Donnerstag, 10. Juli 2014

logo stiftung-niedersachsen

Anzeige

    

@nachtkritik

test


die nachtkritik

conversion2 280 florianmerdes u"Conversion_1" in Heidelberg © Florian Merdes

Heidelberg, 10. Juli 2014

Save my beer

Von 1945 bis 2013 waren in Heidelberg US-Soldaten stationiert. Vor einem Jahr haben sie die Stadt schließlich verlassen. Grund genug für das Theater Heidelberg und die freie costa compagnie, dieser gemeinsamen Zeit von Amerikanern und Deutschen in dem Dokuabend Conversion_1 noch einmal nachzugehen. Wie fruchtbar die in der Turnhalle eines ehemaligen US-Hospitals präsentierte Auseinandersetzung war, sagt Thomas Rothschild.

Während in Brasilien die deutsche Elf alle Rekorde brach, saßen auf roten Kirchenbänken vor den Toren Zürichs brav Männer und Frauen getrennt und sahen Viel Lärm um nichts von William Shakespeare. Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson folgte mit dieser Geschlechtertrennung einem alten Kirchengesetz des Kantons Aargau. Dort befindet sich das Kloster Wettingen, in dessen Hof nun im Sommer Theater gespielt wird. Elisabeth Maier berichtet.

Wie das? Angeblich ist der patagonische Stamm der Tzoolkman schon 2003 ausgestorben. Die chilenische Theatermacherein Manuela Infante bringt jedoch noch zwei seiner Mitglieder auf die Bühne. Tzoolkman? Weder Brockhaus noch Wikipedia wissen etwas darüber. Gestern war der wissenschaftskritisch und postkolonial gedachte Abend Zoo beim Festival Foreign Affairs zu sehen. Den Thomas Rothschild schon bei Theater der Welt in Mannheim sah.

Mehr Nachtkritiken

 

Anzeige
contentbanner schwaebischhall hamlet

 

leipziger thesen

tschechowliesstmoewe1899 280 uErforschung von Theaterpraxis weist Wege in
die Gesellschaftstheorie: Anton Tschechow 1899
bei einer Leseprobe im Moskauer Künstlertheater.
Leipzig, 9. Juli 2014

Grenzen überschreiten

Der Leipziger Theaterwissenschaft droht im 20. Jahr ihres Bestehens die Schließung. Aber sie stemmt sich mit allen Kräften dagegen. In einer Ringvorlesung mit dem Titel Aus Tradition Grenzen überschreiten werden Aufgabenfelder der Theaterwissenschaft frisch in den Blick genommen. nachtkritik.de veröffentlicht die Thesen zu den Vorträgen. Heute umreißt Günther Heeg das Forschungsgebiet Transkulturelles Theater. Und Patrick Primavesi plädiert für eine Erweiterung des Horizonts theaterwissenschaftlicher Forschung.

Mehr Leipziger Thesen...

 

kritikenrundschau

Großer Jubel der Schweizer Kritiker über den Shakespeare-Spaß des isländischen Regisseurs. Wir hatten auch nur winzige Einwände.

Ein kapitaler Theaterspaß, so die meisten Kritiken. Wir sahen es ähnlich.

Mehr oder weniger große Einwände kommen aus der Kritik. "Der kleine Prinz von Homburg", spottet zum Beispiel die Kritikerin von Le Monde und seufzt "Armer Kleist!". Wir waren begeistert.

Erste überregionale Kritiker sind skeptisch. Skeptischer als wir.

Eine erste Print-Kritik hat in der von Sascha Bunge inszenierten Szenenfolge mit Geschichten aus der Geschichte des Boxens teilweise spektakuläres Theater gesehen. Auch wir gingen nicht zu Boden, sondern reckten den Daumen hoch.

Sakral inszeniert, das ja, so die lokalen Kritiker, aber ansonsten verpuffe Liddells Tandy doch recht wirkungslos. Was wir auch fanden.

Am Bodensee haben sich die Kritiker vom Spektakel zu 600 Jahren Konstanzer Konzil geistreich unterhalten lassen, vermissen aber doch eine Tiefendimension. Wir ertranken im Bilderwust.

Die meisten Kritiker vermissen etwas, nur einer ist schier aus dem Häuschen, sah den "einsamen Höhepunkt der Berliner Opernsaison". Wir sahen ein Hochamt des Minimalismus.

Mehr Kritikenrundschauen

 
 
Anzeige
    
 
Anzeige
    
 
 

presseschau

9. Juli 2014

Gleichgültigkeit der Politik

Die diesjährige Hauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins stand unter der Überschrift "Ökonomie und Kunst" und es ging auch um die Folgen des geplanten Freihandelsabkommens TTIP für die deutsche Theaterlandschaft. Es sprach u.a. die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte, die Till Briegleb für die SZ interviewt hat: Ein Desaster, sagt Fischer-Lichte zum TTIP. Mehr in der Zusammenfassung.

