Das Herz des Spiels

von Georg Kasch und Christian Rakow

Berlin, 30. Mai 2017. Große Fußstapfen locken ihn, scheint’s. Der Gang ins Berliner Ensemble ist der Eintritt in eine mächtige Traditionslinie: von Ernst Josef Aufricht, Bertolt Brecht, Helene Weigel, Ruth Berghaus und Heiner Müller. Sie alle nennt Oliver Reese auf seiner Antrittspressekonferenz, die heute Vormittag im Rangfoyer des Berliner Ensembles über die Bühne ging. Vorgänger Claus Peymann ward aus dieser Linie geflissentlich ausgespart. Manchmal ist auch ein Verschweigen ein Seitenhieb. Und durchaus verständlich als zarte Retourkutsche für die harten Kanten, die Peymann gegen seinen Nachfolger zu Zeiten ausgeteilt hatte (wegen der Nichtverlängerungen des Peymann-Ensembles, wegen der Nähe zum "Phänotyp" Tim Renner, man erinnert sich...).

(K)ein Ende des Nomadentums

von Astrid Kaminski und Elena Philipp

Berlin, 29. Mai 2017. Tanz: der einen Frust, der anderen Lust? Oder: Liegt da gerade ein Theater im Sterben und ersteht als Tanzhaus wieder auf? Chris Dercon, ein tanzzugewandter Intendant, zwei Haus-Choreograph*innen (Mette Ingvartsen, Boris Charmatz), neun von 16 Spielzeit-Produktionen mit Tanzhintergrund: Wie reagiert die Tanzszene eigentlich auf das neue Programm der Volksbühne Berlin? Gleich mal vorweg: Orchestrierter Jubel sieht anders aus.

Gewalt gegen Silikon ist auch keine Lösung

von Dieter Stoll

Erlangen / Fürth / Nürnberg / Schwabach, 27. Mai 2017. Ein Plüschtiger kämpft gegen Zinnsoldaten (niedlich: Ariel Dorons "Plastic Heroes“ aus Israel), ein nackter Mann testet Zwischenmenschliches an lebensgroßer Silikon-Puppe (irritierend: Ulrike Quades "Maniacs“ aus den Niederlanden), eine Tänzerin stürzt durchs schaukelnde Labyrinth von 5000 Leuchtschnüren (perfekt: Aurélien Bory von der Compagnie 111 aus Frankreich mit Kaori Ito), ein Slow-Motion-Performer durchmisst mit Chaosforscher-Blick einstürzende Rohbauten (schrullig: Tim Spooner aus Großbritannien), zwei Schauspieler verschmelzen im nicht nur dramaturgischen Korsett zu Kafkas Akademie-Affen (grandios: Samuel Koch und Robert Lang vom Staatstheater Darmstadt).

Wohin führt die Partizipation?

von Jürgen Reuß

Freiburg, 25. Mai 2017. Die noch kurze Geschichte der Bürgerbühnenfestivals ist die der ständigen Erweiterung ihres Begriffs. Am Taufbecken stand das relativ klar umrissene Dresdner Modell, für das Intendant Wilfried Schulz unter dem Namen "Bürgerbühne" eine eigene Sparte am Staatsschauspiel einrichtete, mit einem kompletten professionellen Team ausstattete und jede Spielzeit eine bestimmte Anzahl von mit Dresdner Bürgerinnen und Bürgern erarbeiteten Inszenierungen fest in den Spielplan integrierte. Konsolidiert durch Spielclubs ist daraus eine ziemlich solide Sache geworden.