Montag, 20. Oktober 2014

@nachtkritik

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Die Top 10 des Theaters

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die nachtkritik

wiener wald8 280 ju ostkreuz u"Geschichten aus dem Wiener Wald"
© JU Ostkreuz

München, 19. Oktober 2014

Sekündlich grüßt die Wachau

Wem der Walzertakt in die Glieder fährt, der begibt sich unter das Diktat der Gruppe in Stephan Kimmigs Inszenierung von Ödön von Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald. Als Krisenerscheinung oft inszeniert auf deutschsprachigen Bühnen, entfaltet es seinen unerbittlichen Drive – zumal, wenn ein derart famoses Ensemble aufspielt wie das der Münchner Kammerspiele. Mit dabei: Michael Stadler.

Sibylle Berg hat wieder im großen Tümpel Internet gefischt und einige besonders ätzende Hasstiraden geborgen, die sie in ihrem neuen Stück Viel gut essen einem Männerchor mit Kampftruppen-Ambition in den Mund legt. Wie Rafael Sanchez mit dieser bösen Suada umgeht, weiß Sascha Westphal.

Es ist nun schon die Jahreszeit, wo dieses Wort nurmehr Sehnsucht auslösen kann: Ein Sommernachtstraum. Am Schauspielhaus Zürich findet Daniela Löffner aber wenig Verheißungsvolles bei Shakespeares Liebesverwirrten. Mehr von Claude Bühler.

Die Poetik des Verdachts hat viele Meister: Max Frisch mit seinen Biedermännern und Brandstiftern oder Harold Pinter, zum Beispiel, und jetzt auch Dawn King mit ihrer erstmals in Deutschland aufgeführten Überwachungsparabel Foxfinder. Von einer Stückentdeckung berichtet Willibald Spatz.

Faust nicht als Figur, sondern als Denkbewegung zu verstehen, haben sich Felix Rothenhäusler und Tarun Kade vorgenommen und das Experiment mit einem aus allen Sparten bestückten Ensemble durchgeführt – Faust hoch zehn heißt das Ergebnis und wird beschrieben von Andreas Schnell.

Er ist der schrägste unter den exzentrischen und der exzentrischste unter den schrägen Filmemachern: Wenzel Storch. In Dortmund hat er sich nun ans Theater gewagt und die Stengel und Kelche des erotisch-exotischen Katholizismus ins Visier genommen, und die katholische Jugendliteratur gleich noch dazu. Komm in meinen Wigwam heißt der Abend. Sascha Westphal kam mit.

Geld in der Börse, Leere im Herzen und Champagner auf den Lippen. Die Reederin Wassa Schelesnowa aus der kapitalismuskritischen Feder von Maxim Gorki ist derzeit die Paraderolle für Schauspielgranden. Jüngst in Berlin für Corinna Harfouch, jetzt am Schauspielhaus Hamburg für Maria Schrader. Regisseur Dieter Giesing hat ihr den roten Teppich ausgerollt, nein, das rote Sofa hingestellt, und Jens Fischer sah zu.

Es zischt und brodelt, Ritterrüstungen scheppern, und das Glöckchen der Liebe erklingt auch: in Heinrich von Kleists Käthchen von Heilbronn. Wie Kölns Intendant Stefan Bachmann Spektakel und Liebesgeschichte zu fassen kriegt, weiß Martin Krumbholz.

Ungarn hat für aufsässige Theatermacher derzeit nicht viel übrig – vor allem kein Geld. Das und andere Missstände sind für Árpád Schilling und sein Ensemble Krétakör Anlass für einen äußerst wütenden Abend: A Párt – Die Partei – The Party. Reinhard Kriechbaum nahm ihn beim Steirischen Herbst in Augenschein.

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gemein & nützlich – blog

nibelungen steinmeier gorki 280 sleZu den Nibelungen aufschauen: Sonntag im
Berliner Gorki Theater

Berlin, 20. Oktober 2014

Umgezogen

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier spricht im Berliner Maxim Gorki Theater über die urmythisch deutschen Nibelungen mit postmigrantisch deutschen Theatermachern. Wenn das kein Knüller ist! Zumindest der Ankündigung nach. Esther Slevogt schaute vorbei, machte ein Foto (siehe oben) und sah auch beinahe einen Trikottausch.

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kritikenrundschau

Zwar findet der Abend nicht gleich seinen mörderischen Rhythmus, befindet die Münchner Kritik. Die aber dann doch restlos überzeugt von diesem Abend ist. Wie wir eigentlich auch.

Starker Text, schwache Inszenierung sagen beinahe alle Kritiker*innen dieses Abends am Schauspiel Köln. Sagten wir auch.