Nun antworten die Kritisierten auf die harsche Kritik der scheidenden Festivalleiterin Frie Leysen an der Organisation der Wiener Festwochen. Die Mitarbeiter fragen sich nach den Ineffizienz-Vorwürfen, ob das Lob und der herzliche Abschied denn ernst gemeint waren. Und der Aufsichtsratsvorsitzende Rudolf Scholten erklärt, warum die Gleichstellung von kaufmännischer und künstlerischer Leitung in Wien wichtig sei.

Ja, ja, beim Theaterfestival in Avignon wurde also wieder gestreikt. Hatten wir schon mal, wird sicher schon wieder … Doch halt! Wogegen und wofür streiken die da eigentlich? Und was ist überhaupt das Problem mit dieser französischen Arbeitslosenversicherung für freie Kulturschaffende, um die es geht? In der Frankfurter Allgemeinen hat Jürg Altwegg die Dinge verständlich auf den Punkt gebracht. Mehr hier.

Für Spiegel online (2.7.2014) hat Tobias Becker den Festivalmacher Matthias von Hartz zum Freihandelsabkommen TTIP befragt. Obwohl dieser viele Voraussagen seiner Kulturkollegen für Schwarzmalerei hält, ist er überzeugt, "dass sich auf einem völlig freien Markt" keine "gleich guten Ergebnisse produzieren lassen": "Die USA hat praktisch gar kein interessantes Theater." Die Fördersituation dort sei desaströs, gute Gruppen hingen am Tropf europäischer Subventionen. Mehr in der Zusammenfassung.

Mehr Presseschauen

 

debatte

stadttheaterdebatte theater-freiburg m-korbel xStadttheater: Immer noch Heart of the City?
Theater Freiburg © Maurice Korbel

8. Juli 2014

Quo vadis, Theater?

Was sind die Stadttheater heute? Schwere, unbewegliche Tanker oder durchlässige Großkunsthäuser? Streng hierarchisch organisierte Mikrokosmen oder Orte eines utopisch angehauchten Miteinanders? Herz einer Stadtgesellschaft oder Institutionen im Abseits? Wie steht es mit dem künstlerischen Anspruch, mit der Diversität des Personals, mit dem Verhältnis zur Freien Szene? Gesammelte Positionstexte im Dossier zur Stadttheaterdebatte.

Es ist empörend, dass Gleichberechtigung, Unabhängigkeit, Mitbestimmung von der Bühne herab eingefordert werden, sich aber in den Strukturen dieser Bühnen nicht abbilden. Dabei könnte das Theater ein anderer Ort des Miteinanders sein, Raum einer anderen Gemeinschaft. Ein Ort an dem gelebt und gearbeitet wird, nach selbstgewählten Regeln. Das malt in einem Vortrag auf der Biennale "Neue Stücke aus Europa" der Dramatiker Martin Heckmanns aus.

Viel ist über die Strukturstarre des Stadttheaters geklagt worden, gepriesen dagegen wurde die Flexibilität des projektbezogenen Arbeitens. Doch je mehr das Stadttheater sich solchen freien Strukturen nähert, desto mehr Energie bindet das permanente "Eintreiben" der Gelder – was vom eigentlichen Ziel ablenkt, gutes Theater zu machen. Ist das Stadttheater da nicht doch das bessere Modell? Ein Plädoyer des Heidelberger Intendanten und Vorsitzenden des Künstlerischen Ausschusses im Bühnenverein Holger Schultze und der Dramaturgin Lene Grösch.

Mehr Debatten

 
 

international

berlusputin 280 polina korolewa theatr docNeue Formen des politischen Theaters: Die Satire "BerlusPutin" am Moskauer Teatr.doc
© Полина Королева / Театр.doc
Moskau, 3. Juli 2014

Let's talk about faith

Russland ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall: Der Gesprächsfaden zwischen Politik und Kunst ist zerrissen, wo früher Zensur war, herrscht heute ökonomische Auslese. Mit Formenvielfalt stellt sich das Theater als politische Kunst neu auf: Das Dokumentartheater blüht, Dramatiker schreiben eher Dystopien als Satiren, Migranten betreten die Bühne. Nur Kirchenkritik ist Tabu. Im Theaterbrief aus Russland beschreibt Pavel Rudnev das aktuelle politische Theater in seinem Land.

