Medienschau: Welt – Jakob Hayner kritisiert das Stück-Überschreiben

Die Korrektur des Kanons

29. Juni 2024. In der Welt blickt Jakob Hayner auf die Saison zurück und kritisiert die mittlerweile gängige Praxis, Klassiker politisch korrekt zu "überschreiben".

"Die Zeichen der Zeit stehen offensichtlich auf politische Korrektur des Kanons", kritsiert Jakob Hayner in der "Welt" (29.6.2024) und schreibt: "Peter Zadek sagte einmal, er wollte dem Publikum nicht Nachhilfeunterricht in Gemeinschaftskunde geben. Genau das sieht man allerdings heute im Theater oft als den ureigensten Aufgabenbereich." Das Über- oder Umschreiben gelte derzeit als Nonplusultra einer kritischen Kulturpraxis. Die gehypten Diskurse lassen sich beliebig kombinieren.

Aber: "Welchen Nutzen hat eigentlich das Publikum von der politischen Korrektur des Kanons? Wird tatsächlich die Selbstermächtigung befördert, indem man sie in Kunstwerke der Vergangenheit einschreibt". Die Zuschauer werden durch die kosmetische Klassikerkorrektur nicht er-, sondern entmächtigt, so Hayner und zitiert auch den bei uns auf nachtkritik erschienenen Essay von Christine Wahl

(welt.de / sik)

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