Alles Leben hinterlässt Spuren

von Sophie Diesselhorst

11. Juni 2014. Neulich im Deutschen Theater Berlin bei Idomeneus nach Roland Schimmelpfennig, der letzten Inszenierung, die Jürgen Gosch vor seinem Tod im Juni 2009 zur Premiere bringen konnte. Fünf Jahre zählt sie, ein biblisches Alter für eine Theaterproduktion. Irgendwann wird sie abgesetzt werden. Ganz voll war es im März 2014 schon nicht mehr.

Alles ist verflochten

von Friederike Felbeck

22. April 2014. Die Pfade, auf denen Kultur von einem Ort an den anderen getragen wird, sind immer auch Handelswege: Die historische Seidenstrasse, die langjährige kulturelle Überprägung der Kolonien, aber auch aktuelle Sonderfonds und Kulturprogramme wie zuletzt "Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung" nehmen die Kultur gerne Huckepack und dienen zu allererst der ökonomischen Verzahnung. Das derzeit viel diskutierte, zwischen der Europäischen Union und den USA verhandelte Transatlantische Freihandelsabkommen (TIPP) und die damit verbundene geplante Errichtung der weltweit größten Freihandelszone droht nicht nur Chlorhühnchen und Genmais den Weg nach Europa zu ebnen, sondern auch Kollateralschaden in der Deutungshoheit von Kultur und audiovisuellen Medien anzurichten.

Unsern Shakespeare gib uns heute

von Rainer Nolden

19. April 2014. Ein literarisches Weltengenie. Nein, eine Nummer kleiner geht es wirklich nicht. Er hat sie alle in den Schatten geschrieben, seine Vorgänger, die Zeitgenossen sowieso. Und die Nachfolgenden hatten es schwer, aus eben diesem Schatten zu treten und selbst zu leuchten. Ein Leuchtturm, der bis in die unmittelbare Gegenwart hineinreicht – und alles, was nach ihm kam, vor große Herausforderungen gestellt hat. "Nach Shakespeare hätte keiner mehr ein Theaterstück schreiben müssen", seufzte einst Tennessee Williams.

Geerdet, handfest, klar

von Georg Kasch

9. April 2014. Sie war nie ein Star, und doch gehört sie zu den festen Säulen der (ost-)deutschen Theaterszene: Ursula Werner war die Mascha in Thomas Langhoffs legendärer "Drei Schwestern"-Inszenierung von 1979 am Berliner Maxim-Gorki-Theater, die Uraufführungs-Charlie in "Die neuen Leiden des jungen W." in Halle, und Rudi Strahl schrieb ihr die Eva der Erfolgskomödie "In Sachen Adam und Eva" auf den Leib.

Das Erzählen stockt

von Sophie Diesselhorst

24. März 2014. Das Titelbild: Man guckt von oben auf einen Koala-Bären, der um den ihn bezeichnenden Titel herum in blassgrün ertrinkt. Oder ist er schon längst tot und in Formaldehyd konserviert?

Demokratiemangel vorrechnen

von Dirk Pilz

20. März 2014. Die Moskauer Prozesse von Milo Rau bleiben ein ungemein cleveres, streitbares Kunststück. Theater, das zu einer Form von politischer Installationskunst findet, mit der die Bühne keine moralische, sondern eine im besten Sinne intellektuelle Anstalt wird, weil sie die Teilnehmer wie die Zuschauer als Selbstdenker ernst nimmt, nicht zu bloßen Botschaftsempfängern erniedrigt, nicht zu Schulbankhockern macht.

Was sich nicht ereignet

von Kai Bremer

18. März 2014. Auch wenn das Nachdenken über Ereignisse nicht neu ist – man denke nur an Heidegger –, so gibt es doch seit einigen Jahren einen regelrechten Boom der Forschungen, die sich Ereignissen und Ereignishaftem widmen – zu nennen sind beispielsweise Hans Ulrich Gumbrechts Überlegungen zur Präsenz und Dieter Merschs Arbeiten. Anna Häuslers Buch, das dem Untertitel nach "Ereignis-Lektüren" bieten möchte, ist allein schon deswegen bemerkenswert, weil es sich zu all diesen Überlegungen entweder gar nicht (die genannten Herren haben nicht einmal den Weg ins Literaturverzeichnis gefunden) oder nur sehr knapp verhält. Das ist – vorsichtig formuliert – selbstbewusst.

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