Mittwoch, 22. Mai 2013

Die Top 10 des Theaters

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theatertreffen 2013

jurydebatte1tt13 280 sleDie Jury  © sle

Berlin, 21. Mai 2003

Die andere Perspektive

Es ist ein liebgewonnenes Ritual: das alljährliche Jury-Bashing zum Abschluss des Theatertreffens. Dieses Jahr jedoch gab es in der Jurydebatte nicht nur Kritik an einem schwachen Jahrgang, den manch eine/r gar grundsätzlich repräsentativ für ein Gegenwartstheater fand, das formal hochgerüstet, aber inhaltlich leer und weltarm ist. Es wehte auch ein scharfer politischer Gegenwind gegen die Blackfacing-Etüden in Sebastian Baumgartens Zürcher Brecht-Inszenierung "Die heilige Johanna der Schlachthöfe". Wie und worüber sonst noch gestritten worden ist, berichtet Esther Slevogt.

Die Tweets zur Jury-Diskussion gibt's unter #TT50 #Jury.

21. Mai 2013. Die Tageszeitungen resümieren das 50. Theatertreffen.

Und noch einmal ein starker Auftritt der Schauspielfrauen. Die Superdamen der Münchner Kammerspiele knuffen und puffen Sebastian Nüblings Inszenierung der ollen Tennesseee Williams-Schmonzette Orpheus steigt herab zu einem wirklichen Höhepunkt des Theatertreffens 2013. Dirk Pilz beschreibt seine Eindrücke.

Das Theatertreffen 2013Festivalübersicht

Mehr zum Theatertreffen

 

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die nachtkritik

archiv4 560 andreas j  etter u"Archiv des Unvollständigen" 
© Andreas J. Etter

Recklinghausen, 20. Mai 2013

Vom Streichen des Füllworts

Vom Singen verstehen die Schweizer einiges. Deshalb hat sich das Staatstheater Oldenburg die Dramatikerin Laura de Weck und den Regisseur Thom Luz eingeladen, um mit ihnen auf die Ruhrfestspiele Recklinghausen Singen zu gehen. Aber nicht nur und nicht einfach so Singen. Archiv des Unvollständigen heißt der Sprachmusikabend im Schweizer Stil. Martin Krumbholz hat beglückt zugehört und zugesehen.

Scherenschnittartig in Szene gesetzt hat der junge Regisseur Michael Götz in Coburg die Einsamen Menschen – Gerhart Hauptmann goes Robert Wilson. Dass die betrogene und verlassene Ehefrau des Stücks, Käthe Vockerath, am Ende Ibsens Nora zu ähneln beginnt, auch das geht auf, berichtet Elisabeth Michelbach.

Und noch einmal ein starker Auftritt der Schauspielfrauen. Die Superdamen der Münchner Kammerspiele knuffen und puffen Sebastian Nüblings Inszenierung der ollen Tennesseee Williams-Schmonzette Orpheus steigt herab zu einem wirklichen Höhepunkt des Theatertreffens 2013. Dirk Pilz beschreibt seine Eindrücke.

Seit dem 11. Mai laufen die 38. Mülheimer Theatertage NRW (zur Festivalübersicht), heute ist dort noch einmal die Schweizer Erstaufführung des Moritz Rinke-Stücks aus Bern, inszeniert von Matthias Schönsee im Wettstreit um den Mülheimer Dramatikerpreis zu sehen.

Jahrmarktzeit am Rhein: Marianna Salzmann hat Ödön von Horváths Kasimir und Karoline bearbeitet, Nurkan Erpulat hats am Düsseldorfer Schauspielhaus inszeniert. Herausgekommen ist Horváth ohne Horváth, aber mit vielen aktuellen Bezügen, Wutreden, und irgendwann wirds auch wirklich lebendig. Mehr von Martin Krumbholz.

Klassiker-Bearbeitung auch bei den Wiener Festwochen: Turbo-Ibsen kann man nennen, was der australische Regisseur Simon Stone und seine Schauspieler mit "Die Wildente" machen. The Wild Duck hat Tempo, pointierte Dialoge und reines Gefühl: Kai Krösche über einen starken Abend.

Der in Sarajevo geborene Regisseur Oliver Frljić hat jüngst in Graz europäische Geschichte neu erzählt. In Mrzim istinu!/Ich hasse die Wahrheit! befagt er nun (s)eine Familie, deren Spaltung mit der jugoslawischen Volkszählung begann und im Bürgerkrieg ihren Lauf nahm. Mehr von Leopold Lippert.