Fragen nach nationaler Identität: Im Sozialismus einst ein Tabu, inzwischen in den Staaten Osteuropas ein Thema, das – siehe Ukraine – im schlimmsten Fall zu bewaffneten Konflikten führt. Auch in der Kulturpolitik sorgt das Thema für Debatten. Zuletzt am Slowakischen Nationaltheater Bratislava, das sein neues Theaterfestival Eurokontext aus der Taufe hob. Mit Produktionen aus Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei, die im Spannungsfeld von westlicher Öffnung und sozialistischer Vergangenheit Identität und Geschichtsbilder befragten. Simone Kaempf berichtet.

Als vor einem Jahr im Gezi-Park demonstriert wurde und sich die Proteste ausweiteten, gingen auch zahlreiche türkische Theatermacher auf die Straße. Vielen wurde daraufhin die Förderung entzogen. Privatisierungen machen den Künstlern bereits seit Jahren zu schaffen, viele alte Theatergebäude stehen leer. Doch trotz aller Schwierigkeiten wird der Theaterszene im Moment neues Leben eingehaucht. Mehr von der Istanbuler Journalistin und Theaterkritikerin Bahar Çuhadar.

Mehr Theaterbriefe hier

 

porträt & profil

marstallplan faustisttot2 280 foto thomasdasuber uWie Mark Ravenhill ihn sieht: "Faust ist tot"
© Thomas Dashuber
München, 6. Juli 2014

Facetten des rastlosen Wahnsinns

Es sind Faust-Wochen am Residenztheater: Nach Martin Kušejs und Johan Simons' Inszenierungen haben sich nun sechs junge Regisseure im Rahmen des Minifestivals Marstallplan mit dem Faust II-Stoff beschäftigt, in dem der sinn- und weltsuchende Gelehrte einen ziemlichen Parforceritt durch Themen und Ordnungen geht. Wie die Nachwuchsregisseure da mitgehen, weiß Lea Kosch.

Mehr Reportagen, Essays, Porträts und Reden

 
 

magazinrundschau

magazinrundschau 6-14Die Theatermagazine im Juni

25. Juni 2014

Die zugänglichste aller Künste

Theater kann so vieles sein: pädagogisch wertvoll oder besserwisserisch arrogant, die reaktionsschnellste und die zugänglichste aller Künste oder bloß schnöde Marktware, um die schamlos gefeilscht wird. Um Abistoff-Verwurstungen, die Welt der Landesbühnen und politisches Theater in Ungarn geht es in den aktuellen Fachblättern – mehr in der Magazinrundschau Juni von Wolfgang Behrens.

Mehr Magazinrundschauen

 

bücher

cover schaper spektakel 140

17. Juni 2014

Theatergeschichte feuilletonistisch

Rüdiger Schaper ist einer von zwei Kulturchefs beim Berliner Tagesspiegel. Früher war er Berliner Kritiker der Süddeutschen Zeitung. Und Fan von Frank Castorfs Bewegttheater in der Volksbühne. Inzwischen glaubt er an die ewige Wahrheit der antiken Stücke. Und geht oft lieber ins Museum als in die Spielhäuser. Jetzt hat Schaper (*1959), der inzwischen der Generation der Kritiker-Väter angehört, eine subjektive Theatergeschichte geschrieben. Von Schlingensief bis Aischylos. Eva Biringer, Generation Kritiker-Tochter, hat sie gelesen. 

Auf den Tag genau vor fünf Jahren starb der Regisseur Jürgen Gosch, der schmerzlich vermisste, dessen späte Werke wie der Düsseldorfer "Macbeth" (ein böses Blutspiel aus einer nackten Männerrunde heraus) zu Richtgrößen des Gegenwartstheaters wurden. Jetzt legt der Theaterwissenschaftler Tobias Hockenbrink eine erste Werkschau zu Jürgen Gosch vor. Welche Entdeckungen er macht, sagt Sophie Diesselhorst.

Mehr Bücher

 
 

der monat

Was bespricht nachtkritik.de?

Alle Premieren, die nachtkritik.de im Juli 2014 bespricht.

Alle Monate der Saison 2013/14:

Vergangene Spielzeiten

 

suche

Wie finde ich was?

Das offene Archiv von nachtkritik.de, in dem die hier erscheinenden Texte unbegrenzt zugänglich bleiben, kann auf vier verschiedenen Wegen angesteuert werden:

  • die Such-Funktion (nach von Ihnen gewählten Suchbegriffen)
  • das nachtkritik-Lexikon (Beiträge zu Künstlern, Festivals, Stichworten)
  • der Menüpunkt Archiv im Hauptmenü (oben auf der jeweiligen Seite immer alphabetische Gliederung des Gesamtinhalts nach Städten und Theatern und weiter unten auf der Seite alphabetische Gliederung nach Stücktiteln)