Vertrackte Theatralitäten

von Leonardo Flamia

15. Juni 2021. Besonders betroffen von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, waren die Reaktionen des Theaters in Uruguay auf die Einschränkung vielfältig. Einerseits forderten verschiedene Gruppen und Vereinigungen vom Staat eine materielle Entschädigung dafür, nicht arbeiten zu dürfen, was in einer Reihe von Initiativen im öffentlichen Raum resultierte. Andererseits experimentierten viele Theatermacher:innen damit, ihre künstlerische Arbeit an die technischen Möglichkeiten anzupassen. Ein besonders gutes Beispiel war hier die Sala Verdi, ein städtischer Kulturort in Montevideo, der verschiedene Arten künstlerischer Antworten auf die Pandemie förderte und produzierte.

Kunst ist die Mission

von Natasha Tripney

29. Mai 2021. Nach fünf Monaten Live-Streams und digitalem Theater durfte ich letzte Woche endlich wieder einmal Teil eines klassischen Publikums sein – im Bush Theatre in London. Obwohl die Zuschauerzahl stark reduziert war und alle Masken trugen, tat das der Begeisterung der Leute keinen Abbruch, ihrer offensichtlichen Freude, wieder zusammenkommen zu können. Als vor Beginn der Vorstellung die Telefon-bitte-ausschalten-Ansage abgespielt wurde, jubelten die Zuschauer*innen.

Art Is The Mission

by Natasha Tripney

May 29, 2021. Last week, after five months of live streams and digital theatre I got to be part of an audience once more at the Bush Theatre in west London. Though the numbers were greately reduced and everyone was masked, it didn’t dilute people’s excitement, their evident pleasure to be able to gather again. When the recorded pre-show announcement was played, people cheered.

Empowerment aus der Spielkonsole

von Sarah Fartuun Heinze

New York, 7. Mai 2021. "EVERYONE should be a feminist, not just women and girls!" So sagt es Audre Lorde einmal in dieser Inszenierung. Ja, DIE Audre Lorde: black, lesbian, feminist, mother, warrior. Dichterin, Theoretikerin und Aktivistin. Wir begegnen im "Black Feminist Video Game" der New Yorker Theatermacher*innen "The Civilians" einer 8-Bit-Version von ihr.

Furcht verwandeln

von Nora Amin

29. April 2021. In der globalen Geschichte der Performance wird das Jahr 2020 in Erinnerung bleiben als das Jahr der Erkenntnis, dass wir nur überleben, wenn wir uns verändern. Obwohl die Geschichte der Menschheit seit jeher von Veränderung bestimmt ist, war es doch eine neue Einsicht für uns, Transformation im täglichen Leben praktizieren zu müssen. Theatermacher*innen und Tänzer*innen weltweit mussten vermitteln, dass Kunst und Kultur zum menschlichen Immunsystem beitragen und dass es innovative Wege geben muss, an ihnen festzuhalten, um so an der Essenz der Menschlichkeit und Lebhaftigkeit festhalten zu können.

Reversing Fear

by Nora Amin

April 29, 2021. In the global memory of performance, the year 2020 will be remembered as the year when we discovered that to survive, we must transform. Although a clear fact throughout the history of humanity, transformation re-emerged as a new realisation and a new practise that has to be developed on a daily basis. For theatre and dance artists around the world, it was necessary to convey the message that arts and culture contribute to the humane immunity system, that there must be innovative ways of holding on to them so as to hold on to the essence of our humanness and livelihood.

Neues Publikum

von Javier Ibacache

29. März 2021. Als der Ausbruch des Coronavirus Mitte März 2020 zu einer Pandemie erklärt wurde, waren Theater in Chile – wie in den meisten anderen Lateinamerikanischen Ländern auch – dazu gezwungen, zu schließen. Premieren wurden aufgeschoben, Projekte abgesagt und Vorstellungen verlegt – all das mit der Erwartung, in nicht allzu langer Zeit die Arbeit wieder aufnehmen zu können.

A Season On The Screen

By Javier Ibacache 

March 29, 2021. Companies and theaters in Chile have turned to the screen during the Covid-19 pandemic to show online a wide array of artistic works and experiments. The transition was not free of discussion about how to name the new pieces and whether or not they warranted 'theatrical status.' This concern does not seem to bother the audience as it has been exposed to an overwhelming digital flood of performances, talks, forums, debates and workshops.

"Hier wird nicht mehr gespielt, hier wird gekämpft"

von Joseph Hanimann

Paris, 15. März 2021. Mit ihrem Sinn fürs Absurde hätte die von Paris nun auf andere französische Regionen ausgreifende Besetzung von Theatern einen vorzüglichen Stoff für ein Stück von Eugène Ionesco abgeben können. Wenn Schauspieler und Bühnentechniker mit ihrem bloßen Dasein und Herumstehen den Betrieb von Häusern lahmlegen wollen, der aufgrund einer sturen Covid-Politik der Regierung seit über vier Monaten ohnehin praktisch lahmliegt – ist das dann potenzierte Lähmung oder gesteigerter Aktivismus? Von großer Aktion ist auf dem Platz vor dem Pariser Théâtre de l'Odéon in diesen Tagen wenig zu sehen. Die Eingangsgitter sind geschlossen, davor stehen ein paar Schaulustige, dahinter ein paar von den Besetzenden. Will man wissen, worum es ihnen genau geht, muss man sich mit ihnen durch die Gitterstäbe unterhalten wie in einem Gefängnis. Wer hier festsitzt, die Besetzer drinnen oder das von den Sälen ausgeschlossene Publikum draußen, ist die Frage.

In Bewegung bleiben

von Natalia Laube und Mercedes Méndez

8. März 2021. Theater in Buenos Aires ist wie Wasser: es dringt in jede Ecke, es sucht sich neue Wege, kommt stets voran. Man muss die Seele des argentinischen Theaters erfassen, um dieses Phänomen zu erklären. Unzählige Künstler:innen – Professionelle und Amateure – machen Theater, ohne sich von Gedanken aufhalten zu lassen, was dabei am Ende rauskommt, wie oder wo es zu einer Premiere kommt oder wie viele Menschen zusehen werden. Sie wollen einfach etwas erschaffen. Durch das Theater wird eine Gemeinschaft erzeugt, in der Kunst Verbreitung findet. Es ist ein Ventil, um sich auszudrücken – und zwar ohne die Sicherheit, dass das Ergebnis jemals Geld oder Prestige bringen wird.