Zwischen Mahnern und Mullahs

von Claudius Lünstedt

Berlin, 20. Februar 2008. Auf der diesjährigen Berlinale beflügelte der Dokumentarfilm Football Under Cover von David Assmann und Ayat Najafi Publikum und Kritik: eine Kreuzberger Frauenfußballmannschaft hatte es sich in den Kopf gesetzt, nach Teheran zu reisen und dort gegen die iranische Frauennationalmannschaft zu spielen. Nach irrwitzigen Mühen kommt die Begegnung tatsächlich zustande – die Teams trennen sich eins zu eins unentschieden. Assmann und Najafi hatten die iranischen Behörden überrumpelt und viel dafür getan, dass aus diesem geschundenen Land endlich einmal gerechtere Bilder zu sehen sind.

Welches Theater kommt nach den Zwillingen?

von Roman Pawłowski

Warszawa, Februar 2008. Als Mitte des letzten Jahres der junge Regisseur Jan Klata am Teatr Rozmaitości Warszawa mit den Proben zu Stanisław Ignacy Witkiewiczs "Schustern" begann, konnte niemand damit rechnen, dass die seit 2005 amtierende rechtsnationale Regierungskoalition nur noch wenige Monate an der Macht sein würde.

Die Gesellschaft frisst sich selbst

von Dorothea Marcus

Mülheim an der Ruhr, November 2007. Was man so alles zum Foltern braucht: Zangen, Hämmer, Schraubzwingen. Leuchtend hängen sie auf dem Bild vor dem OP-Tisch. "Doktor, bitte in den letzten Raum", tönt eine Lautsprecherstimme. "Ich würde gern erstmal mit der Theorie beginnen", sagt der Folterschüler, als sein Lehrer angekommen ist.

Einübung in die Gegenwart

von Dirk Pilz

Wrocław, Oktober 2007. Zwischen den Zuschauern liegt ein schwitzender Mann. Er hat sich von der Decke heruntergestürzt, während die Mitspieler weiter ihre Satzfetzen in Mikros hecheln, durch den Raum stürmen und jede Szene zum Anlass eines schrillen Anti-Theaters nehmen. Zehn Darsteller, die das diebische Vergnügen an der Auflösung jeglicher Handlungsordnung treibt. Einerseits.

Wo nur Frauen Löwen austricksen

von Dorothea Marcus

Mülheim, 16. September 2007. Wer kennt schon Mali. Ein Land im Herzen der Sahara, einer der ärmsten und ältesten, aber demokratischsten Staaten Afrikas. Und – man ist tatsächlich schon so weit, das automatisch als Widerspruch zu vermuten – zu 90 Prozent islamisch. Eine subventionierte Theaterszene gibt es in Mali nicht. Das Nationaltheater bestehe aus zehn frühverrenteten Schauspielern, sagt Rolf Hemke, Kurator des diesjährigen Festivals "Theaterlandschaft Seidenstraße" im Theater an der Ruhr.