Widersprüchlich reagiert die Zürcher Kritik auf diesen Abend. Während auf der einen Seite von Witz und Kurzweil die Rede ist, gibt die andere Seite lähmende Langeweile zu Protokoll. Wir fühlten beides.

Spannendes Stück, weniger spannende Inszenierung, sagt die Kritik vor Ort. Sagen wir im Prinzip auch.

Ein Mordsspaß, mit dem Zeug zum kultigen Dauerbrenner – die NRW-Kritik schwärmt in höchsten Tönen von diesen Erkundungen einer schwülen katholischen Aufklärungsliteratur. Auch unser Daumen ging hoch.

Teils mehr, teils weniger unglücklich sind die ersten Kritiker*innen mit diesem Kleist. Wir sahen viel Physik und wenig Chemie.

"Einfallslos hoch zehn" haut die Kritik an der Weser Felix Rothenhäusler und Tarun Kade ihre Faust-Variation um die Ohren, die ihr als Missachtung von Publikum und Schauspielern erschien. Wir hatten eher den Eindruck eines Kollateralschadens der Suche nach neuen Formen.

Blutleer findet eine erste Radiostimme Dieter Giesings Gorki-Inszenierung mit Maria Schrader in der Titelrolle. Heute tritt dem Abend jedoch eine Befürworterin an die Seite. Der uns blutarm erschien.

Ziemlich beeindruckt ist die Grazer Lokalzeitung von diesem wütenden Ungarn-Befund von Árpád Schilling und Kollegen. Wir dagegen nicht so.

Einen glänzenden Tobsuchtsanfalls sahen die ersten Kritiker*innen in dieser freien "Elektra"-Adaption am Abschlusswochenende des Steirischen Herbstes. Wir sahen faszinierenden Enrüstungspop.

Nur wenige Theatermacher werden von den Kritikern so geliebt wie Christoph Marthaler. Auch diesmal spendeten die meisten begeistert Beifall, vereinzelt werden jedoch auch ernsthafte Einwände vorgebracht. Wir gehörten, mit kleinen Einschränkungen, ins Lager der Wohlwollenden.

So richtig scharf werde das Bild nicht, das in Ich bereue nichts von Edward Snowden entworfen werden, so die regionale- und überregionale Kritik. Wir fanden, dass man seiner wahren Motivation nicht auf die Spur komme.

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presseschau

19. Oktober 2014

Livestreaming

In der Baseler Zeitung gibt Theaterkritiker Andreas Tobler einen Überblick über Livestreaming- und DVD-Angebote der Theater und zeigt sich skeptisch, was deren ästhetische Möglichkeiten angeht. Mehr in der Zusammenfassung.

Von Zensur bzw. Zensurversuchen der türkischen Regierung im Theaterbereich berichtet heute der Tagesspiegel. Der Direktor der türkischen Staatstheater, Mustafa Kurt, ist aus Protest gegen das Vorgehen des Kulturministeriums sogar zurückgetreten. Mehr in der Zusammenfassung.

"Dass er eine neue Sozialtechnologie rückübersetzt in eine Situation, die ausstaffiert ist nach dem alten Vergesellschaftungsmodell der Intimität des Privaten", sei der Skandal an Dries Verhoevens vom HAU Berlin an- und wieder abgesetzter Aktion Wanna Play (mehr dazu hier), schreibt Roger Behrens in der Jungle World und schließt eine Reflektion über die gesellschaftlichen Auswirkungen der Kommunikationsvermarktung an. Nachzulesen auf jungle-world.com.

Die Berliner Knautschpuppen-Combo Das Helmi wurde zum Humboldt-Lab gebeten, um die Geschichte der Völkerkunde umzusetzen. Und jetzt gibt es Ärger, wie die Berliner Zeitung berichtet. Mehr in der Zusammenfassung.

Berlins neuer Kulturstaatssekretär Tim Renner hat im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung nicht nur ausgiebig das kreative Umfeld in Berlin gepriesen, sondern auch angedeutet, dass der Opernbesuch in der Hauptstadt künftig ein gutes Stück teurer werden könnte. Mehr dazu in der Zusammenfassung.

Die Berliner Morgenpost hat anlässlich der heutigen Buchvorstellung des Gesprächsbandes "Ostermeier backstage" (Buchkritik hier) noch einmal mit dem Schaubühnen-Chef Thomas Ostermeier gesprochen – über sein Theater und das der anderen und die Überflüssigkeit von Regisseuren. Zur Zusammenfassung.

Die Schaubühne Berlin ist mit ihrer Ibsen-Inszenierung Der Volksfeind nach Moskau gereist, nicht ohne zu diskutieren, ob man angesichts der politischen Lage eine Einladung nach Russland annehmen sollte. In der zweiten Vorstellung enterten dann Zuschauer im Monolog-Mittelteil solidarisch die Bühne, berichtet Patrick Wildermann im Tagesspiegel.

