meldung

Nach Hundekot-Skandal: Marco Goecke wird Ballettchef in Basel

Marco Goecke © Christian Knörr

22. Mai 2024. Marco Goecke wird ab Sommer 2025 neuer Künstlerischer Leiter und Haus-Choreograph des Balletts am Theater Basel. Wie das Theater mitteilt, folgt er auf Adolphe Binder, die das Ballett 2023 für zwei Jahre übernommen hatte und das Haus im Sommer 2025 planmässig verlässt. Goecke wurde bis 2029 verpflichtet.

Goecke gilt in der globalen Ballett-Szene als ein Ausnahmekünstler, der einen sehr eigenen Tanzstil erschaffen hat. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter dem Prix Dom Pérignon (2003), dem Nijinski Preis (2006), dem Niederländischen Tanzpreis Zwaan (2017) und dem Deutschen Tanzpreis (2022). Über die Tanzwelt hinaus bekannt wurde er allerdings, weil er – damals als Ballettchef in Hannover – 2023 eine bekannte Tanzkritikerin körperlich angriff und mit Hundekot beschmierte. Daraufhin trennte sich das Haus von seinem Ballettdirektoren. Die Tat löste nicht nur eine Debatte über das Verhältnis von Kunst und Kritik aus, sondern führte auch zu künstlerischen Auseinandersetzungen wie die zum Berliner Theatertreffen 2024 eingeladene Produktion "Die Hundekot-Attacke" am Theaterhaus Jena.

"Die Verpflichtung von Marco Goecke ist ein Glücksgriff für das Theater Basel, die Stadt, die Region und die Schweiz insgesamt", zitiert die Pressemitteilung des Theater Basel Intendant Benedikt von Peter. Auch Marco Goecke kommt in der Mitteilung zu Wort: "Ich bin dankbar, dass mir von vielen Menschen so viel Vertrauen entgegengebracht wird. Ich freue mich auf die Zukunft und ein neues Zuhause mit dem Ballett Basel. Ich bin berührt, dass viele Leute mir folgen wollen und ich so vielen Menschen folgen darf."

(Theater Basel / geka)

 

Medienschau

Esther Slevogt beleuchtet die Berufung in ihrer Kolumne auf nachtkritik.de.

Johannes Franzen macht in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (29.5.2024) in der Rehabilitierung Goeckes ein problematisches Genieverständnis aus. Er empfiehlt, die im Gewaltakt gegen die Kritikerin manifestierte "Verzichtsbereitschaft" des Künstlers gegenüber der Kritik ernst zu nehmen: "Künstler wie Goecke, die sich der Kritik gewalttätig verweigern, haben auch das Recht verwirkt, kritisiert zu werden."

mehr meldungen

Kommentare  
Goecke nach Basel: Super Mario
Levelupgrade für Super Marco! Glückwunsch

(Werter Luigi, danke für den Hinweis, wir haben Mario in Marco korrigiert. MfG, Georg Kasch / Redaktion)
Goecke nach Basel: Überschrift
Eine kuriose Überschrift. Wäre diese denkbar gewesen: "Nach Gottbegnadeten-Liste: Gustaf Gründgens wird Generalintendant in Düsseldorf"? Oder gilt ein Hundekot-Skandal heute als empörender als die Protektion von Joseph Goebbels?
Goecke nach Basel: Disqualifiziert
Ich find's peinlich. Er braucht ja kein Berufsverbot als Choreograph, aber für eine Leitungsposition hat er sich aus meiner Sicht disqualifiziert.

