nachtkritik-Theatertreffen 2017: Das Ergebnis

2. Februar 2017. Sie haben gewählt und wir gehen auf Reisen! 50 herausragende Inszenierungen des vergangenen Jahres, nominiert mit je einer Stimme von den nachtkritik-Autor*innen, standen zur Wahl. Eine Woche lang waren die Wahlurnen für die nachtkritik-Leser*innen zu Abstimmung geöffnet. Bis zu zehn Stimmen konnte jeder Teilnehmende abgeben.

Die zehn Inszenierungen mit den meisten Stimmen bilden zusammen das 10. virtuelle nachtkritik-Theatertreffen 2017 und werden hiermit bejubelt und gepriesen.

Das Haus, an dem die Inszenierung mit den meisten Votes herausgekommen ist, besuchen wir in den kommenden Wochen, um ein öffentliches nachtkritik-Gespräch zu führen. Nachdem die Reise im letzten Jahr nach Osnabrück ging, fahren wir diesmal ins Prinzregenttheater nach Bochum.

Wir gratulieren, bedanken uns bei allen, die mitgemacht haben, und setzen uns mit dem Haus im Ruhrgebiet in Verbindung, um die Realisierbarkeit des Gesprächs zu prüfen.

Beharrungskräfte und institutioneller Wandel

von Dieter Haselbach

24. Januar 2017. Wie anfangen? Den Sektor Theater und Musik lassen sich die öffentlichen Hände in Deutschland 3,5 Mrd. Euro pro Jahr kosten. Das sind knapp 35 Prozent der öffentlichen Kulturausgaben oder 43 Euro pro EinwohnerIn und Jahr.

Arbeit und Struktur

von Stephanie Gräve und Jonas Zipf

Themen: Krisen des Intendantensystems in Trier und Bern | Künstler-Charisma vs. Unternehmensführung | Gegenbewegungen von unten: das Ensemble-Netzwerk et al. | Erfolgreiche Spartenautonomie in Mannheim und DortmundEin zeitgemäßes Alternativmodell: das Direktorium

18. Januar 2017. Zu Jahresbeginn geistert wieder ein Gespenst namens Performer durch die Theaterdebatten auf nachtkritik.de und anderswo, es scheint sich um eine Art Dementor zu handeln, der der Schauspielkunst das Leben aussaugt. Dabei kann doch das Theater beides vereinen, Performance und psychologisches Spiel, und tut es längst. Interessant allerdings ist, dass die Debatte häufig an Personen festgemacht wird: Da wird das Castorf-Theater gegen das Dercon-Theater in Stellung gebracht, da steht Kuratorengott Lilienthal gegen die Phalanx der intendierenden Regiegötter, und hie und da wird die Konfliktlinie der Spielstile kurzerhand gleichgesetzt mit den Konfliktlinien einer Strukturdiskussion, mit der Frage: Alleinherrscher oder Team? Eine Verkürzung, denn warum sollte ausgemacht sein, dass ein Kurator weniger Despot ist als ein Regisseur? Solange die Struktur Machtmissbrauch ermöglicht, kann es zu Machtmissbrauch kommen. Dringlich ist deshalb die Strukturfrage, und auch sie wird gestellt, befeuert durch Konflikte und Verwerfungen von Rostock über Trier bis Bern. Es geht zentral um die Rolle des Intendanten, und womöglich sind genau hier die beiden Debatten miteinander verknüpft: als unterschiedliche Ausprägungen desselben Unbehagens an den Machtstrukturen. Eines wachsenden Unbehagens angesichts der Übermachtposition eines Einzelnen, mit allen möglichen Konsequenzen von Angst und Abhängigkeit.

Quantensprung des Übersetzens

von Henning Bochert

9. Januar 2017. Theaterstücke für ein mehrheitlich deutschsprachiges Publikum werden nicht mehr notwendig auf Deutsch geschrieben. Erfahrene Autor*innen aus anderen Sprachräumen kommen zu uns, im Gepäck ihre Lebensgeschichten, und leben in Deutschland. Zwei Beispiele bereits arrivierter Autoren: Der Syrer Mohammad Al-Attar, dessen Stück Während ich wartete als Produktion des Kunstenfestivaldesarts in Brüssel nach Avignon eingeladen wurde, lebt jetzt in Berlin. Er produziert unter schwierigsten Bedingungen mit seiner syrischen Theatergruppe, deren Mitglieder in der Türkei, in Damaskus, in Ägypten leben. Peca Stefan, einer der bekanntesten rumänischen Theaterautoren, lebt ebenfalls in Neukölln. Er spricht kein Deutsch, schreibt aber für und produziert mit Gruppen unter anderem am Ballhaus Ost.