Diese 7 Katzen gehören auf die Bühne

von Michael Wolf

13. März 2017. Tiere sind auf dem Vormarsch in der Theaterlandschaft. Von vertraglich verankerten Probenzeiten unbetroffen, bieten vor allem Hunde klammen Theatern immer öfter willkommenen Ersatz für menschliche Schauspieler. Warum aber streunt nicht viel häufiger der natürliche Hausfeind des Hundes über die Bühnen – die Katze? Einzig in Musical-Tempeln darf sie ihr Können beweisen. Der Zugang zu den Fleischtöpfen öffentlich geförderter Häuser bleibt ihr bislang verwehrt. Dabei bietet die Katze, im Gegensatz zum der Dressur zugeneigten Hund, das Moment der Unberechenbarkeit. Sie ist, wie die Theaterwissenschaft sagen würde, ein "Ereignis". Bello bleibt dramatisch, während Felix längst in Performance macht. Als Wappentier des World Wide Web versöhnt die Katze zudem die Bühnenkünste mit neuesten Medien und – das sei nicht vergessen – macht stets eine knuffige Figur. Wir fordern mehr #catcontent und haben schon mal die Kritiken geschrieben.

Reservate der Unabhängigkeit

von Alexander Kerlin

Dortmund, 1. März 2017. Dieser Essay ist lang geworden. Das war nicht geplant. Ich konnte nicht aufhören. Oder sagen wir so: Es hörte nicht auf, mich anzugehen. Ich nehme das als Indiz: Wir werden es länger mit diesen Angriffen zu tun haben. Länger, als wir annahmen, und länger, als uns lieb sein wird.

I.

Ausgangspunkt zu meinen Überlegungen war ein Kurzaufenthalt in Belarus (= Weißrussland) im vergangenen Herbst. Ob ich nicht einen kleinen Reisebericht veröffentlichen dürfte? Nachtkritik so: "Gern. Wie wäre es, dem Ganzen einen thematischen Spin Richtung Kunstfreiheit zu geben?" Damit war die Büchse der Pandora geöffnet, und ich habe sie nicht wieder geschlossen bekommen. Die folgenden Beobachtungen führen von den USA über Ungarn, Polen und Israel in die Türkei, verharren lange in Belarus – und versuchen immer wieder Rückschlüsse auf die Situation in Deutschland zu ziehen. Es sind unsystematische Stippvisiten in ultrarechte und autokratische Kulturdiskurse und -politiken, auf der Suche nach Berührungspunkten zwischen Donald Trump, der PiS-Regierung in Polen, Viktór Orbán (Ungarn), Aljaksandr Lukaschenka (Belarus) und der AfD.

Berlin, 24. Februar 2017

 

Liebes Team der Gessnerallee, liebe Veranstalter*innen des anstehenden Podiums "Die neue Avantgarde" am 17.03.2017.

Sie haben sich entschieden, den AfD-Politiker Marc Jongen als Podiumsgast zu Ihrer Veranstaltung "Die neue Avantgarde" einzuladen. Dessen Denken charakterisieren Sie in Ihrem Ankündigungstext (seiner Selbstbezeichnung folgend) als "avantgard-konservativ" (sic.). Sowohl in Kunst als auch in Politik stand der ursprünglich militärische Begriff 'Avantgarde' Anfang des 20. Jahrhunderts für einen radikalen Bruch mit der Tradition und einen Fortschrittsgedanken, der sich vor allem in Versuchen äußerte, eine kommunistische Utopie zu entwerfen. Warum sich auch die Rechte immer wieder bemüht, sich diesen Begriff zu eigen zu machen, wird für die Konstellation des Podiums nicht thematisiert, ja mehr noch: Man überlässt ihr den Begriff. Dies wirkt, unkommentiert, für politisch Unbedarfte gefährlich anziehend, radical chic.

Die Einheit in der Vielheit

von Marcel Klett

23. Februar 2017. Die Diskussion über die Leitungsform der institutionalisierten Theater hat in den vergangenen Monaten an Intensität zugenommen – und immer wieder entzündet sich die Diskussion an Vorfällen, die zu beweisen scheinen, dass das traditionelle Leitungsmodell fehleranfällig ist. Wenn man nun feststellt, dass die Zahl der Einschläge zunimmt, und wenn gleichzeitig (endlich!) die Arbeitsbedingungen der künstlerisch Beschäftigten an den Theatern in Frage gestellt werden, muss darüber gesprochen werden, ob und wie die Art, Theater zu leiten, reformiert werden sollte.