(Verstehe auch nicht, was #2 uns mit seinem unpassenden Nazi-Vergleich sagen will.)
Goecke nach Basel: Entsetzlicher Gedanke
an #3 Varketz: Was für ein absurder, entsetzlicher Gedanke: "Berufsverbot" für einen Künstler? Wer bitte würde so etwas aussprechen, wie würde das durchgesetzt? Und dann im nächsten Satz über unpassende Nazi-Vergleiche herziehen, wow.
Goecke nach Basel: Skandal verleiht einem Flügel
... und schon wieder steigt hier ein Mann nach dem Abebben des Shitstorms ( trotz oder wegen seines Fehlverhaltens und des von ihm verursachten Skandals?) die Karriereleiter nach oben statt nach unten. (...)
Goecke nach Basel: Nichts mit Skandal zu tun
Vielleicht muss man ein bisschen erklären. Die Meldung hätte doch wohl normalerweise immer geheißen: "Marco Goecke wird Ballettchef in Basel". Das ist der Informationswert. Hier wird in der Überschrift vorgeschaltet: "Nach Hundekot-Skandal:" Das suggeriert einen Zusammenhang. Oder ist Clickbaiting. Wie auch immer. Ich denke, dass Marco Goecke nicht AUFGRUND des Hundekot-Skandals Ballettchef im Basel wird. Sondern weil er ein guter Choreograf ist. Goecke hat einen schweren Fehler gemacht, als er die Hundekot-Attacke beging. Dass er nun wieder im Geschäft ist, ist zu begrüßen, denn der eine Fehler sollte nicht eine ganze Karriere zerstören. Es war ein Fehler, aber sein Talent ist von diesem Fehler unabhängig. Die Meldung ist: "Marco Goecke wird Balletchef in Basel." Der Hundkot-Skandal hat damit ncihts zu tun.
Goecke nach Basel: Realer Zusammenhang
Es wird kein Zusammenhang suggeriert, verehrte Vorrednerin, es gibt ihn. Daß jemand nach einer derartigen Entgleisung noch mal eine Chance erhält, hat Nachrichtenwert.
Goecke nach Basel: Zweierlei Maß
Wenn es wirklich egal ist, was für Schandtaten begangen werden und das Künstlergenue weiterhin ignorant gepusht wird, dann sollten wir wirklich überlegen, was uns moralisch noch etwas wert ist.
Dann hätte auch der Prozess gegen Trump nichts mit seiner sobstigen politischen Person zu tun. Stimmen sie dem zu? Ok. Ach nein? Warum steht dann Goecke über dieser Wertung? es wird -wie so oft- von Menschen wie #6 mit zweierlei Maß gemessen und das ist schändlich. Und die Hundekot Attacke ist mit 'Fehler' verharmlosend Formuliert. Oder wir sind einfach ehrlich zu uns und sagen : Vielleicht ist auch diese Diskussion ein 'Fehler' oder die Handhabe ein 'Fehler'. Vielleicht ist die Duskussion auf Nachtkritik ein 'Fehler'. Man schmiere mir den ersten Kackbollen aufs Auge
Goecke nach Basel: Umgang mit Untergebenen
Wie geht Herr Goecke mit Untergebenen um, wenn er so mit Unbekannten umgeht?
Goecke nach Basel: Menschenbild
Es bleibt fest zu halten. Das nk-Forum weiß abschließend und gesichert, was ein "unverzeihlicher" Fehler ist und wie Führungskräfte auszuwählen sind. Da kann sich jede HR-Abteilung noch so Einiges an Expertise abholen. Es ist wirklich zum Christwerden. Darf sich jemand entschuldigen, darf jemand Fehler eingestehen (vielleicht sogar professionell begleitet an Ihnen arbeiten, wer weiß???) oder nicht? Sollen Menschen dazu ermutigt werden sich infrage zu stellen und zu wachsen oder ist das Menschenbild der reinen, strahlenden Held*innen wirklich das realistischere und besser.
Goecke nach Basel: Bibelzitat
Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. (Röm 2,1) 
Goecke nach Basel: Diskrepanz
@Guttenberg: Goecke wird tatsächlich von Tänzern und seinen Kollegen sehr geliebt - zu sehen an den Reaktionen z.B. auf Instagram auf die Ernennung (900 Likes beim Theater Basel). Praktisch die gesamte Tanzwelt gratuliert ihm. Tänzer reißen sich darum, mit ihm zu arbeiten, der Vorgang des Choreografierens ist aufregend und lustig. Er bringt die Tänzer künstlerisch weiter, es geht um neue Bewegungs- und Ausdrucksformen. Man könnte auch sagen: Seine Arbeit und sein Stil sind epochal wichtig im modernen Tanz, er ist einfach so gut, dass die Tanzwelt seine Werke unbedingt auf der Bühne sehen will. (...) Glaubt es oder glaubt es nicht, ich versuche die große Diskrepanz zwischen den Reaktionen aus dem Genre Tanz und denen aus allen anderen Genres zu erklären. Der Mann ist einfach ein einziges Mal ausgerastet, weil er ausgebrannt und kaputt war.
Goecke nach Basel: Disqualifikation
Ich finde es erschreckend, wie ein physisches Angreifen derart runtergeredet und noch verteidigt wird. Vor allem ist das ganze LETZTES Jahr passiert.
Konsequenzen gibt’s so richtig keine, eher noch nen goodie obendrauf.
„Der Mann ist einfach ein einziges Mal ausgerastet, weil er ausgebrannt und kaputt war“ - und genau das disqualifiziert ihn völlig für eine Leitungsposition. Glaubt man denn das die neue Position entspannend und immer ruhig ist.
Nach erfolgreichem Anti-Agressionsttaining, was für mich nach solch einem Vorfall unumgänglich wäre, finde ich kann er gerne als choreograph arbeiten, wenn er seine Kolleg*innen respektvoll behandelt.
Aber immer diese Verherrlichung, dass er so toll und gut ist dass das Tanztheater ihn braucht finde ich fatal. Egal wie gut und talentiert jemand ist, wenn er aus gekränktem Ego eine Frau oder einen Mann körperlich angreift und dann noch in dieser entwürdigenden Form ist das für mich eine Disqualifikation für jede Leitungsposition.
Goecke nach Basel: Entsetzen
Ich lese nicht, dass der Angriff, die Entgleisung hier heruntergespielt werden soll - im Gegenteil. Die Attacke wird klar verurteilt, als “schwerer Fehler” (#6) bezeichnet. Aber ein Vergleich mit Trump (#8) ist dann aber doch arg übersteigert und unpassend. Es wird auch nicht mit zweierlei Maß gemessen, wenn man der Ansicht ist, auch Menschen in Leitungspositionen sollten nach einem Fehler eine zweite Chance bekommen. Die sachliche Beschreibung qualitativ guter Arbeit in #12 als “Verherrlichung” (#13) zu bezeichnen ist ebenso diskreditierend.

