Sonntag, 31. August 2014

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die nachtkritik

your-lover-forever-i 280 thomas-mueller h Briefwechsel mit Goethe: "Your Lover
Forever" beim Kunstfest Weimar
© Thomas Müller

 Weimar, 30. August 2014

An den allerwerthesten Goethe

Klingt wie ein frühes Lied der Beatles, ist aber die Unterschrift von Johann Wolfgang Goethe in Briefen an Charlotte von Stein: Your Lover Forever. Weil von Frau von Stein wiederum keine Schreiben erhalten sind, haben 14 Autorinnen Nachdichtungen der Stein'schen Briefe verfasst: Mit dabei Sibylle Berg, Justine del Corte, Kathrin Röggla. Lily Sykes hat den Briefreigen für das Kunstfest Weimar inszeniert. Das kritische P.S. setzt Frauke Adrians.

Das Jahr 1914, das Jubiläum des Weltkriegsausbruchs durchweht zurzeit vielerorts die Spielpläne der Theater. Die Perspektive des Theater-Tanz-Abends I am von Lemi Ponifasio hat allerdings Seltenheitswert. Folgt er doch den Stimmen, die aus Kaiser-Wilhelm-Land herüberschallen, aus den deutschen Kolonien im pazifischen Ozean, die damals ins globale Kriegsgeschehen hineingezogen wurden. Die Erstaufführung bei der Ruhrtriennale sah Friederike Felbeck.

Auch die Berliner Schaubühne eröffnete ihre Spielzeit gestern mit dem Ersten Weltkrieg – dem sich Regisseurin Katie Mitchell in The Forbidden Zone wiederum über die Perspektive der Frauen annähert. Wieso manche dieser Frauen in der männlich geprägten Militärgesellschaft zum Äußersten greifen mussten, sagt Hartmut Krug, der vor einem Monat die Premiere bei den Salzburger Festspielen sah.

Milo Rau hat mit seinen Arbeiten wie "Hate Radio" und "Die Moskauer Prozesse" sowohl das dokumentarische wie das politische Theater umgekrempelt. Jetzt tritt er in The Civil Wars beim Zürcher Theaterspektakel einen Schritt zurück, lässt Schauspieler Rollen in fünf Akten spielen, träufelt Musik dazu. Was das mit der vaterlosen Gesellschaft, den Salafisten und dem alten Europa zu tun hat, weiß Christoph Fellmann.

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presseschau

30. August 2014

Chance, wahrgenommen zu werden

Als Kommunikator und Teamplayer und Liebhaber des Vierspartenhauses porträtiert die "Welt" (30.8.2014) den bisherigen Oldenburger und künftigen Mainzer Intendanten Markus Müller. Mehr in der Zusammenfassung.

30. August 2014. In einem letzten gemeinsamen Interview für den Wiener "Standard" (30./31.8.2014) sprechen der scheidende Intendant Alexander Pereira und die Präsidentin des Kuratoriums der Salzburger Festspiele Helga Rabl-Stadler über ihre Konflikte und die Unterdotierung des Festivals – und ziehen Bilanz. Hier der Link zum Standard.

In der Wiener Tageszeitung "Die Presse" lässt Barbara Petsch heute die diesjährige Ausgabe der Salzburger Festspiele Revue passieren – und findet, dass heuer wie auch schon in den letzten Jahren Innovation gefehlt hat. Details hier.

Der NDR blickt mit Karin Beier auf ihre erste Spielzeit als Intendantin des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg zurück – und lässt Beier trotz Pleiten, Pech und Pannen einigermaßen optimistisch in die Zukunft schauen. Die Zusammenfassung.

Robert Wilson ist in Weimar mit der Goethe-Medaille des Goethe-Instituts ausgezeichnet worden, und der Berliner Tagesspiegel druckt heute die Laudatio von Berliner Festspiele-Chef Thomas Oberender ab, in der Oberender verrät, was Wilson und Goethe gemeinsam haben. Voilà.

