Im Minenfeld

von Falk Schreiber

Hamburg, Dezember 2018. Künstler können nicht mit Geld umgehen. Und Wirtschaftsmenschen haben keine Ahnung von Kunst. Was natürlich ein Klischee ist, das bei Licht betrachtet sofort Gegenbeispiele provoziert. Andererseits fällt immer wieder auf, wie kaufmännische und künstlerische Leitung an Theatern einander nicht grün sind. Bis hin zu öffentlichen Zerwürfnissen, die im Extremfall die Existenz des jeweiligen Theaterbetriebs gefährden können.

Abschied von der Komfortzone Haustarif

von Michael Bartsch

Dresden, 10. Dezember 2018. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist immer für Überraschungen gut, womit er sich aber in der eigenen CDU nicht nur Freunde schafft. Zum Auftakt des Sächsischen Theatertreffens im Mai begrüßte er die Akteure von Staatsschauspiel Dresden, fünf Kulturraumtheatern und zwei Großstadtbühnen nicht nur formelhaft. Er forderte zugleich eine "ordentliche Bezahlung der Kulturschaffenden" und sprang damit an die Spitze einer Bewegung, die seit rund zwei Jahrzehnten zur Rückkehr in den Flächentarif bei Theatern und Orchestern drängt. Die "Haustariffalle" ist nicht allein ein sächsisches Problem, hat aber hier zu Einkommensverzichten von teilweise mehr als 30 Prozent geführt. Nur so ließ sich das Überleben von Kultureinrichtungen ohne weiteren Stellenabbau und Spartenschließungen sichern.

Die Jäger jagen?

von Sophie Diesselhorst und Esther Slevogt

5. Dezember 2018. Von der AfD lernen heißt siegen lernen? Vor ein paar Wochen ging zuerst in Hamburg ein Denunziationsportal online, eine sogenannte Beschwerdeplattform, auf der Eltern und Schüler Lehrer*innen melden können, die ihre Anbefohlenen "ideologisch einseitig beeinflussen", wie es die Initiator*innen von der AfD, der Partei Alternative für Deutschland, beschönigend ausdrücken. Auf diesem Portal können Lehrer*innen öffentlich an den Pranger gestellt werden, die ihre Schüler*innen beispielsweise darüber aufklären, dass die AfD eine rechtsextreme Partei ist, in deren Reihen sich auch bekennende Nazis befinden. "Neutrale Schule" heißt die Unternehmung, die die demokratische Neutralitätspflicht des staatlichen Bildungswesens im Munde führt, um ab sofort jene einzuschüchtern, die die Demokratie vor ihren Feinden warnen möchten. Die Freischaltung der Plattform blieb nicht ohne Protest. Aber richtig laut wurde es in der Sache nicht. Lehrer*innen, einst Säulen der bürgerlichen Gesellschaft, haben keine Lobby, und werden ohnehin gerne von überehrgeizigen Helikoptereltern als Zielscheibe ihres Zornes benutzt.

Der Wunschtext

ab dem 1. Dezember 2018. nachtkritik.de öffnet den Adventskalender. Wir haben Schauspieler*innen gefragt: Welchen Satz würden Sie 2019 gern auf einer Bühne sprechen? Und warum gerade diesen? Die Antworten sollten in ein kurzes Video passen. Et voilà!