Königinnen in Oklahoma

von Georg Kasch

6. März 2014. Es ist die Landschaft, die verblüfft. Wenn man schon einige Versionen von Tracy Letts' Stück "August: Osage County" auf der Bühne gesehen hat, fällt diese Weite besonders auf, die sich im Osage County in Oklahoma öffnet: endlose Horizonte, garniert mit Hügel, Vieh und Strohballen, darüber ein Himmel, der alle Farben kennt. Ziemlich winzig wirkt da der Mensch, und einmal, zu Beginn, sagt Barbara sinngemäß: Für dieses elende Land haben wir all die Indianer abgemurkst?

Wir haben ein Problem

von Dirk Pilz

Berlin, 19. Februar 2014. Das Ende der großen Erzählungen ist längst vorbei. Noch immer gilt zwar den meisten als ausgemacht, dass nicht länger gegeben ist, was lange den Menschen Heimat und Geborgenheit verschaffte, sie aber auch einengte und ängstigte, wenn nicht entmündigte, nämlich eine verbindende, Gemeinsamkeit stiftende, die Unterschiede und Individualitäten überwölbende Welt-, Fremd- und Selbstwahrnehmungssicht. Mit den Göttern starb auch die Gemeinschaft der Seelen. Wir haben keine gemeinsame Großerzählung mehr, wir sind Verwickelte in einem Netz von Einzelgeschichten.

Von wegen Boulevard

von Shirin Sojitrawalla

Februar 2014. In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zwang Yasmina Reza mit ihrem umwerfenden Stück "Kunst" auch hierzulande niveauvolle Lacher auf ihre Seite. 1994 wurde das Stück uraufgeführt und trat dann seinen Siegeszug um die Welt an. Es folgten weitere Erfolgsstücke, die es immer bestens verstanden, den Ernst des Lebens und der Liebe einer gelungenen Pointe wegen zu verspielen, ohne sich der Gefahr auszusetzen, bloß unterhalten zu wollen.

Es ist so laut hier

von Eva Biringer

Januar 2014. René Pollesch, der Unermüdliche, schreibt und inszeniert gefühlt vierzig Stücke pro Jahr, bespielt mit hohem Output einen Twitter-Account und wird von klugen Menschen in wichtigen Redaktionen um Gegenwartsdiagnosen gebeten. Und was wären die theaterwissenschaftlichen Seminare dieses Landes ohne ihn? Das Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaften ist zu einem Synonym für Bühnenavantgarde geworden und Pollesch als ehemaliger Student zur Gallionsfigur des vielzitierten postdramatischen Theaters.

Gerüche, Geschichten, Gegenstände

von Dirk Pilz

Januar 2014. Seit 450 Jahren auf der Welt, und noch immer ist des Erstaunens kein Ende. Shakespeare. Geboren am 26. April 1564 in Stratford-upon-Avon, gestorben 52 Jahre später an selbigem Ort. Schauspieler, Theaterbesitzer, Dichter. Verfasser von 38 Dramen, 154 Sonetten und einigen Versepen. Viel gelesen, sehr viel gespielt, noch sehr viel mehr beforscht. Wer sämtliche Shakespeare-Texte gelesen und wenigstens die wichtigste Forschungsliteratur studiert hat (was ist die wichtigste?), also meint, Bescheid zu wissen, kann jetzt gern wegklicken. Allen anderen sei dieses Buch auf den Tisch empfohlen.

Traurigerweise schwer zu finden

von Dirk Pilz

November 2013. Noch eine Biographie über Büchner? Für die meisten steht doch längst fest, mit wem man es bei Büchner zu tun hat. Im Theater ist er heute in stupider Selbstverständlichkeit sowieso fast immer der Sozialrevolutionäre, der Vorzeigelinke, mit dem sich prima die Verhältnisse wahlweise bejammern oder anklagen lassen.

Wirths Welt

von André Mumot

5. November 2013. ATW. Seine Initialen und die des von ihm ins Leben gerufenen Studienganges sind dieselben. 1982 war es, als Andrzej Tadeusz Wirth in Gießen das Institut für Angewandte Theaterwissenschaften gründete. Aus jener Institution, die FAZ-Wutbürger Gerhard Stadelmaier dann später sehr zu Unrecht als "Unglücksschmiede des deutschen Theaters" bezeichnete, gingen bekanntlich Künstler wie Moritz Rinke, René Pollesch, Rimini Protokoll hervor – allesamt wissenschaftlich sozialisiert mit den Vorstellungen des postdramatischen Theaters, mit Begriffen wie Praxeologie und dem stereometrischen Denken.

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