Langweilig wird es in Wien diese Spielzeit nicht werden. Dafür werden schon die Anwälte von Matthias Hartmann und andere Kombattanten im Burgtheaterskandal sorgen. Hat Matthias Hartmann arglistig getäucht, um seine Vertragsverlängerung zu erwirken? Hat Interimsburgdirektorin Karin Bergmann mit der der Untreue und Bilanzfälschung verdächtigten Silvia Stantejsky Sommerurlaube am Wallersee verbracht, ist immer noch mit ihr befreundet und läßt sich gar immer noch von ihr beraten? Auf Anfrage der Wiener Tageszeitung "Die Presse" hat Karin Bergmann gesagt: "Ich werde diese untergriffigen Attacken von Matthias Hartmann und seinen Anwälten keiner Antwort würdigen."

Von Anfang an waren die LeserInnen-Kommentare wesentlicher Bestandteil von nachtkritik.de. Inzwischen sind die Wortmeldungen des Publikums längst überall Standard. Aber stehen sich Journalismus und seine Adressaten wirklich auf Augenhöhe gegenüber? Im Netz gibt es seit langem Auseinandersetzungen über die sich in Kommentaren äußernde vox populi. Wir haben uns bemüht, wichtige, neuere Beiträge zusammenzutragen. Hier eine Zusammenfassung.

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kritikenrundschau

Mit einer Ausnahme schaut die regionale Kritik wohlwollend auf den Mix aus quälender Langsamkeit, mythischer Dunkelheit und berückender Bildlichkeit in Lemi Ponifasios "I am". Auch wir folgten dem Abend ein Stück weit.

Technisch spitzenmäßig gemacht, aber das sei auch ein Problem des Abends, denn das Theater muss schauen, wo es bleibt, so der Kritikertenor über Katie Mitchells The Forbidden Zone bei den Salzburger Festspielen und jetzt auch in Berlin. Wir waren milder und sahen bereits in Salzburg einen Abend voller Kraft.

Obwohl sie teilweise auch ein bisschen was dran auszusetzen haben, sind die Damen und Herren Zeitungskritiker am Ende doch alle in den Bann dieser Kriegsgrundbohrung geraten – so wie wir.

Eine erste Kritik senkt entschieden den Daumen ob dieses Gastspiels beim Zürcher Theaterspektakel. So wie wir.

Ein bisschen naiv finden die KritikerInnen das Ganze schon, was die einen aber weniger, die anderen etwas stärker stört. Wir vermissten sozialkritische Tiefenbohrungen.

Von vereinzelten Gänsehautmomenten ist zu lesen, auch manche Einsicht nehmen die KritikerInnen in NRW aus diesem Opern-Lecture-Abend mit. Aber der letzte Funken Begeisterung bleibt aus. Auch wir blieben moderat und ließen uns von der Musik, dort wo sie ganz in den Vordergrund tritt, einnehmen.

Nicht begeistert, aber durchaus angetan schrieb die lokale Zeitungskritikerin von diesem Abend des Big Dance Theater, der die überregionale ebenso wenig überzeugt wie uns.

Nass und schön finden die Hamburger KritikerInnen dieses japanische "Überfallkommando" auf Kampnagel. Auch wir ließen uns – nicht ungern – überrollen.

Gut gemeint, aber schlecht gemacht, so winken die Berliner RadiokritikerInnen ab. Wir waren gewillt, zwei Augen zuzudrücken.

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international

edinburgh fringe 1. – 25. August: The Fringe
© Edinburgh FestivalFringe Society

Edinburgh, 28. August 2014

49.497 Vorstellungen

Das Vereinigte Königreich würde mit der Unabhängigkeit Schottlands etwas großes abgeben müssen: Und zwar das weltgrößte Kunstfestival, das Edinburgh Festival Fringe. Die diesjährige Ausgabe endete soeben. Was bleibt von den läppischen knapp 50.000 Vorstellungen? Andrew Haydon hat zwar nicht alle Shows gesehen, aber trotzdem so einige Perlen gefunden.

