Montag, 24. November 2014

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Die Top 10 des Theaters

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die nachtkritik

deutschstunde 280 krafftangerer h"Deutschstunde" in Hamburg © Krafft Angerer

Hamburg, 23. November 2014

Stürzende, rutschende Körper

In seinem berühmten Roman Deutschstunde, der im Signaljahr 1968 erschien, verhandelte Siegfried Lenz Fragen von Schuld und Pflichterfüllung während der Nazizeit, wog individuelle Verstrickung und Verantwortung gegeneinander auf. Am Thalia Theater hat nun (wenige Wochen nach Lenz' Tod) Johan Simons den Stoff auf die fulminante Bühne von Bettina Pommer gebracht. Katrin Ullmann war bei der Premiere.

Die Geschichte von Amphitryon erzählt unter anderen vom Neid des obersten Göttervaters Zeus bzw. Jupiter auf ein Menschengefühl: die Liebe. Drei große Autoren haben diese Geschichte durch die Jahrtausende jeweils neu erzählt: Plautus, Molière und Heinrich von Kleist. Aus diesen Versionen hat Katharina Thalbach wiederum nun die ihre gestrickt. Eva Biringer kann berichten.

Anfang Dezember kommen die Vereinten Nationen zu einer weiteren Welt-Klimakonferenz zusammen. Wie so eine Veranstaltung funktioniert, untersuchen jetzt schon Rimini Protokoll am Deutschen Schauspielhaus, indem sie ein Konferenzszenario nachgebaut haben und das Publikum als Delegierte aller Länder Klima-Experten begegnen und über Aktionskurse entscheiden lassen. Tim Schomacker musste einen Schurkenstaat vertreten.

Banker-Sause meets Prekariats-Fernsehabend bei Mario Holetzeck, der Andres Veiels "Himbeerreich" und "Alles Gold was glänzt" von Mario Salazar zusammengerechnet hat. Wolfgang Behrens sagt, ob Deutschland. Wunder und Wunden aufgeht.

Wie jeder sich immer neu aus Erinnerungen zusammensetzt, um sich und der Welt eine kontinuierliche Ich-Wahrnehmung zu bescheren, davon handelt À Corps perdu. Blaue Müllsäcke, eine Kletterwand und Masken dienen Sandra Hüller, Alice Gartenschläger und Tom Schneider als Requisiten ihres metaphysischen Tanzstücks in den Münchner Kammerspielen, das Isabel Winklbauer unheimlich anregend fand.

Was machen ein Sudanese, ein Afghane und eine Roma in der norddeutschen Tiefebene? Das ist kein Witz, sondern das Thema von November und was weiter, der neuen Produktion von Das letzte Kleinod, in der zusammen mit Flüchtlingen Fluchtgeschichten erzählt werden. Mehr von Andreas Schnell.

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bücher

cover handke-oberender 140

20. November 2014

Tut mehr Unnützes!

Er ist ein Schriftsteller, der politisch immer wieder für heftige Kontroversen sorgt. Zuletzt, als ihm in Oslo der Ibsen-Preis verliehen wurde. In den Gesprächen, die Thomas Oberender mit Peter Handke über das Schreiben fürs Theater geführt hat, bleibt die Politik zwar eher außen vor. Punktuell lässt Handke sich allerdings gar zu weltpolitischer Programmatik hinreißen: "All diese nützlichen Tätigkeiten machen die Welt kaputt." Auch verrät der Autor der "Publikumsbeschimpfung", was er heute vom gemeinen Theatergänger hält. Vor allem aber hörte Wolfgang Behrens den Jargon der Eigentlichkeit raunen.

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kritikenrundschau

Große Begeisterung bei der Kritik über die Dramatisierung des berühmten Romans von Siegfried Lenz. Und doch: etwas fehlt, finden manche. Wir auch.

Ein wenig entgeistert sind sie schon, die Printkolleginnen und -kollegen, in welcher Weise sich dieser hochmögende Stoff durch den Komödienschredder jagen läßt. Aber manche haben dann doch ihre (klammheimliche) Freude daran. Wir allerdings weniger.

Von Setting und Logististik dieser Theaterperformance beeindruckt zeigt sich die Kritik in Funk und Print. Die wir als ziemlich schlaues Infotainment empfanden.

Über leidenschaftliche Grabenkämpfe zwischen Alt und Jung, Poppern und Psychologiefreunden berichtet die Presse und findet Armin Petras' Adaption des Wilhelm-Raabe-Umweltromans – mit wenigen Ausnahmen – ziemlich überzeugend. So wie wir.

Der Text, nunja, finden die kritischen Stimmen, aber Stückl mache das Beste draus. Eine überregionale Stimme ist da ganz anderer Meinung. Wir sahen's so.

Die Kritiken sind im Zweifel für Dirk Laucke und den Scharfsinn seiner Szenenfolge Furcht und Ekel, haben bei Regisseur Jan Gehler zuweilen Zweifel. Wir waren ebenfalls unzufrieden.

Betont distanziert und auch ein wenig angeödet schauen die großen Schweizer Zeitungen auf diesen Sexbusiness-Abend am Zürcher Schauspielhaus. Wir blieben auch distanziert.

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porträt & profil

holtz konrad wolf preis 2014 280 marcus lieberenz xJürgen Holtz  © Marcus Lieberenz

Berlin, 19. November 2014

Wir können uns nicht ins Bett verkriechen

Wenn es so etwas wie ein Urgestein des deutschen Theaters gibt, dann ist er es: der Schauspieler Jürgen Holtz, geboren 1932, berühmt in Ost und West, ein unbeirrbares, ein streitbares Theatertier. Am Sonntag erhielt Jürgen Holtz den Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste. Seine Dankesrede, in der er der Kulturnation die Leviten liest, gibt's hier.

