Konfrontation ist fehl am Platz

Hasko Weber im Interview mit Simone Kaempf

5. Februar 2020. Im Herbst 2019 erschien die Studie des Organisationstheoretikers Thomas Schmidt "Macht und Struktur im Theater", die im deutschsprachigen Theaterbetrieb massiven Machtmissbrauch ausmacht und als Konsequenz grundlegende Struktur-Reformen fordert. Die Studie hat die Theaterszene in Befürworter und Kritiker gespalten. Viele Intendant*innen fühlten sich angegriffen, auch wenn sich die wenigsten öffentlich dazu äußerten. Der Bühnenverein, der von Thomas Schmidt in der Studie kritisiert wird, gab bisher keine Stellungnahme ab. Hasko Weber, Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar und Co-Vorsitzender der Intendant*innengruppe des Bühnenvereins, bezieht im Interview mit Simone Kaempf nun Position.

Mahnbeispiel der Sonderklasse

Stefan Weiss im Interview mit Nikolaus Merck

30. Januar 2020. Fünf Tage hat er gedauert, vorbereitet wurde er sechs Jahre lang: der Gerichtsprozess um Veruntreuung, Untreue und Bilanzfälschung am Wiener Burgtheater. Ermittlungen gab es zu diesen Vorwürfen, die auf ein System finanzieller Misswirtschaft hindeuten, gegen Matthias Hartmann, bis 2014 Intendant der Burg, und Georg Springer, ebenfalls bis 2014 Chef der Burgtheater-Holding. Angeklagt wurde letztlich nur Silvia Stantejsky, die 2013 entlassene Geschäftsführerin und Vizedirektorin. Vorgestern erging in der Sache nun der Richterspruch: Zwei Jahre bedingt für Silvia Stantejsky. Verfolgt hat den Prozess Stefan Weiss, Kulturredakteur beim Wiener Standard. Nikolaus Merck bat ihn um eine Einschätzung.

Im Zeichen der Quote

Interview von Elena Philipp

Berlin, 29. Januar 2020. Kaum war sie verkündet, die Auswahl der zehn Einladungen zum Theatertreffen 2020, trafen wir die beiden Jury-Mitglieder Shirin Sojitrawalla und Franz Wille im Haus der Berliner Festspiele zum Interview. Sojitrawalla und Wille sprechen über ein Jahr Theatertreffen-Sichtung im Zeichen der Frauenquote, über politische Theaterkunst und einen Schub Körperlichkeit in der Auswahl. Und natürlich über die immerwährende Suche nach Neuem. 

 

 

Mehr zum Thema: Die Einladungen zum Berliner Theatertreffen 2020.

 

Die Ära der Frauen

von Georg Kasch

23. Januar 2020. "Er ist allein", raunt es immer wieder, als sei das schon eine Erklärung für alles. Er, das ist Hamlet, ein schmächtiger Jüngling. Oder doch eine junge Frau? Das wird nie thematisiert in Johan Simons' Bochumer Hamlet-Inszenierung. Es ist einem auch sehr schnell sehr egal, weil Hamlet von Sandra Hüller gespielt wird, so hinreißend durchsichtig und verschlossen zugleich, dass einem dieses strahlende Rätsel vollkommen reicht. Zumal sie so allein gar nicht ist: Auch die Totengräber sind weiblich besetzt.