Nazis als Protagonisten, rassistische Worte in Schauspielermund – was darf sein, was nicht? Immer wieder wurde dies letzthin diskutiert. Im Wiener Parlament sind jetzt historische und zeitgenössische Reden rechter Politiker zu hören, inszeniert von Christoph Marthaler im Rahmen der Wiener Festwochen. In Letzte Tage. Ein Vorabend stellt er ihnen die Musik jüdischer Komponisten entgegen. Kai Krösche ließ sich beunruhigen – und begeistern.

Welch Maschinchen mag er sich zu Tschechows Die Möwe ausgedacht haben, der Regisseur und Bühnenkonstrukteur Andreas Kriegenburg? Immerhin geht es in dem Stück auch um das Theater, ums Spiel im Spiel. Ob und wenn ja welche Übersetzung Kriegenburg findet, berichtet Esther Boldt.

Elfriede Jelineks Sportstück, das Einar Schleef einst mit einer Hundertschaft von Darstellern ins Burgtheater wuchtete, wird bei Marcus Lobbes am Saarbrücker Staatstheater jetzt in die Wohnzimmerwelt von Sportschauguckern verlegt. Stefan Schmidt sah dort die Avatare schwitzen.

Der "Schuldenberg" wölbt sich in der Hose des alten Mannes: Sie sind nicht nur geiler, sondern auch besser dran, die Alten in räuber.schuldengenital von Ewald Palmetshofer. Alexander Riemenschneider hat den Text im Marstall des Residenztheaters inszeniert und Michael Stadler war dabei.

Mehr Nachtkritiken

 

kritikenrundschau

Mit einem wunderschönen Bühnenbild hat Kriegenburg diesen Tschechow-Abend ausgestattet, darüber ist die Kritik sich einig. Ansonsten wird Ernsthaftigkeit vermisst. Auch von uns.

Viel Zustimmung zu, aber auch Kritik an dieser musikalischen Szenen-Collage bei den Radio- und Zeitungskritikerinnen. Begeisterung bei uns.

Totale Begeisterung bei den Wiener Kritikerinnen. Begeisterung auch bei uns.

Echtes Malocher-Theater sei dies, was der lokalen Zeitungskritikerin eher weniger gefällt. Anders als uns.

Brav nennt die Münchner Kritik diese deutsche Erstaufführung des Palmetshofer-Werkes. Respektvoll nannten wir sie.

Hingerissen ist ein erster Radiokritiker von diesem Theaterabend. Wir ließen uns auch gefangen nehmen.

Überzeugend findet der regionale Kritiker diese Hauptmann-Umsetzung. Geht uns genauso.

Eine lokale Kritikerin berichtet von Wehrmutstropfen, eine zweite sah eine gelungene Inszenierung. Die sahen wir auch.

Wohlwollend, aber streng wird dieser Koltès-Abend von der lokalen Kritik begutachtet. Den wir so sahen.

Ideenreich oder verhunzt? Die Mehrheit der Kritiker meint letzteres über Heike M. Götzes Uraufführung von Christoph Nußbaumeders neuem Stück. Wir fanden's etwas zu überzeichnet.

Von der Besonderheit überzeugt zeigen sich erste Kritiker. Wir wurden nicht überzeugt.

Für den Geschmack des Kritikers sind die leisen Töne bei aller lobenswerten Spielfreude etwas zu kurz gekommen. Wir waren auch dem Stück gegenüber skeptisch.

Jung und gut, sagt ein erster Kritiker. Sagten auch wir.

Die Radio- und Printreaktionen reichen von heller Begeisterung (über Hauptdarstellerin Nina Hoss) bis zu allergrößte Empörung (über Stefan Puchers Regie). Heute wird noch eine lohnende Hoss-Pucher-Betrachtung nachgereicht. Wir blieben eher verhalten.

Dieser Eröffnung der "Themenwoche Glauben" steht eine erste lokale Kritikerin skeptisch gegenüber. Wie auch wir.

Gespaltene Meinungen über Anna Maria Krassniggs Inszenierung bei den Wiener Festwochen. Wir sahen es auch eher kritisch.

Nicht ganz ausgegoren, aber trotzdem ziemlich gut findet die Berliner Printkritikerin diese dokumentartheatrale Ehrung des Kreuzberger Fußballvereins Türkiyemspor von Imran Ayata und Neco Çelik. Wir konnten der Sache weniger abgewinnen.

