Psychogramm im Anekdoten-Netz

von Wolfgang Behrens

2. Oktober 2013. War Leander Haußmann eigentlich weg? Dass er nach einer allgemein als wenig geglückt empfundenen "Sturm"-Inszenierung am Berliner Ensemble 2003 den Theater-Bettel hinwarf (gelegentliche Rückfälle nicht ausgeschlossen), das wussten wir ja. Doch auch um den Filmregisseur Haußmann wurde es ziemlich still, so dass man schon ins Grübeln kam, ob man nicht in bester Boulevardmanier Sonnenallee und Herr Lehmann hinter seinen Namen setzen müsse, um den Leuten einen Begriff zu geben, wer dieser Herr Haußmann denn sei.

Worte gegen Forellen

von Martin Pesl

September 2013. "Ah, ein Theaterspieler", sagt der ältere Herr zu seinem Neffen, den er gerade erst kennen gelernt hat und in dessen Leben er eintreten möchte. Walter, der noch nie im Theater war, geschweige denn im deutschen – arbeitete er doch als Zirkusartist in Italien –, trifft ausgerechnet auf die Vollblutrampensau, den Figurenpsychologieverweigerer und Textedekonstrukteur Philipp Hochmair. Theaterkenner wissen, wer das ist: Der gebürtige Wiener prägte in Nicolas Stemanns Burg-Jahren dessen Jelinek-Inszenierungen und wechselte 2009 ans Thalia Theater Hamburg.

Als die Nachtkritik erfunden wurde

von Esther Slevogt

Berlin, 18. September 2013. In Europa sortiert sich die politische Ordnung neu. Neue Medien stellen die Struktur der Öffentlichkeit auf den Kopf und sorgen in der Phase ihrer Implementierung für ein allgemeines Krisengefühl, das einem gefühlten Kontrollverlust über die Diskurshoheit geschuldet ist. Denn plötzlich ergreifen neue Stimmen das Wort, die zuvor am öffentlichen Gespräch nicht beteiligt waren. Und verändern es nachhaltig.

Einseitig aufrüttelnd

von André Mumot

18. September 2013. Es ist nun nicht weiter erstaunlich, dass jemand, der viel mit dem Theater zu tun hat, ein Buch schreibt, in dem es darum geht, wie nutzlos das Gegenwartstheater ist, und dass man doch bitte wieder den Realismus auf die Bühne bringen sollte. Schon ungewöhnlicher ist aber, dies gleich mit einem gesellschaftskritischen Rundumschlag zu verbinden und das dramatische Darstellungsversagen mit einem Versagen des spätkapitalistischen Subjekts schlechthin gleichzustellen.

Muss Theater sein?

von Tobias Prüwer

18. September 2013. Ein Aufsatzband über die freien darstellenden Künste in Deutschland? Die Autorinnen und Autoren – nicht alle entstammen der Off-Szene – kommen dabei naturgemäß nicht ohne Kritik der Förderstrukturen, der Maßnahmen und Anmaßungen der Kulturpolitik aus. Aber der Widerstreit zwischen Stadt- und freiem Theater hier steht nicht im Mittelpunkt. Vielmehr durchzieht die Beiträge als Erkenntnisinteresse die Frage nach der heutigen Stellung von Theater überhaupt, seinem Vermögen in theaterfernen Zeiten sowie das Verhältnis von Theater und städtischer Gesellschaft und deren Repräsentationsbedürfnis.

Das Theater! Und die Liebe!

von Katrin Ullmann

17. September 2013. "Auch wenn man mit seinen Einfällen nicht einverstanden war, darüber schreiben musste man" – Augustus Baum, ein bedeutender, "mit Prominenz gepanzerter" Theaterregisseur, befindet sich nach einem Schlaganfall im Krankenhaus. Herausgerissen aus den Proben zu Tschechows "Möwe" versucht er zunächst vom Krankenbett aus weiterzuarbeiten. Als seine Assistentin Lydia scheitert, die Schauspieler sich Beleidigungen und Feuerzeuge an Kopf und Hals werfen, inszeniert er das ihn umgebende Personal zu einer Geschichte. Es ist eine Geschichte über die Liebe und ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen: ewig, unverbrüchlich, augenblicklich, innig.

So schlecht wie möglich

von Eva Biringer

17. September 2013. Uwe Eric Laufenberg, geboren 1960 in Köln, ist als Regisseur und Schauspieler seit vielen Jahren eine feste Größe im Theater- und Opernbetrieb. Von der Spielzeit 2009/2010 an bis August vergangenen Jahres war er Intendant der Kölner Oper. Nach jahrelangen Unstimmigkeiten zwischen ihm, dem Haus und der Stadt, wurde ihm nach einem umstrittenen Zeitungsinterview fristlos gekündigt.

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