Nachtkritik ohne Sofa

von Robin Detje

Berlin, 4. Mai 2007. Münchner Kammerspiele, mittlere Großpremiere. In der Pause drückt der Jungkritiker den Mund an den Hörer des an die Wand geschraubten Münzfernsprechers und versucht, ganz in der Wand zu verschwinden, damit kein Kollege ihm die ungeheuerliche Story ablauschen kann, die er schwitzend der Textaufnahme diktiert: "Blablabla, blablabla, blablabla, zur Pause verhaltener Applaus."

Tatsächlich geschieht das Wunder, und am nächsten Morgen stehen die drei Sätze Wort für Wort auf Seite Eins der großen und berühmten Tageszeitung. Kurz darauf befindet die Redaktion, das Theater habe seinen Nachrichtenwert verloren, und die Nachtkritik wird abgeschafft.

Chaos hinter den Kulissen

von Dirk Pilz

Thessaloniki/Griechenland, 29. April 2007. Gut vierhundert Theatermacher, Bühnenfunktionäre und Journalisten sind in den Süden gereist. Zum elften Mal wurde letztes Wochenende dort der "Europa-Preis für das Theater" und zum neunten Mal der "Preis für Neue Theaterwirklichkeiten" verliehen.

Zähne zeigen

Eine Zeitungs-Umschau von Nikolaus Merck

30. März 2007. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung diskutiert Claus Peymann mit Gabriele von Lutzau, im Oktober 1977 Stewardess auf der Lufthansa-Maschine "Landshut", die von palästinensischen Terroristen entführt wurde.

Warum beschäftigt sich die Kunst mehr mit den Tätern als den Opfern fragt die ehemalige Stewardess. Und Peymann antwortet: die Faszination an den Tätern ist einfach größer, tja, "es liegt in der menschlichen Psyche", aber, stimmt ja, es wäre ganz wichtig die Geschichte der Opfer aufzugreifen, aber es wäre ja doch wohl sehr langweilig.

Der diskrete Charme des Populismus

von Esther Slevogt

Berlin, im Mai 2006. Früher befriedigte schon ein Bausparvertrag unser Sicherheitsbedürfnis. Heute sind komplexere Systeme gefragt: Denn die Welt ist unübersichtlich geworden, seit der Kommunismus zerbrach und auch der Kapitalismus nicht mehr der Alte ist. Das Maxim-Gorki-Theater befasst sich schon seit längerem mit einer ganz besonderen Form der Lebensversicherung: dem Glauben nämlich. Erst gab es Bibel pur. Dann war der Kommunismus dran. Teil drei beinhaltet Versuche über den Fundamentalismus. Zu diesem Zweck hat Theater bei dem Dramatiker Lutz Hübner ein Stück in Auftrag gegeben, welches das Zentrum der Veranstaltungsreihe bilden soll, die im Untertitel "Die schöne und einfache Welt" heißt.