Alles in Zeitraffer

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes "Bühnenaufbau" auf nachtkritik.de bisher: 6 Mal

20. Juni 2017. In Wien staut sich, wie in Berlin, dieser Tage die Hitze. Ich sitze, es ist bereits nachts, bei halbgeöffnetem Fenster vor dem hell blinkenden Laptop, drei Gelsen umkreisen mein Werk. Das Theaterjahr geht wieder einmal zu Ende, und ich verabschiede mich mit einer letzten Kolumne dieser Saison in die Sommerpause. Welch ein Jahr der Abschiede und letzten Auftritte und letzten Inszenierungen. Eines möchte ich dazu noch sagen: Hätte es für mich als junge Theaterbesucherin Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre die Volksbühne so nicht gegeben, wer weiß, was aus mir geworden wäre. Vielleicht ein Polizist?

Akzent

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes "Akzent" auf nachtkritik.de bisher: 444 Mal

11. Mai 2017. Ich gebe das Wort "Akzent" in die Suchmaschine von nachtkritik.de ein und stoße zum Beispiel auf Alvis Hermanis' aktuelle Inszenierung am Münchner Residenztheater, und die Ergebnisse dieser Suchmaschine lassen jetzt den Schauspieler Wolfram Rupperti in seiner Rolle noch einmal sagen: "Als ich aus Norwegen weggegangen bin und beschlossen hatte, Deutscher zu werden, wollte ich die Sprache so gut lernen, dass ich ohne Akzent spreche. Niemand sollte mich als Fremden erkennen."

Ceci n’est pas une Kolümn

von Teresa Präauer

5. April 2017. Scheitern am Verfassen einer Kolumne auf nachtkritik.de bisher: 0 Mal.

Wann sollte man im Leben keine Kolumne schreiben?

– Wenn man erst seit 3 Tagen als Visiting Professor in Amerika weilt, den Jetlag noch im Hirn und in den Gliedern.

– Wenn man, es ist spätnachts, bereits eine halbe Flasche Zinfandel von Bogel Vineyards getrunken hat.

– Wenn man die halbe Nacht, gegen den guten Vorsatz eine Kolumne zu schreiben, mit einem sogenannten "Akademietheaterstar" gechattet, also die Nacht gewissermaßen verchattet hat, ohne das Unterfangen noch als "Recherche" betiteln zu können.

Bretter

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Bretter auf nachtkritik.de bisher: 227 Mal

9. Februar 2016. Seit 2011 bietet das Wiener Burgtheater seinen abgetragenen Bühnenboden zum Verkauf an. Nachdem die "Bretter, die die Welt bedeuten" bis dato noch nicht ausverkauft sind, taucht das Angebot nun im Onlineshop eines österreichischen Wochenmagazins wieder auf: für 200 Euro pro Brett. Ein Pappenstiel im Vergleich zum ursprünglichen Preis von 600 Euro, damals veranschlagt und während einer "Matinee" feilgeboten unter der Leitung von Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann, der in dieser beruflichen Funktion mittlerweile als "historisch" zu gelten hat.

"Ich kann nicht mehr"

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Satzes "Ich kann nicht mehr" auf nachtkritik.de bisher: 19 Mal

28. Februar 2017. "Ich kann nicht mehr, ich weiß nicht weiter." Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, würde jemand diesen Satz sagen, nicht am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Sondern zum Beispiel dieser neue Twitter-Präsident: I’m done. No idea how to go on. Oder die Kanzlerin bei Anne Will am Sonntag. Nicht, dass ich mir das wünsche, aber ich stelle es mir vor. Wahrscheinlich ist es sogar ein Satz, den sie, bei sich Zuhause, manchmal laut ausspricht. Sie erhebt ihre Stimme, der Satz verklingt ungehört. Oder die Tagesthemen-Kommentatorin der Tagesschau sagt diesen Satz. Weiß nicht weiter. Um danach noch ein bisschen in die Kamera zu gucken, dann abzudrehen und, vielleicht pfeifend, nein, vielleicht eher ganz still, das Studio zu verlassen. Nicht als Kapitulation, sondern aus Einsicht, aus heiterer Einsicht. "Ich spreche zu den Wänden", sagt Pollesch, sagt Lacan, könnte man sagen, wenn man, schauspielend, auf der Bühne spricht.