Am vergangenen Donnerstag wurde das Freie Szene-Festival Politik im Freien Theater eröffnet – die neunte Ausgabe findet in Freiburg statt, dessen Theater dafür bekannt ist, dass es gerne "raus in die Stadt" geht. So auch das laufende Festival: Von zwei Eröffnungsinszenierungen mit Nebel und befragbarem politischem Profil und einem reichhaltigen Rahmenprogramm berichtet Jürgen Reuß.

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presseschau

20. November 2014

Psycho-Aktivismus

Naturgemäß beschäftigen sich die österreichischen Medien heute mit der Personalie Tomas Zierhofer-Kin, der ab 2016 die Wiener Festwochen leiten wird. Konkrete Pläne gibt's noch nicht, heilige Kühe allerdings auch nicht. Mehr in der Zusammenfassung.

Während Japan in eine Rezession rutscht, porträtiert der Tagesanzeiger Toshiki Okada, der in Basel gerade sein Stück Super Premium Soft Double Vanilla Rich präsentiert und spricht mit ihm über die Krise. Mehr hier.

Anlässlich des 20. Bühnenjubiläums von Gob Squad porträtiert der Berlin Tagesspiegel das Kollektiv aus Gießen und Nottingham und würdigt es als Beweis dafür, dass der "britische und der deutsche Humor durchaus kompatibel sind". Mehr auf tagesspiegel.de.

"Eine Eröffnung in Ersatzspielstätten oder Interimslösungen wird es mit mir nicht geben", sagt Wilfried Schulz, designierter Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses (hier unsere Meldung mit Presseschau), im Interview mit der Rheinischen Post, und: Er glaube nicht, dass der Düsseldorfer ein merkwürdiges, westeuropäisches  Sonderwesen ist, das Theater nicht braucht. "Ich halte die These vom schwierigen Publikum für Quatsch." Er denke nun darüber nach, "was die Leute interessiert, und wie das Theater ein sinnvoller Spiegel der Stadtgesellschaft werden kann".

Den Machern des Faust-Theaterpreises hat Till Briegleb von der Süddeutschen Zeitung im Anschluss an die Preisverleihung kräftig in die Festtagssuppe gespuckt. Hier die Zusammenfassung.

Über Pariser Theaterereignisse berichtet Barbara Villiger Heilig in der Neuen Zürcher Zeitung: Yasmina Rezas französische Erstaufführung von "Ihre Version des Spiels" (in Eigenregie der Autorin!), Julien Gosselins Adaption von Michel Houellebecqs "Elementarteilchen" und Michael Thalheimer mit Heiner Müllers "Der Auftrag". Mehr auf der Website der NZZ.

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debatte

frie leysen c ilja hoeppingKuratorin Frie Leysen © Ilja Hoepping

18. November 2014

Alarmglocken

Anlässlich ihrer Auszeichnung mit dem hochdotierten Erasmuspreis in Amsterdam lässt die Theatermacherin und Kuratorin Frie Leysen die Alarmglocken schellen: Europa verliert seine Räume für progressive Kunst, Enfaltungsmöglichkeiten schrumpfen, die Disneyisierung wächst und neue Theatermacher verkaufen sich an politische Aufträge, die sie überhaupt nicht erfüllen können. Wir veröffentlichen die Rede von Frie Leysen im englischen Original.

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magazinrundschau

collage magazinrundschau 11-14Die Theatermonatsmagazine, diesmal mit
Lettre International

18. November 2014

Sind wir nicht alle ein bisschen Anklam?

Die Stadttheaterdebatte schaut über den Umweg der Niederlande auch im November bei uns vorbei. Mit einem Gastauftritt in der Magazinrundschau ist diesmal auch Lettre International dabei, in dem Alain Badiou theaterphilosophische Vollwertkost auffährt. Außerdem: Einbruch der Performance in die Oper und DDR-Nachwehen. Mehr von Wolfgang Behrens.

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liveblog

schlussbild sophie-diesselhorstKein Vorbeikommen an der Grenzpolizei
Foto: Sophie Diesselhorst

21. November 2014

An die Grenzen Europas

nachtkritik.de-Redakteurin Sophie Diesselhorst berichtete von unterwegs live vom Ersten Europäischen Mauerfall, der polarisierenden Aktion des Zentrums für politische Schönheit. Am 7. November waren zwei Busse mit "friedlichen Revolutionären" zur bulgarischen EU-Außengrenze aufgebrochen, um dort am Jahrestag des Mauerfalls, also am 9. November, die Grenzanlagen abzureißen. Im Liveblog haben wir die Ereignisse zusammengefasst und zahlreiche Tweets dokumentiert. Außerdem: ein Behind-the-scenes-Reisebericht von Sophie Diesselhorst.

 

international

wahl 280 mw uDas Theater in Timișoara © Matthias Weigel

Timișoara, 11. November 2014

Vertraute Fremde

Etwa 1000 Kilometer südöstlich von Deutschland steht ein deutsches Stadttheater. Timișoara war einst die Hauptstadt des Banat, und obwohl kaum mehr Deutsche hier wohnen, hat deren Kultur überdauert. Auch bei der rumänischen Präsidentschaftswahl am Sonntag steht der deutschstämmige Kandidat in Timișoara hoch im Kurs. Von einer ungeahnten Dimension postmigrantischen Theaters berichtet Matthias Weigel.

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