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texte der saison

stadttheaterdebatte theater-freiburg m-korbel xDas gute, alte Stadttheater..  © Theater Freiburg

27. August 2014

Denkt unökonomisch!

Spielzeitpause. Zeit, auf die vergangene Saison zurückzuschauen – auf Überblickstexte und Debattenbeiträge, die wir Ihnen als Sommerlektüre noch einmal ans Herz legen möchten. Heute: Das Stadttheater-Plädoyer Denkt unökonomisch! des Heidelberger Theaterintendanten Holger Schultze und der Dramaturgin Lene Grösch.

Mehr Texte der Saison...

 
 

debatte

spielstaetten ruine bad hersfeld 560 c bad hersfelder festspiele uDie Stiftsruine von Bad Hersfeld
© Bad Hersfelder Festspiele

Berlin, 26. August 2014

Ruinöses aus Amazon-Stadt

Dem Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele, Holk Freytag, wurde fristlos gekündigt, weil er angeblich die Sparvorgaben der Stadtverwaltung nicht umsetzen wollte. Die gleichzeitig die Ansiedlung von Amazon mit neun Millionen Euro subventionierte. Weder Proteste des Festspiel-Ensembles, noch eine von inzwischen 10.000 Menschen unterschriebene Resolution gegen den Beschluss konnten die Lokalpolitiker bislang umstimmen. Und obwohl die Stadt Bad Hersfeld nur ein Fünftel des Festspiel-Budgets bezahlt, wollen die Politiker der osthessischen 30.000-Einwohner-Gemeinde in Zukunft den Spielplan bestimmen. Ein beispielloser Vorgang in der deutschen Kulturpolitik, meint Frank-Patrick Steckel und hält eine Philippika gegen den Putsch.

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porträt & profil

kill your darlings 280 esther becker fotoc olivia suter xFreischaffend und freischwebend: Esther
Becker  © Olivia Suter

24. August 2014

Grüsse von der Insel

Die Schweiz, das ist "Ja für Mundart im Kindergarten" und "Nein für Zuwanderung", das ist das fehlende "ß" auf der Computertastatur, und üppige Fördermöglichkeiten für freie Theaterschaffende. Die Dramatikerin und Schauspielerin Esther Becker lebt seit elf Jahren als Deutsche in der Schweiz und erzählt wie es sich anfühlt, ein Land lieben zu lernen, das manchmal, aber nur manchmal mit Gegenliebe geizt.

In Oldenburg vergibt das Theater von Winfried Wrede seit einigen Jahren Künstler-Residenzen für Freie Gruppen. Flausen – Young Artists in Residence heißt das Stipendienprogramm. Wrede sammelt Geld bei Stiftungen und Kulturinstitutionen, dafür können die Freien Gruppen frei von Ergebniszwang agieren. Benno Schirrmeister porträtiert das Projekt.

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magazinrundschau

magazin 8 14

21. August 2014

Der Verlust einer Sinnschicht

Saisonbilanzen und Rückzugsgefechte, denen der Bühnentext ausgesetzt ist (und wie Bühnenbildner mit diesem Verlust umgehen) beschäftigen u.a. in diesem Monat die Theatermagazine. So sie überhaupt erschienen und nicht in den Sommerschlaf gefallen sind. Mehr in der Magazinrundschau August von Wolfgang Behrens.

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bücher

cover junge stuecke22. Juli 2014

Souveränität wegnehmen

Auf den Zeitungsseiten der Literaturkritik gab es jüngst mal wieder eine Welthaltigkeitsdebatte, in der den Werken der jungen Schriftsteller fehlende vorgeworfen wurde. Junge Stücke untersucht nun ein von den Theaterwissenschaftlern Andreas Englhart und Artur Pełka herausgegebener Sammelband nicht nur, aber auch in dieser Hinsicht und kommt zu weniger alarmierenden Schlüssen – und einem Schluss mit Nis-Momme Stockmann, der seine Autorengeneration gewohnt flammend verteidigt. Es las und schreibt Christian Baron.

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