"Wir haben einen Nachholbedarf", gesteht Jan Linders, Schauspielchef in Karlsruhe – und meint die doch recht "biodeutsche" Zusammensetzung seines Ensembles. "Schauspielschulen nehmen jetzt türkischstämmige auch andere migrantische Schauspielschüler auf, weil sie wissen: Diese haben jetzt auch eine Chance an den Bühnen. Sie werden nicht nur als Drogendealer oder Gangster oder als Klischee besetzt. Und wir als Stadttheater müssen da jetzt auch einen Schritt machen." Mehr im Interview mit Elske Brault auf Deutschlandradio Kultur.

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debatte

thiswarofmine 280 screenshot Überlebenskampf ohne Sieger? Screenshot
aus dem Computerspiel "This War Of Mine".
Quelle: 11 Bit Studios

16. Oktober 2014

Der Bauschutt der Moderne

Vergangene Woche erschien an dieser Stelle in der Artikelserie zur Zukunft des Stadttheaters das Plädoyer von Matthias Weigel "Reißt die Mauern der Tradition ein!", in dem er sich das Stadttheater in seinem gegenwärtigen Zustand vorknöpfte und im selben Atemzug eine Vision für seinen Umbau im Zeichen der Kunstfreiheit entwarf. Heute antwortet der Dortmunder Dramaturg Alexander Kerlin, der Weigels Text in einem wesentlichen Punkt widerspricht.

Dunkle Wolken der ewigen Finanzdiskussionen überschatten die Stadttheaterdebatte. Höchste Zeit umzuschwenken und sich wieder des künstlerischen Auftrags zu besinnen. Verpflichtet euch der Kunstfreiheit! Profaniert eure Häuser mit Playstation und Poolparty, mistet die Dramenklassiker aus, und dann sucht neue Stoffe und neue Formen und verabschiedet euch von zementierten Intendantenkartellen, sagt nachtkritik.de-Redakteur Matthias Weigel.

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magazinrundschau

collage 10-14

15. Oktober 2014

Das Tourette-Ding der Weißen

In diesem Monat operieren Theater der Zeit und Die deutsche Bühne mit gewichtigen Themensetzungen: Blackfacing hier, Theater und Krieg dort. Theater heute lässt derweil Großintellektuelle wie Diedrich Diederichsen und Günther Rühle zu Wort kommen. Mehr in der Magazinrundschau Oktober von Wolfgang Behrens.

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kommentar

karinbergmann intendantin 280 burgtheater uOffizielles Burgtheaterfoto von Intendantin
Karin Bergmann © Burgtheater

14. Oktober 2014

Es wird weiter gemistet

Nun ist es offiziell: alle Kandidaten, die vorschnell die Pferderl des Intendantenkarussels aufgesattelt hatten, hat die Wiener Kulturpolitik im Galopp wieder abgeworfen. Ernannt wurde Karin Bergmann, seit Matthias Hartmanns Rauswurf Interimsintendantin des krisengeschüttelten Hauses. Sie wird noch bis 2019 die Geschicke dieses Theaters lenken. Und nun? Beginnt jetzt die große Sumpfausheberei? Dirk Pilz kommentiert.

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bücher

cover 140 arbeitsbuchmarthaler

14. Oktober 2014

Subtile Organisation des Abfalls

Wer auf den Grund von Christoph Marthalers Theater schauen will, muss nur lange genug in ein Bierglas schauen. So ulkte man, als Marthaler mit dem "Wurzelfaust" oder "Kasimir und Karoline" seine großartigen ersten Arbeiten vorlegte, in denen das Sitzen, Schauen, Zeit vergehen lassen eine große Rolle spielte. Aber so leicht ist seiner Arbeit natürlich nicht beizukommen. In dem TdZ-Arbeitsbuch gibt der Regisseur Einblick in seine Denk- und Produktionsweisen. Die Interviews sind begleitet von Materialien aus seinen Arbeitsbüchern, die während der Proben entstehen. Mehr von Simone Kaempf.

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porträt & profil

evaktuieren1 mainz 280 akira takayama c matthias pees xAkira Takayama inszeniert "Evakuieren"
© Matthias Pees

14. September 2014

Krieg ist die Parole

Ein kolossales Großprojekt hat der japanische Regisseur Akira Takayama zum Saisonstart für die Rhein-Main-Region ersonnen. Evakuieren ist ein Flucht- und Rettungsplan für Alltagsaussteiger mit rund vierzig Stationen in Frankfurt, Darmstadt und Mainz. Einheimische und internationale Künstler bespielen die Fluchtpunkte. In die Verschnittflächen der Großstadt begab sich Esther Boldt.

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