Aus dem Weihnachtsmärchen

ab 1. Dezember 2017. nachtkritik.de öffnet den Adventskalender 2017. Wir haben Theater in Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz gefragt: Was ist Ihr schönstes Kostüm in Ihrem diesjährigen Weihnachtsmärchen? Et voilà.

Komm mit mir ins Naziland

von Cornelia Fiedler

30. November 2017. Eine nationale "Deutscharmee" führt Krieg gegen Linke und Asylbewerber*innen in Oberhausen; in Essen haben Nazis den jugendlich frischen Fernsehsender "1West" übernommen; und in Bochum "tanzt" ein rechtsradikaler Bürgermeister frei nach DAF "die Alice Weidel": Rechte Kräfte entern die Bühnen. Es ist das Jahr, in dem erstmals seit 1945 eine rechte Partei in den Bundestag einzieht, und das als drittstärkste Kraft. Es ist das Jahr, in dem es nicht mehr reicht, auf der gefühlt richtigen Seite zu stehen und seine Angst angesichts des erstarkenden Rechtspopulismus zur Schau zu stellen, weder im Privaten noch in der Kunst.

Blut oder Ketchup

von Thomas Rothschild

29. November 2017. Wenn nicht alles täuscht, ist der Begriff des "Theatermuseums" zu einem der despektierlichsten unserer Zeit geworden, egal ob auf einzelne Inszenierungen gemünzt oder auf ganze Theaterhäuser (wie etwa auf das Berliner Ensemble unter Claus Peymann). Kaum ein Vorwurf trifft das Theater härter als der des Musealen. Die in ihm enthaltene negative Wertung scheint unwiderlegbar. Aber ist sie es tatsächlich? Bedarf es keiner zusätzlichen Differenzierungen?

Der Substanzwechsel unserer Theatersysteme

von Thomas Oberender

Berlin, 23. November 2017.

I. Das dichotomische Schema von exklusiven und kooperativen Produzenten

Freies Theater ist eine Spielart des Ensemble-Theaters, das aus verschiedenen Gründen andere Arbeitsbedingungen sucht und oft auch andere Werkformen schafft, als sie in den aufs Repertoire hin arbeitenden Strukturen möglich sind. Das macht die Hochleistungsbetriebe der Repertoire-Theater nicht per se altmodisch, langweilig oder überflüssig, sie sind ein kostbares Weltkulturerbe, das für viele Künstler*innen beispielhaft gute und komplexe Arbeitsbedingungen bereithält, aber genauso, wie dieses System seine Vorzüge hat, trifft es auch auf große Herausforderungen, auf die andere Akteure und Strukturen zum Teil besser reagieren können.