Ist das Kunst oder echte Gewalt?

von Sarah Heppekausen

Düsseldorf / Mülheim, 17. Juni 2019. Darf man das? Die Frage steht immer wieder im Raum, auf der Bühne und in den Diskussionen, mal vorwurfsvoll, mal selbstkritisch, mal eingeschüchtert, mal wütend. Um diesen Diskurs kommt eine der wichtigsten Plattformen des Freien Theaters, das Impulse Theater Festival, nicht herum. Ein Festival, das unter der Leitung von Haiko Pfost erklärtermaßen nicht nur ein "Best of" der freien Arbeiten im deutschsprachigen Raum ist ("Showcase"), sondern sich auch mit den brennenden Fragen der Zeit an einem bestimmten Ort auseinandersetzt ("Stadtprojekt") und ein Forum für die kritische Reflexion des eigenen Schaffens anbietet ("Akademie").

Erfolgreiche Übergangsregierung

von Martin Thomas Pesl

Wien, 16. Juni 2019. Gut is gangen, nix is gschehn. Das sagen Kommentatoren gerne nach Österreichs Song-Contest-Auftritten oder wenn die Nationalmannschaft unentschieden spielt. Man möchte es freundlich auch Christophe Slagmuylder zurufen, der gerade seine erste Festivalausgabe als Intendant der Wiener Festwochen hinter sich gebracht hat. Respekt erntete der belgische Kulturmanager schon im Februar, als er das Programmbuch präsentierte. Obwohl er netto nur vier Monate Zeit gehabt hatte, es zusammenzustellen, war ihm ein vielfältiges, dichtes und zumindest einmal quantitativ reichhaltiges Programm gelungen. Intensiv die Festwochen zu besuchen, das nahm dieses Jahr wieder richtig Zeit in Anspruch.

Theater unter Druck

von Michael Bartsch

Juni 2019. Die sächsische AfD bereitet sich derzeit mit einem Coaching ihrer Spitzenvertreter auf eine Regierungsübernahme nach den Landtagswahlen vom 1. September vor. Siegesgewiss lädt sie die Presse bereits jetzt zur Diskussion ihres Hundert-Tage-Sofortprogramms ein. Beflügelt haben sie offenbar die Europawahlergebnisse, bei denen sie in Sachsen und Brandenburg stärkste Kraft wurde. Noch aber ist es nicht soweit. Welche Kultur- und Medienpolitik und welche Debattenkultur uns im Falle einer Machtergreifung oder auch nur Machtbeteiligung der AfD erwarten, ist aber bereits jetzt absehbar. Ein Kulturkampf wie in Polen oder Ungarn deutet sich nicht nur an, er hat bereits begonnen.

"Die Praxis ist die Message"

von Christian Rakow

Berlin, 12. Juni 2019. "Als der Wind ihnen die Brillen vom Gesicht fegte, wurde es vielerorten unscharf." Es gibt nicht viele Menschen, die solche Sätze schreiben können. So voller Witz und Schärfe und Rätsel. Jakob van Hoddis konnte es: "Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut." René Pollesch kann es auch. Egal ob in seinen inzwischen irgendwas bei einhundert Theaterstücken oder wie in diesem Falle auf Twitter, wo Pollesch, anders als viele andere Theaterschaffende, eigentlich nie seine Kunst fallen lässt zugunsten von Meinungsbildung, zugunsten von Selbstvermarktung. Pollesch ist Künstler durch und durch, einer, der Texte freistellt, der in seinen Ent-Äußerungen blitzartig aufscheint und verschwindet, einer der wenigen von Rang in der Welt des zeitgenössischen Theaters. Seit heute ist er nun auch offiziell designierter Intendant der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz von 2021 bis 2026.