Almost There – Die Jerusalemer Theatermacherin Nofar Sela im Forum beim Theatertreffen
Ich zeige mich lieber nicht
9. Mai 2025. Was der gegenwärtige Krieg in Nahost mit ihr macht, in welche existenziellen Widersprüche er sie stürzt, das beleuchtet in einer intimen Performance die israelische Theatermacherin Nofar Sela - im Rahmen des von ehemaligen Stipendiat*innen gestalteten Jubiläumsprogramms des Internationalen Forums.
Von Elena Philipp
9. Mai 2025. Nach "[EOL]" zu "Almost There" von Nofar Sela zu gehen, fühlt sich folgerichtig an: Wieder erlebt man die Performance allein, zwar ohne VR-Headset, aber einzeln an Tischen sitzend. Und wieder ist die eigene Beteiligung wesentlich. Nur dass hier nicht in einer virtuellen Umgebung geklickt wird, sondern, mit Kopfhörern und Audio auf den Ohren, geschrieben.
Während die Sprecherin mit dem Alias "Nofar“ von ihrer Wohnung in Jerusalem erzählt, von Raketeneinschlägen und ihrer dreijährigen Tochter, die so wenig wie möglich vom Krieg mitbekommen soll, dürfen die Zuschauer*innen in einem Notizheft auf ihre Fragen antworten: Wen möchten Sie unbedingt beschützen? Haben Sie schon mal so lang geweint, dass Sie dachten, Sie könnten nie wieder aufhören? Womit werden Sie niemals Frieden schließen?
Das "you“ klingt eher nach einem freundschaftlichen "Du". Und hinter der zugewandten Teezeremonie in der Kassenhalle lauern natürlich die Abgründe: In dem Umriss eines Kopfes, auf dem Nofar Sela ihre Gedanken notiert hat, steht "children starving children amputated children dead“. – Das ei(ge)ne Kind ist sicher, das andere hat keine Chance: Mit diesen existenziellen Widersprüchen leben die Menschen in Israel, die nicht den Vernichtungskrieg Netanjahus unterstützen.
Kaffee, Cookie, Zeichnung: Die Performance "Almost There" © Elena Philipp
Weil sie nicht sicher sei, wie wir auf sie reagieren würden, begegne sie uns lieber nicht persönlich, sagt die Erzählstimme im Kopfhörer. Vielleicht können wir mit ihr als Israelin keinen Frieden schließen? Nofar Sela, die inkognito kopräsent ist, trägt unterdessen als Kellnerin Tee und Kaffee auf.
Intim ist das Setting dieser Auftragswerks für das Forums-Jubiläum, die Implikationen sind global – konsequent fragt dieser Jahrgang des Theatertreffens nach dem Verhältnis von Privatem und Politischem.
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