Mein Eindruck ist hier eher der einer großen Missgunst im Nachtkritik-Forum. Wie viel schöner ist es doch zu sehen, wenn jemand am Boden liegt und von dort nicht mehr hochkommen kann. So lesen sich zumindest für mich die sehr emotionalen Stellungnahmen der Entsetzten.
Goecke nach Basel: Resozialisierung
Einerseits genießen alle das unfassbar tolle Privileg, in einem Rechtsstaat zu leben, andererseits haben dann einige eine erstaunliche Lust und Selbstermächtigung, selbst zu urteilen und ewige Strafen zu verhängen.
Der Sinn und das Ziel der Strafe ist in unserem Rechtsstaat Wandlung und Resozialisierung. Es ist nicht Rache. Deshalb straft der Staat. Marco Goecke hat etwas getan, wofür er eine Geldstrafe bekommen hat. Jetzt bekommt er eine zweite Chance. Ich finde rätselhaft, was man daran falsch finden kann.
Goecke nach Basel: Geniekult
Es hat nichts mit Missgunst zu tun, dass ich der Meinung bin, dass es bestimmt einige Personen mit gleichen Fähigkeiten gibt, die niemanden angegriffen haben und daher eine Leitungsposition eher verdient hätten. Das ist eher ein Gerechtigkeitsgedanke.

Das Problem ist hier auch wieder das Märchen vom ‚Genie‘, das ‚enfant terrible‘…
Und ich verhänge damit auch keine lebenslange Strafe, dazu habe ich gar nicht die Möglichkeit und auch kein Interesse daran, sondern schlussfolgere aus der Tat aus letztem Jahr, dass Herr Goecke scheinbar nicht qualifiziert ist in einer Position zu arbeiten, wo Druck, Stress, Auslastung und auch Kritiken zum ständigen Arbeitsalltag gehören.
Goecke nach Basel: Urteil
„… schlussfolgere aus der Tat aus letztem Jahr, dass Herr Goecke scheinbar nicht qualifiziert ist in einer Position zu arbeiten, wo Druck, Stress, Auslastung und auch Kritiken zum ständigen Arbeitsalltag gehören.“

Uff. Urteilen Sie eigentlich ebenso hart und final über sich selbst wie über andere?

__________________________________
(Anm. Redaktion: Liebe Kommentator*innen, bitte sehen Sie uns nach, dass wir jetzt, da vieles, womöglich nicht alles, aber doch sehr vieles zu dem Fall gesagt ist, keine weiteren Kommentare an dieser Stelle veröffentlichen. Die Positionen sind hinreichend beschrieben. Mit freundlichen Grüßen, Christian Rakow / Redaktion)
Kommentar schreiben