn Lengers und Tina Lorenz

17. März 2021. Im Märchen "Der süße Brei" erzählen die Gebrüder Grimm die Geschichte eines Topfes, der solange Brei kocht, bis man ihn mit einem Zauberwort stoppt. Als es vergessen wird, wird zunächst Küche und Haus, schließlich die Nachbarschaft und am Ende die ganze Stadt unter einer Masse von Brei begraben. "Wer ab da in die Stadt wollte", beschließt das Märchen, "brauchte einen Löffel und musste sich durchfressen."

Gebrauchstexte vom Schreibroboter

Wer einen Text schreibt, denkt man gemeinhin, müsse ein Mensch sein. Er oder sie bringt kostbare Gedanken zu Papier, ist gebunden durch Arbeitszeitgesetze, lässt sich stören von der Hup-Demo vor dem Fenster oder dem Mittagessen. Sitzt mitunter Stunden vor dem weißen Blatt und tut sich schwer, Zeichenangaben einzuhalten oder ein einstündiges Kammerspiel aus einem 2.000-seitigen Roman zu machen. Ein fertiger Text ist also eine knappe Ressource, etwas Handgefertigtes – etwas, das nicht in beliebiger Menge verfügbar ist. Text ist keine maschinelle Massenware.

Wagnis Wirklichkeit

3. März 2021. Das Theater imitiert die Welt außerhalb der Bühne. Insbesondere realistische Verfahren arbeiten an einer möglichst glaubwürdigen Darstellung. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass sie nur wiederholen, wie Realität für gewöhnlich präsentiert wird, und so die Sicht auf das verstellen, was sie eigentlich zur Anschauung bringen wollen. Wolfram Lotz schreibt gegen diese Verfahren an. Für ihn ist Realismus keine Form der Darstellung, sondern meint ein "unbedingtes Interesse für die Wirklichkeit". Lotz' Stücke sind Expeditionen, sind Versuche, dieser Wirklichkeit möglichst nahezukommen. Und sei es dadurch, dass klar wird, wie wenig über sie mit Sicherheit zu sagen ist.


Zur Serie Neue Dramatik in zwölf Positionen:

Die Video-Gesprächsreihe widmet sich Autor*innen, die mit prägenden Arbeiten in der Gegenwartsdramatik in Erscheinung getreten sind. Jenseits ihrer szenischen Realisierungen stehen hier die Theatertexte selbst im Fokus. Exemplarische Schreibweisen werden diskursiv vorgestellt und im literarischen Feld wie auch in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion verortet. Die Serie stellt das aktuelle Schaffen in seiner formalen wie inhaltlichen Bandbreite vor: von Ansätzen des Dokumentarischen über biografisch-realistische Dramatik bis hin zu Strategien der Aneignung von Wissens- und Populärkulturen. Jeden Monat erscheint eine neue Folge. Hier geht's zu Folge 1 mit Rebekka Kricheldorf.

Hier gibt es das Gespräch mit Wolfram Lotz als Podcast:

Eine Kooperation mit dem Literaturforum im Brecht-Haus, gefördert vom Deutschen Literaturfonds.

 
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