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theaterbriefe

beirut-iv 560 fritz-engel hExport nach Beirut: "X Apartments" in der libanesischen Hauptstadt. © Fritz Engel

Beirut, 16. Mai 2013

Stadtbeglückung in Nahost

Was macht eigentlich Ex-HAU-Chef Matthias Lilienthal? Ist der nicht in Beirut? Ja, genau. Er unterrichtet und vermengt mit seinen Studenten auch dort Kunst und Leben. Sein Theaterformat "X Wohnungen" hat er als X Apartments Beirut mitgebracht. Der Fotograf und Autor David Baltzer ist mit auf Tour gegangen.

Solidarność? Waren das damals, als die Streiks der polnischen Gewerkschaft das Land und sein System derart zum Wackeln brachten, dass dieses Beben noch bis 1989 reichte, wirklich nur Männer? Auf polnischen Bühnen hat eine neue Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte eingesetzt. Mehr im Theaterbrief aus Polen von Iwona Uberman.

Mehr Theaterbriefe hier

 

nachtkritik extra

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Umfrage! Teilnehmen! Gewinnen!

Berlin, 21. Mai 2013

Wir möchten immer noch mehr über Sie wissen

Guten Tag liebe Leserinnen und liebe Leser, wir haben eigentlich wenig Ahnung davon, wer Sie sind. Wir möchten gerne mehr über Sie erfahren. Wir bitten Sie recht herzlich an der Leserumfrage teilzunehmen, die wir mit Studierenden der Angewandten Literaturwissenschaft der FU Berlin gemeinsam erarbeitet haben. Gewinnen können Sie dabei auch etwas.  Hier geht es zu den Fragen. Vielen Dank.

Mehr über nachtkritik.de

 
 

presseschau

21. Mai 2013

Die unerforschlichen Kräfte des Spielkunst

Die Tageszeitungen resümieren die Theatertreffen-Jubiläums-Ausgabe. Hier die Zusammenfassungen.

Darf ein Intendant Heimweh haben? Darf er eine solche Top-Position, wie die Leitung der Münchner Kammerspiele, sausen lassen? Ja, er darf. Sagt Johan Simons im Interview mit Christine Dössel von der Süddeutschen Zeitung. Hier die Zusammenfassung.

Im Zusammenhang mit der Konferenz "Theater und Netz" wurde u.a. gefordert, aus Theatervorstellungen heraus zu twittern. Dass die Idee, den aktiven Gebrauch von Mobiltelefonen und Smartphones in Theatern zu erlauben, auch entschiedene Gegner hat, dürfte klar sein. Wie sich in New York City jetzt ein Theaterkritiker gegen den Handy-Gebrauch seiner Sitznachbarin wehrte, steht hier.

Ijoma Mangold zieht auf Zeit Online eine Zwischenbilanz zur Halbzeit des 50. Theatertreffens. Er glaubt, das Theatertreffen zeige den Interessierten, "was auf der Bühne state of the art ist".

Reaktionen auf die Konferenz Theater und Netz, die nachtkritik.de und die Heinrich Böll Stiftung in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung am Himmelfahrtstag in Berlin veranstaltet haben, finden sich hier.

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bücher

cover internetauftritteBuch des Monats: April 2013

Überall Theater, auch im Internet. Theater im Internet? Das geht? Aber sicher doch. Nur wie? Ulf Otto hat sich das Internet-Theater genauer angeschaut und untersucht in seinem Buch Internetauftritte. Eine Theatergeschichte der neuen Medien ausführlich, was Theatralität im digitalen Kosmos alles bedeutet – und was es nicht bedeutet. Christian Rakow hat das Buch gelesen.

Spielt weiter! ruft der langjährige Münchner Intendant Dieter Dorn uns in seinem Theatererinnerungsbuch zu; denn es ist des Spielens kein Ende, zum Glück. Studiert weiter! ist die Devise, die mit den Notizbüchern von Bertolt Brecht ausgegeben wird, deren Band 1 nun erschienen ist; denn Brecht ist noch immer und immer wieder ein überraschender Autor. Lest dies! flüstert ein Band mit Haikus, die der Schauspieler Robert Hunger-Bühler geschrieben hat; denn sie sind die Heimstatt der Herzschlag-Zeit. Die Buchhinweise von Simone Kaempf, Kai Bremer und Dirk Pilz.


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