Medienschau: MDR – Rechtsdruck auf "Weiße Rose"-Stück in Sachsen

Klima des Wegduckens

Klima des Wegduckens

27. Juni 2024. Über rechten Protest und Eingriffe in eine Sophie-Scholl-Inszenierung im sächsischen Stollberg berichtet der MDR.

Oberstufenschüler*innen hätten die Inszenierung "Weiße Rose" von Falko Köpp am Jugendtheater Burattino im erzgebirgischen Stollberg bei der AfD-Kreisrätin angezeigt, wegen angeblicher "linksradikaler Indoktrination", berichtet Michael Bartsch im MDR.

Um weiterem Ärger vorzubeugen haben die Leiterin des Kultur-Eigenbetriebes in die Inszenierung eingegriffen: "So durfte die AfD nicht mehr namentlich genannt werden. Bei einer Büroszene im Stück wechselte ursprünglich das Hitler-Bild im Hintergrund mit Fotos heutiger Faschisten und Diktatoren, die auch so genannt werden dürfen: Björn Höcke, Wladimir Putin oder Xi Jinping zum Beispiel. Nun ist an dieser Stelle acht Minuten lang unkommentiert Adolf Hitler zu sehen", heißt es in dem Bericht. Die Kulturbetriebsleiterin bestreitet Eingriffe in die Kunstfreiheit, heißt es weiter.

Der Bericht schließt mit den Worten: Theatermann Falko Köpp fühle "sich alarmiert vom schleichenden vorauseilenden Gehorsam gegenüber immer dominanteren rechten Kreisen. 'Es braucht die AfD gar nicht mehr, weil das Klima des Wegduckens schon von Konservativen kommt.' Das sei schockierend, betont er, weil es bei der 'Weißen Rose' genau darum gehe."

(mdr.de / chr)

Update vom 6. Juli 2024.

Laut Bericht des MDR wenden sich der kulturelle Bildungsbetrieb des Erzgebirgskreises und die Leitung des Stollberger Theaters Burattino in einem eigenen Statement gegen die erhobenen Zensur-Vorwürfe. Von einem "Eingriff in die Kunstfreiheit" könne im Falle der Proben zu "Weiße Rose" keine Rede sein. "Es seien Fotos von Politikern aus der Inszenierung entfernt wurden. Aber dies sei geschehen, "um diese nicht mit Adolf Hitler gleichzusetzen". Konkret habe es sich um Bilder von Wladimir Putin, Donald Trump und Alice Weidel gehandelt. "Die Maßnahmen seien zur Wahrung der Neutralitätspflicht sowie zum Schutz von Persönlichkeitsrechten Dritter zwingend erforderlich gewesen", steht in der im MDR zitierten Erklärung. 

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