"Wir sind nicht Dieter Bohlen!"

Köln, 20. November 2008. Der Regisseur Samuel Schwarz hat in einem offenen Brief das Auscheiden der Produktion "Der Bus" seiner Gruppe 400asa aus dem Wettbewerb des Festivals Politik im Freien Theater erklärt. Als Begründung gibt er an, durch den Rückzug von der PR-steigernden Maßnahme der Preisverleihung darauf hinweisen zu wollen, man solle über die Festivalproduktionen inhalts- statt wettbewerbsorientiert diskutieren. Er möchte auf das mediale Ritual einer Preisverleihung verzichten, samt des Jubels und der Hype. Es wird gegen eine Aufteilung der Festivalteilnehmer in Gewinner und Verlierer argumentiert und auf das abschreckende Vorbild trivialer Casting-Formate im Fernsehen verwiesen.

"Von Unfehlbarkeit kann nicht die Rede sein ..."

Köln, 20. November 2008

Sehr geehrter Herr Schwarz, liebe 400asa-Mitglieder,

mit Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass Sie mit der Produktion "Der Bus" nicht am Wettbewerb im Rahmen des 7. Festivals "Politik im Freien Theater" teilnehmen wollen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung und das Goethe-Institut, welche die beiden Preise vergeben, beabsichtigen damit eine Unterstützung von Künstlern und von Theaterproduktionen. Natürlich verbindet sich damit eine Bewertung durch eine unabhängige Jury, von "Unfehlbarkeit", wie Sie schreiben, kann aber nicht die Rede sein. Eine solche Entscheidung ist immer subjektiv. Die Jury kann ihre eigenen künstlerischen Kriterien entwickeln. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat sich dabei bewusst dafür entschieden, keine Kriterien, wie z.B. die beste Umsetzung der politischen Inhalte vorzugeben. Schließlich ist bereits durch die Auswahl der Stücke zum Festival sicher gestellt, dass die Stoffe von gesellschaftlicher und politischer Relevanz sind.

Offener Brief von 400asa

Zürich 19. November 2008.

 

Sehr geehrte Festivalleitung, sehr geehrte Jury, liebe Bundeszentrale für politische Bildung,

400asa schliesst sich der holländischen Gruppe "Hotel Modern" an und möchte sich aus dem Wettbewerb des Festivals ausschliessen. Der Grund dafür ist die Setzung der Preisverleihung. In dem Programmheft steht, dass "die beste" Produktion des Festivals ausgezeichnet wird. Wir meinen, dass sich diese durch das Adjektiv "die beste" vollzogene Kategorisierung für freies politisches Theater nicht eignet. Wir zweifeln keineswegs die Unabhängigkeit und Kompetenz der Jury an, im Gegenteil, wir wissen, dass es sich bei den Mitgliedern der Jury um sehr kompetente Experten handelt. Dies lässt aber die grundsätzliche Setzung nicht verschwinden.

Welche Darstellung braucht die Macht?

von Sandra Nuy

13. November 2008. "Wir wissen eigentlich nicht, was Politik ist, aber wir sehen, dass sie sich ereignet", schrieb einmal der britische Politologe William J.M. MacKenzie. Was wir dabei zu sehen bekommen, wenn Politik sich ereignet, folgt Darstellungsmustern, die sich als Inszenierung beschreiben lassen. Dies ist nun keineswegs ein neues Phänomen, sondern tritt ein, wann immer es eine Öffentlichkeit gibt, die es zu überzeugen gilt.