Der Hochkulturpromi

von Tomo Mirko Pavlovic

8. August 2007. Es gibt Augenblicke im Leben, in denen man sich unsicher fühlt. In der Bank, wenn einen der grinsende Hosenanzug Anfang Zwanzig fragt, ob man noch nicht angesichts des fortgeschrittenen Alters und der aktuellen Rentendiskussion an die Erstellung eines persönlichen Liquiditätsplans für die Restzeit gedacht habe. Bei einer Fahrzeugkontrolle auf dem Balkan, wenn man bemerkt, dass der sich nähernde Polizist Turnschuhe trägt.

Das Unheimliche als Heimat

von Martin Kagel

Athens/Georgia, 28. Juli 2007. Als sich George Tabori 1970 entschied, in Deutschland zu leben und zu arbeiten, hatte er eigentlich schon ein ganzes Leben hinter sich. 56 Jahre war er alt, hatte, 1914 in Ungarn geboren, in Deutschland, im Nahen Osten, in England und den U.S.A. gelebt, sich als Lehrling im Hotelfach, als Korrespondent, im Dienst des Britischen Geheimdienstes, als Schriftsteller, Drehbuchautor, Übersetzer und Regisseur verdingt.

Die Notlicht-Affäre

von Bernd Noack

Salzburg, 27. Juli 2007. "Eine Gesellschaft, die zwei Minuten Finsternis nicht verträgt, kommt ohne mein Schauspiel aus." Dieses Verdikt im Telegramm-Stil markierte vor genau 35 Jahren den Höhepunkt einer grotesken Auseinandersetzung zwischen dem Dichter Thomas Bernhard und den Salzburger Festspielen. In die Chronik der aus dem Ufer laufenden Theater-Ereignisse ist die Geschichte eingegangen als der "Notlicht-Skandal".

Der Bronchialneurotiker

von Tomo Mirko Pavlovic

26. Juli 2007. Es gibt Dinge im Leben, die existieren und niemand weiß, warum. Schnaken. Das Fernsehen. Durchschnittlich sechs Kassen im Supermarkt, von denen höchstens zwei besetzt sind. Oder der Call-Shop nebenan, wo kein Mensch jemals telefoniert, nicht einmal der Besitzer selbst, ein mürrischer Äthiopier, der nie zurückgrüßt und trotzdem einen Mercedes fährt. All das gibt es und man sollte niemals nach ihrem Sinn fragen.