Vergiss den Stalker, Emilia

von Michael Wolf

11. Juli 2017. In unserer Reihe #Kummercast suchen wir investigativ nach Lösungen für die Probleme dramatischer Figuren. In dieser Folge loggten wir uns als Lessings "Emilia Galotti" in ein Forum für junge Christen ein.

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Luftschlösser und Nationaltheater

Berlin, 1./2. Juli 2017. Berlin feiert Abschied – in alten und neuen Gewändern. An der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz gingen vergangene Nacht die Lichter der Ära Castorf aus (und die Flaggen mit dem legendären Räuberrad zapfenstreichmäßig vom Mast). In Reinickendorf eröffneten Vegard Vinge und Ida Müller derweil ihr Nationaltheater Reinickendorf (über dessen Struktur und Werkgehalt man noch nichts verraten darf, denn es war eine Vorpremiere. Die Kritik folgt am 7. Juli). Und Vinge / Müller grüßten kräftig zum Rosa-Luxemburg-Platz hinüber. Am heutigen Sonntagabend endet auch die Intendanz von Claus Peymann am Berliner Ensemble. nachtkritik.de-Autorinnen waren hier und dort und protokollieren eines langen Theatertages Reise in die Abschiedsnacht.

 

Im Zeichen der Netz(werk)moderne

Berlin, 2. Juli 2017. Dieses Wochenende markiert einen Epochen-Umbruch in der Berliner Theaterlandschaft. Am Berliner Ensemble verabschiedet sich Intendant Claus Peymann, an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz endet die 25-jährige Intendanz von Frank Castorf. Ihm folgt mit Chris Dercon ein Museumskurator als Theaterintendant nach, eine Entscheidung, die einen Kulturkampf ausgelöst hat. Am 1. Juli begannen die Berliner Festspiele die 2. Ausgabe ihrer Programmreihe Immersion. Unter anderem eröffnete das Duo Vegard Vinge und Ida Müller ihr Nationaltheater Reinickendorf. Die Reihe "Immersion" will erklärtermaßen ein Augenmerk auf ästhetische und formale Paradigmenwechsel in der Darstellenden Kunst richten. Mit Thomas Oberender, dem Intendanten der Berliner Festspiele, sprachen Wolfgang Behrens und Esther Slevogt über Institutionen und Formate im Umbruch. Das Gespräch fand am 26. Juni 2017 im Haus der Berliner Festspiele statt.

Endlich angekommen

von Nikolaus Merck

30. Juni 2017. Eitel Sonnenschein in Wien, da der zuständige Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien Magister Thomas Drozda den neuen Burgtheaterdirektor Martin Kušej den Medien präsentierte. Er freue sich, "den wichtigsten Regisseur des Landes" für das "wichtigste Theater des Landes" gewonnen zu haben, strahlte der Magister. Und der Künftige in Jeansjacke und krawattenlosem Blauhemd gleichsam sein Desinteresse am austriakischen Hof- und Kleiderordnungszeremoniell nach außen kehrend, revanchierte sich für die Freundlichkeit mit einem Herzensbekenntnis: "Ich kann nicht anders, ich bin halt Österreicher, deshalb ist der Burgtheaterdirektor ein besonderer Job", zudem sei er, anders als früher, diesmal gerufen worden, laut genug, um das beschauliche München für neue Wiener Herausforderungen hinter sich zu lassen.