Prophezeiung

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Prophezeiung auf nachtkritik.de bisher: 32 Mal

5. Januar 2016. Angesichts der Lektüre eines aktuellen Interviews mit Bob Wilson im britischen Guardian kann ich nicht anders, als das neue Kolumnenjahr auf nachtkritik.de mit einem Close Reading zu eröffnen. Nachdem Bob Wilson in diesem Interview selbst die Kunst der Prophezeiung praktiziert, möge Folgendes nun mit dem Habitus des Ausblicks aufs noch frische Jahr gelesen werden. Vorausgeschickt sei allerdings, dass die mediale Berichterstattung mitunter dazu neigt, Aussagen ihrer Interviewpartner verkürzt oder vereinfacht darzustellen – freilich als Serviceleistung für den Leser und die Leserin, die "in unserer schnelllebigen Zeit" komplexer Inhalte gar nicht mehr habhaft werden können –, wir wissen also nicht, ob Bob Wilson tatsächlich so geweissagt hat, als er, in Linz/Oberösterreich seine Inszenierung von Verdis "La Traviata" probend, den Guardian an der Strippe hatte. Doch womöglich hielt er sich, auch eingedenk der Telefonkosten, an den Neujahrsvorsatz: "Keep it simple."

Rollenspiel

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Rollenspiel auf nachtkritik.de bisher: 105 Mal

24. Januar 2017. Treffen sich acht Menschen um einen Mord zu begehen, kann das einen herrlichen Abend ergeben. Ihre investigative Kolumnistin von nachtkritik.de, der Wahrheit verpflichtet, dem Verbrechen auf der Spur, befindet sich auf dem Weg zu einem sogenannten Mörder-Dinner namens "How to Host a Murder". Einem Rollenspiel, Unterkategorie Murder Mystery Game, dessen erste Episode "The Watersdown Affair" 1983 vom amerikanischen Spielehersteller Decipher, Inc. auf den Markt gebracht worden ist und seither als Serie fortgesetzt und produziert wird.

Hosenrolle

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Hosenrolle auf nachtkritik.de bisher: 14 Mal.

17. November 2015. Ich will zurück nach Iowa. "Ach, geh doch zurück nach Iowa!" Nein, Wien ist eh auch gut, sagt die ZEIT in der aktuellen Ausgabe ihres Magazins. Hinzugefügt werden darf, dass die Stadt Wien ja aus mehreren Dörfern besteht. Was bloß heißt, dass es uns Bewohnern leicht fällt, einander geografisch aus dem Weg zu gehen. Das macht es auch einfacher, hier in Wien an seinem sogenannten Roman zu arbeiten, anstatt dort, in Iowa, ständig davon abgelenkt zu werden.

Fliegen

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Fliegen auf nachtkritik.de bisher: 440 Mal

29. November 2016. Man soll Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, hieß es bei uns in der Schule im Mathematikunterricht. Dabei gilt für die literarische Arbeit vielleicht gerade das Gegenteil: gerade Äpfel soll man mit Birnen vergleichen, denn übers Vergleichen – Abweichung und Ähnlichkeit – erklären und erfinden wir uns die Welt.

Homecoming

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Homecoming auf nachtkritik.de bisher: einmal. Mit heutigem Eintrag: öfter.

13. Oktober 2015. Noch weile ich in der Ferne. In Iowa City, Amerika, habe ich soeben das "Homecoming Weekend", halb feiernd, halb staunend, hinter mich gebracht. Und Cyndi Lauper, nein, die "Chvrches" haben gespielt, bei freiem Eintritt auf dem Rasen des Pentacrest, einer Ansammlung von Gebäuden rund um das Old Capitol, dem Nullpunkt im orthogonalen Straßennetz der Stadt. Schwarz-gold gewandete Studentinnen und Studenten sind im Takt dazu gehüpft, am Nachmittag vorher gabs Paraden und Umzüge, tags darauf das Football-Spiel Iowa vs. Illinois. "Go, Hawks!"

Elfriede Jelinek

von Teresa Präauer

Erwähnungen von Elfriede Jelinek auf nachtkritik.de bisher: 343 Mal

20. Oktober 2016. Es brennt uns unter den Nägeln, wir sitzen seit Tagen auf Nadeln, es juckt und kitzelt uns vor Aufregung und Vorfreude: wir wollen Elfriede Jelinek zum 70. Geburtstag gratulieren!

Beginn

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Beginn auf nachtkritik.de bisher: 2000 Mal.

8. September 2015. Jetzt, wo es Herbst wird und die Theatersaison wieder beginnt, sitze ich in Iowa City und schreibe diese Kolumne. Es ist spät, und bis der Text abgeschickt werden kann, wird es hier Mitternacht geworden sein, und dort, in Berlin, im Zimmer der verantwortlichen Redakteurin, bereits sieben Uhr morgens. Sie wird ihren Computer einschalten, und ich werde meinen ausschalten.

Perücke

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Perücke auf nachtkritik.de bisher: 385 Mal

13. September 2016. Eine neue Saison beginnt am Theater. Und bis Ihre Kolumnistin sich in diesem Herbst wieder unters Theaterpublikum mischen wird, versteckt unter einer aschblonden Pagenschnittperücke, zehrt sie noch von der Erinnerung an das dramatische Ereignis ihres Sommers.

Wir

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes wir auf nachtkritik.de bisher: "Ein oder mehrere häufig vorkommende Wörter wurden bei der Suche ignoriert!"

