Tells Leute

von Frauke Adrians

15. Oktober 2020. Meine erste Begegnung mit dem "Ost-Theater" hatte ich zu Hause im Ruhrgebiet. Das Ensemble des Staatstheaters Schwerin war auf Gastspielreise, es muss 1990 gewesen sein, und spielte "Wilhelm Tell" im fernen Westen. Wahrscheinlich im Theater Duisburg, so genau weiß ich es nicht mehr. Was ich noch weiß: wie sehr mich dieser "Tell" mitriss. Dass in einem ostinszenierten Schiller die gerade erst über die reale Bühne gegangene Revolution mitspielen musste, das erwarteten wir Wessis im Saal selbstverständlich, unbedingt. Aber diese Inszenierung machte plötzlich nachempfindbar, wieviel Mut, Leidensdruck, Humor, Verschworenheit und Durchhaltevermögen zu einer Revolution gehören.

Kann der Intendant nur DDR?

von Christian Holtzhauer

14. Oktober 2020. Vor einigen Wochen erreichte mich eine Postkarte, die unsere Marketingabteilung zuvor in hoher Auflage an unsere Abonnent*innen verschickt hatte. Wir hatten angesichts der Corona-bedingten Theaterschließung in Windeseile eine Inszenierung von Goethes "Faust" als Live-Hörspiel für ein Autokino in Mannheim erarbeitet und dafür mit einem plakativen grafischen Motiv geworben: einer geballten Faust, die sich aus einem geöffneten Mund herausreckt. Diese Postkarte also kam zurück zu mir, versehen mit einem handschriftlichen Kommentar: "geschmacklos! Kann der Intendant nur DDR? Deshalb haben wir das Schauspiel gekündigt!"

Das ist unerträglich!

von Volker Lösch

9. Oktober 2020. Liebe Nachbar*innen, jeden Tag schaue ich beim Verlassen meines Wohnhauses in Charlottenburg auf die Stolpersteine. Und denke dann an die vielen Jüdinnen und Juden, die Tod und Vernichtung erfahren haben, denunziert und verhaftet von ganz normalen Berlinerinnen und Berlinern – vor gar nicht so langer Zeit, hier bei uns, in Charlottenburg. Mich macht das immer wieder fassungslos und traurig, aber in erster Linie macht es mich wütend. Und meine Wut wird umso größer, wenn ich als Bewohner dieses Kiezes feststelle, dass in meiner unmittelbaren Nachbarschaft derselbe Geist herrscht, der so eine Barbarei wieder möglich machen würde.

Feen wachklatschen und Ängste durchstehen

9. Oktober 2020. Eigentlich beginnt das Problem schon beim Begriff: "Kinder– und Jugendtheater". Was soll das sein? Ein Theater, das Themen behandelt, die nur Kinder und Jugendliche bewegen? Geschichten von Mut, Freundschaft, Zusammenhalt und einer tapferen Heldin, die über das Böse siegt. Niedlich inszeniert und zum Mitsingen? Natürlich nicht. Theater für junges Publikum ist so komplex und herausfordernd wie Theater für Erwachsene. Ob es eine eigene Sparte für Kinder und Jugendliche überhaupt braucht, besprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp im Theaterpodcast #29 mit der Regisseurin Mina Salehpour und dem Kulturjournalisten Patrick Wildermann.