4. August 2015. Als ich jetzt, am zweiten August, diesen Eintrag schreibe, jährt sich Christoph Schlingensiefs "Baden im Wolfgangsee" auf den Tag genau zum 17. Mal. Wir erinnern uns: Die Einladung zum gemeinsamen Baden im österreichischen St. Gilgen am Wolfgangsee erging an sechs Millionen deutsche Arbeitslose. Erklärtes Ziel war es, gemeinsam den Wasserstand des Sees zu heben, um Helmut Kohls Ferienhaus am Ufer zu fluten. – Elfriede Jelinek betreibt ja seit einigen Jahren ihre Homepage, auf der sie laufend Texte und Kommentare veröffentlicht. Auch das Foto von Christoph Schlingensief mit "Chance2000"-Käppchen aus 1998 findet sich in dieser Sammlung auf elfriedejelinek.com.

Passen

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Passen auf nachtkritik.de bisher: 771 Mal

7. Juni 2016. Ich bin mit meiner Freundin M. im Charlottenburger Zwiebelfisch gesessen, und wir haben darüber beraten, ob die Zeit fortschreitet: ja oder nein. Vor 16 Jahren haben wir uns beim Studieren in Berlin kennengelernt, heute trinken wir zusammen zwei Asahi und acht kleine Kölsch. Alte Kleider wegwerfen: ja oder nein?

Aussprache

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Aussprache auf nachtkritik.de bisher: 37 Mal

26. Mai 2015. Das Trennende zwischen Österreich und Deutschland sei die gemeinsame Sprache, soll Karl Farkas in seinen Kabarettprogrammen in etwa gesagt haben. "Kabarett": das, hier fängt es schon an, schreibt man in Österreich genau so, spricht es aber aus wie das französische "Cabaret". Und was nicht alles unterschiedlich ausgesprochen wird in deutschsprachigen Landen, von der Schweiz ganz zu schweigen!

Puppen

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Puppen auf nachtkritik.de bisher: 574 Mal

19. April 2016. Puppen am Theater: gibt es wohl, seit es Theater gibt. Die Bedenken gegen Puppen am Theater, sie hätten etwas Kindisches oder Verstaubtes an sich, wird man rasch ausräumen, wenn man aktuell, neben vielen anderen Beispielen, an Nikolaus Habjans Handpuppen auf deutschen und österreichischen Bühnen denkt oder, weiter zurückliegend, an die monströse Jelinek-Puppe, die 1995 bei Castorf ihren Auftritt hatte. Ist sie wirklich so groß gewesen? Ich glaube mich zu erinnern, sie sei übergroß gewesen. Vielleicht war ich damals aber selbst einfach so klein. Oder man wird, im Publikum sitzend, so sehr zum Hinaufschauen vergattert.

Memoiren

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Memoiren auf nachtkritik.de bisher: 16 Mal

21. April 2015. Wenn man im Foyer des Wiener Burgtheaters auf den Beginn der Vorstellung wartet oder sich in der Pause später die Zeit vertreibt, ohne beim Buffet im oberen Stockwerk ein Schinkensemmerl zu verdrücken – dazu ein andermal –, dann fällt der Blick auf die Auslage der dort integrierten Buchhandlung, die nämlich DVDs, Bücher und CDs über Theater und Theaternahes feilbietet.

Grimasse

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Grimasse auf nachtkritik.de bisher: 80 Mal

15. März 2016. Das Wort "Grimasse" ist eines der Theaterwörter – verwandt mit der "Maske"–, die ich hier für "Zeug & Stücke" zusammentrage. Grimassen zu schneiden bedeutet so etwas wie ein groteskes Verziehen der Gesichtsmuskulatur, zur Abwehr des Gegenübers, als närrisches Spiel. Manchmal wird aus dem Jux ein Ernst, wenn man nämlich zu oft oder zu lang das Gesicht verzieht und ganz darauf vergisst, die Muskulatur hernach wieder zu entspannen.

Cosplay

von Teresa Präauer

Erwähnungen des Wortes Cosplay auf nachtkritik.de bisher: 2 Mal

17. März 2015. Ach, Cosplay. Nur zweimal, sagt die Suchmaschine, wird der Begriff genannt auf nachtkritik.de: einmal bei Armin Petras, ahja!, und einmal in einem Artikel, der, am Rande, auf ein Stück von Gob Squad verweist: "Before your very Eyes". Worin Kinder ihr Leben antizipieren und die Rollen erproben, die sie später einmal eingenommen haben werden, so es nach den begrenzten Möglichkeiten innerhalb des "Formelvorrats" eines Menschenlebens geht. Seltsam, wenn man als Mittdreißigerin in diesem Stück im brut Wien gesessen ist, und sich angesehen hat, wie Kinder also dreißig- bis vierzigjährige Erwachsene imitieren: wie lustig ist es gewesen und wie traurig, sich darin, satz- oder gestenweise, wiederzuerkennen.